Fußball-Oberliga

TuS Dassendorf leitet den Umbruch ein

Seine Zeit bei der TuS Dassendorf geht zu Ende: Finn Thomas (vorn).

Seine Zeit bei der TuS Dassendorf geht zu Ende: Finn Thomas (vorn).

Foto: Hanno Bode

Der Oberliga-Tabellenführer trennt sich von langjährigen Spielern. Gleich sechs Neue, darunter der Ex-Kapitän eines Drittligisten, kommen.

Dassendorf. Seit 2015 ist die rechte Außenbahn der TuS Dassendorf sein Revier. Diese beackert Finn Thomas ohne Rücksicht auf Verluste vom eigenen Strafraum bis zur gegnerischen Grundlinie. Auch ein Kreuzbandriss zu Beginn der vergangenen Saison konnte den 32-Jährigen nicht dauerhaft stoppen. Vor der Corona-Zwangspause hatte „Finner“, so sein Spitzname, seinen Stammplatz zurückerobert. Dennoch wird es für ihn keine weitere Spielzeit am Wendelweg geben.

Thomas fällt – nicht als Einziger – der Verjüngungskur im Kader zum Opfer. „Wir haben unsere Personalplanungen weitestgehend abgeschlossen“, verkündete Sportchef Jan Schönteich und präsentierte gleich sechs Neuzugänge auf einen Streich (siehe unten). Lediglich den Namen des Königstransfers hielt er auf Wunsch des Spielers noch geheim.

Dazu nur soviel: „Was ich jetzt schon sagen kann: Er kommt von einem Drittligisten, ist gerade 30 Jahre alt geworden, war bei seinem Verein Kapitän und soll bei uns Finn Thomas ersetzen. Für ihn haben wir ins hohe Regal gegriffen“, so Schönteich, der seinen Verein für die Zukunft gut aufgestellt sieht. „Wir haben jetzt insgesamt neun Spieler mit Vertrag bis 2022 im Kader und sechs sogar bis 2023“, betont der TuS-Sportchef.

Schwarzenbeks Marvin Möller zur TuS

Die neue Dassendorfer Mannschaft trägt damit immer mehr die Handschrift von Trainer Jean-Pierre Richter. Ob Len-Aike Strömer, die beiden Bergmann-Brüder, Dennis und Mirco, oder der Noch-Schwarzenbeker Marvin Möller – sie alle kennt Richter bereits von früheren Stationen. „Sie werden uns menschlich und sportlich sowie perspektivisch verstärken“, sagt der Coach.

Demgegenüber stehen mit Finn Thomas, Marcel von Walsleben-Schied (36), Pascal Nägele (30) und Torhüter Christian Gruhne (29) vier langjährige Stammkräfte, von denen sich die Dassendorfer trennen. Nägele ist aus beruflichen Gründen sogar schon seit dem Winter weg. Zusammen bringt es das Quartett bei der TuS auf 13 Hamburger Meistertitel und acht Pokalsiege.

„Helden unseres Vereins“

„Das sind Helden unseres Vereins. Diese Entscheidungen trifft man nicht mit einem Lächeln. Aber aktuell sind noch zehn Mann im Kader, die schon hier gespielt haben, als ich noch Trainer war“, sagt Jan Schönteich, der Anfang 2016 vom Coach zum Sportchef aufstieg. „Da mussten wir langsam mit dem Umbruch beginnen. Mal sehen, ob wir es besser hinkriegen als Bayern.“

Während sich die Münchner, deren glühender Fan Schönteich ist – lange scheuten, sich von Arjen Robben und Franck Ribery zu trennen, haben die Dassendorfer nun konsequent „alte Zöpfe“ abgeschnitten. „Wir verjüngen uns damit nicht nur, wir verbreitern uns auch qualitativ in der Spitze“, ist Schönteich überzeugt.

Bei den Betroffenen stößt der Umbruch nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Während der langjährige Stammkeeper Christian Gruhne das neue Angebot der TuS nicht annahm und durch Julian Barkmann von Regionalligist FC St. Pauli II ersetzt wird, wären von Walsleben-Schied und Thomas gern geblieben. „Ich dachte, ich würde meine Karriere hier beenden. Der Verein liegt mir am Herzen und ich wünsche ihm alles Gute. Was mir in letzter Zeit etwas fehlt, ist Wertschätzung und Respekt. Und sollte ich irgendwann mit einem anderen Club zurückkehren, werden sie sehen, dass es geiler ist, mich in ihrer Mannschaft zu haben anstatt als Gegenspieler“, sagte Thomas.