TSG Bergedorf

„Nur wenn nichts mehr geht, beantragen wir Kurzarbeit“

Nach Schweiz-Aufenthalt in Quarantäne: Boris Schmidt, 1. Vorsitzender der TSG Bergedorf.

Nach Schweiz-Aufenthalt in Quarantäne: Boris Schmidt, 1. Vorsitzender der TSG Bergedorf.

Foto: Volker Gast

Der Chef ist selbst in Quarantäne: Nach der TSG-Skireise mit 100 Kindern in die Schweiz muss der Vorsitzende Boris Schmidt zu Hause bleiben.

Bergedorf. Noch steht auf der Internetseite der TSG Bergedorf der 29. März als das Datum, bis zu dem der Großverein den Sportbetrieb einstellt. Dass anschließend wieder Kurse angeboten werden und die Sportanlagen ihren Betrieb aufnehmen können, glaubt allerdings kaum jemand. Eine Verlängerung bis zum 30. April, wie sie die Stadt Hamburg für alle Vereine auch aktuell vorgeschrieben hat, scheint unausweichlich. Etwaige finanzielle Einbußen bis zu diesem Termin kann der Großverein mit seinen rund 11.000 Mitgliedern auffangen. Erst danach könnte es eng werden. „Unser oberstes Ziel ist es, die Gehälter unserer Hauptamtlichen nicht zu kürzen“, sagt der 1. Vorsitzende Boris Schmidt.

150 Hauptamtliche betroffen

Mehr als 150 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt die TSG. Darunter sind zum Beispiel Erzieher, Pädagogen, Köche, Auszubildende und FSJler. Hinzu kommen noch einmal rund 100 Mini-Jobber mit einem Verdienst bis 450 Euro. Damit sie alle bezahlt werden können, obwohl die Einnahmen sinken, setzt der Bergedorfer Großverein auf verschiedene Modelle.

„Resturlaub aus dem Vorjahr nehmen, Überstunden abbummeln oder aber auch Minusstunden auf dem Jahreszeitkonto machen“, zählt Schmidt auf. Oder jetzt schon an die Urlaubstage für 2020 gehen. „Nur wenn nichts mehr geht, wollen wir Kurzarbeit beantragen“, fügt Thorsten Wetter hinzu. Der stellvertretende TSG-Vorsitzende arbeitet wie die meisten seiner Kollegen im Homeoffice.

100 davon bezahlt der Staat

Diejenigen Hauptamtlichen bei der TSG, die im Jugendzentrum, in Kitas und in der Schulkooperation arbeiten, müssen sich nach Angaben von Schmidt sowieso keine Sorgen machen. Sie werden zu 100 Prozent vom Staat bezahlt. Das betrifft im Club etwa 100 Mitarbeiter.

Für schlechte Zeiten Geld zur Seite zu legen, wie es Unternehmen tun, dürfen Non-Profit-Organisationen wie Sportvereine nicht. „Daher verfügen wir auch nicht über Rücklagen“, klagt Schmidt. Gleichwohl rechnet der TSG-Chef damit, dass Vereine schnell Gefahr laufen werden, Mitglieder zu verlieren. Der Hamburger Sportbund hat daher auch an alle seine Mitglieder appelliert, sich den Vereinen gegenüber solidarisch zu zeigen. „Konkret bedeutet das, weiterhin die Beiträge zu zahlen, auch wenn es derzeit keine Angebote gibt, und auf Rückforderungen zu verzichten“, schrieb HSB-Präsident Jürgen Mantell auf der Internetseite des Verbands. Der HSB vertritt aktuell 815 Vereine in 47 Fachverbänden mit 542.406 Mitgliedern.

200 Ehrenamtliche drohen leer auszugehen

Damit Vereine nicht in eine finanzielle Schieflage geraten, hat der Senat am Donnerstag ein Sofortprogramm auf den Weg gebracht (wir berichteten). Clubs aber auch die Organisatoren von Sportveranstaltungen können einen Kredit in einer Höhe bis zu 150.000 Euro in Anspruch nehmen. Auch den Freiberuflern im Sport will der Senat mit Sofortzuschüssen unter die Arme greifen. Bei der TSG gibt es etwa 80, die hauptsächlich als Kursleiter arbeiten. Sie würden ohne Zuschüsse leer ausgehen. Kein Geld erhalten die nebenamtlichen Übungsleiter, die bis zu 200 Euro im Monat als Aufwandsentschädigung bekommen. Davon gibt es beim Bergedorfer Großverein etwa 200.

Übrigens hat es den TSG-Chef selbst erwischt. Nach seiner Rückkehr aus Leukerbad in der Schweiz, wohin der Verein alljährlich mit 100 Kindern und Jugendlichen in die Skiferien reist, muss Boris Schmidt vorsorglich für zwei Wochen in häusliche Quarantäne.