Coronakrise

Dauert die Fußballsaison demnächst von März bis November?

Entscheidung vertagt: Noch ist nicht klar, was aus der laufenden Fußballsaison wird.

Entscheidung vertagt: Noch ist nicht klar, was aus der laufenden Fußballsaison wird.

Foto: Hanno Bode

Während die Fußball-Verbände zögern, schlägt Altengammes Sportlicher Leiter Philipp Mohr Revolutionäres vor.

Bergedorf. Abbruch oder Verlängerung? Die Entscheidung über die aktuelle Saison in den Fußball-Amateurligen wird zur Hängepartie. Auf einer Konferenz des Deutschen Fußball-Bunds mit seinen fünf Regional- und 16 Landesverbänden vertagten sich die Beteiligten um eine weitere Woche auf den 23. April. Festgehalten wurde lediglich, dass beide Varianten weiter möglich sein sollen. Im Fall einer Fortsetzung nach dem 30. Juni wird frühestens ab dem 15. August gespielt. Das würde bedeuten, dass die Sommerferien fußballfrei bleiben.

Österreich annulliert Saison

„Anstelle des Verbandes würde ich auch weiter auf Zeit spielen“, gibt Philipp Mohr, der Sportliche Leiter des Fußball-Landesligisten SV Altengamme, zu, „es weiß ja noch niemand, was in zwei Wochen ist.“ Slavec Rogowski, Trainer des Bezirksligisten SC Wentorf, hält dagegen. „Österreich hat es gerade vorgemacht und die Saison in den Amateurligen annulliert“, betont er, „das ist ein sehr drastischer Schritt, aber aus Sicht des Verbandes wahrscheinlich die sauberste Lösung. Und es wird nicht ohne Signalwirkung auf Süddeutschland bleiben.“

Kein Aufstieg? Ein Schlag ins Gesicht!

Im Falle einer Annullierung hätten souveräne Tabellenführer wie der VfL Lohbrügge in der Landesliga oder der Ahrensburger TSV in der Bezirksliga ihre Saison vergeblich gespielt. „Als Sportler wäre ich damit nicht glücklich“, gibt Rogowski zu, „das wäre ein Schlag ins Gesicht. Ich bin daher der Meinung, dass bei einem Abbruch die Tabellenführer aufsteigen müssen.“

Oberliga in zwei Gruppen?

In diesem Fall könnte die Oberliga jedoch bis auf 20 Teams anwachsen. „Kein Problem“, betont Frank Flatau, Fußball-Abteilungsleiter der TuS Dassendorf, „dann würde ich mit zwei Gruppen zu je zehn Teams bilden. Das ergibt mit Hin- und Rückspiel 18 Spieltage. Danach gibt es eine Endrunde der besten fünf beider Gruppen und eine Abstiegsrunde der schlechtesten fünf, wobei nach dem Vorbild des Handballs die Ergebnisse aus der Vorrunde mitgenommen werden. Es bleiben dann mit Hin- und Rückspiel weitere zehn Spieltage, also insgesamt 28, bis der Meister gefunden ist.“ Zum Vergleich: Eine normale Oberliga-Saison hat 34 Spieltage. „Es wäre also genügend Zeit, um mögliche Verzögerungen durch die Coronakrise aufzufangen“, wirbt Flatau für seine Idee.

Die flotte Winter-WM in Katar

Philipp Mohr hingegen würde den Amateurfußball gerne grundsätzlich neu aufstellen. Mit einem revolutionären Ansatz. „Wir sollten ab 2021 zu einem jährlichen Ligenrhythmus wechseln“, regt er an, „2022 wird die Weltmeisterschaft in Katar im Winter gespielt. Da wird sich der Fußball ohnehin etwas einfallen lassen müssen.“ Die WM in Katar soll zügig in 28 Tagen vom 21. November bis 18. Dezember 2022 durchgezogen werden. Damit wäre es trotz 32 Teilnehmern und nur fünf Stadien die kürzeste WM der vergangenen 40 Jahre.

DDR-Oberliga im Jahresrhythmus

Einen Jahresrhythmus gibt es wegen der strengen Winter in Skandinavien und Russland. Was jedoch kaum jemand weiß: Auch in Deutschland gab es das schon. Nach der Gründung der eingleisigen DDR-Oberliga spielte diese in Anlehnung an die UdSSR zunächst von 1955 bis 1961 im Jahresrhythmus, bevor dann doch auf den Europapokal-Rhythmus umgestellt wurde. Für Amateurfußballer hätte ein Jahresrhythmus den Vorteil, dass nur eine Saisonvorbereitung nötig wäre und die Sommermonate besser genutzt werden könnten.