Olympia

Ruderer Torben Johannesen trainiert allein zu Hause

Beim Krafttraining: Torben Johannesen, der zum Team des Deutschland-Achters gehört.

Beim Krafttraining: Torben Johannesen, der zum Team des Deutschland-Achters gehört.

Foto: Detlev Seyb

Düstere Aussichten für unsere Olympia-Hoffnung: Das Leistungszentrum in Dortmund ist wegen der Corona-Krise gesperrt.

Neuallermöhe. Eigentlich würde sich Torben Johannesen dieser Tage mit dem Deutschland-Achter im Olympiastützpunkt auf die Spiele in Tokio vorbereiten. Doch die Stadt hat die Anlage am Dortmund-Ems-Kanal gesperrt. Und so verbringt der in Neuallermöhe aufgewachsene Ruderer viel Zeit auf dem Ergometer in seiner Wohnung im Hamburger Stadtteil Rotherbaum, wo er mit seiner Freundin Kristin lebt. Wir haben uns mit dem 25-Jährigen, der früher für den RC Bergedorf gestartet ist und jetzt für den RC Favorite Hammonia ins Boot steigt, über die aktuelle Situation und Olympia unterhalten. Im Gegensatz zu vielen anderen Booten hat sich das DRV-Flaggschiff als Weltmeister von 2019 bereits für die Spiele qualifiziert.

Herr Johannesen, wie halten Sie sich derzeit fit?

Ich bin gerade vor zwei Minuten vom Ergometer abgestiegen. Mein Hersteller hat mir ein ganz neues Gerät für zu Hause zur Verfügung gestellt. Außerdem habe ich eine Fahrradrolle, auf die ich mein Rennrad setzen kann. Da der Kraftraum im Ruderzentrum Allermöhe nicht freigegeben ist, mache ich zu Hause Übungen mit dem Eigengewicht.

Für Letzteres scheint es ja eine Lösung zu geben. Seit Donnerstag dürfen Athleten mit Olympiakader-Status die Anlage im Stützpunkt in Dulsberg nutzen.

Perfekt. Das wusste ich noch gar nicht. Dann werde ich gleich heute hinfahren, um in den Kraftraum zu gehen.

Das alles ersetzt nicht das Training auf dem Wasser.

Klar. Ich hoffe, dass ich bald auf die Dove-Elbe kann. Es wäre optimal, wenn ich dort rudern könnte.

Zusammen mit Ihrem Bruder und früheren Olympiasieger Eric, der seine Karriere letztes Jahr beendet hat?

(lacht) Klar, wenn der Lust dazu hat. Sonst mit Malte Großmann, der auch für meinen Club Favorite Hammonia startet. Das würde auch von der Seite her passen, da Eric und ich beide auf Backbord rudern.

Hat es Sie überrascht, dass die Stadt Dortmund den Stützpunkt auch für Olympiakaderathleten geschlossen hat?

Ja, aber da kann man nicht viel machen. Das Problem ist, dass zu dem Stützpunkt-Komplex in Dortmund auch ein Ruderclub mit vielen Nachwuchssportlern gehört. Ich hoffe aber, dass die Anlage für uns Kaderathleten bald wieder freigegeben wird.

Das Trainingslager in Portugal wurde kurzfristig abgebrochen. Wie haben Sie, wie hat die Mannschaft darauf reagiert?


Wir haben am vergangenen Sonntag eine WhatsApp vom Verband bekommen. Wir sollten alles stehen und liegenlassen und zurückkommen. Ich bin dann um 2.30 Uhr in der Nacht zum Montag zusammen mit unserem Trainer Tim Schönberg, der auch aus Hamburg kommt, zum Flughafen gefahren. Wir waren alle enttäuscht, wollten es nicht wahrhaben. Als Leistungssportler lebt man mitunter in einer Blase. In Bezug auf Olympia ist der Abbruch des Trainingslagers kein gutes Zeichen.

In der vergangenen Woche haben Sie gesagt: „Ein Sportevent, bei dem es um so viel Geld geht, wird nicht komplett ausfallen.“ Haben Sie Ihr Meinung mittlerweile geändert?


Ich halte eine Absage der Spiele zum jetzigen Zeitpunkt für zu früh. Es sollte erst einmal abgewartet werden, wie schnell und ob die vielen Maßnahmen, die in zahlreichen Ländern beschlossen wurden, greifen. Ich hoffe immer noch, dass Olympia wie geplant ausgetragen werden kann. Es ist auch aber möglich, die Spiele zu verschieben. Sie komplett ausfallen zu lassen, ist jedenfalls keine Lösung.

Und wenn Olympia abgesagt und vielleicht ins kommende Jahr verschoben wird?

Dann werde ich persönlich erst einmal in ein Loch fallen. Die Chance, in diesem Jahr Gold zu holen, ist groß. Das kann im kommenden Jahr ganz anders aussehen. Einige werden aufhören, das Team wird sich verändern.

Ist die Chancengleichheit denn noch gewährleistet? Einige Nationen können auf dem Wasser trainieren, der deutsche Achter nicht.

Wir sind als Team gefestigt und werden diese Phase überstehen. Wir dürfen nur den Glauben an Olympia nicht verlieren. Jeder von uns muss jetzt sein Programm auf dem Ergometer durchziehen. Es muss aber auch wieder die Möglichkeit geben, aufs Wasser zu gehen.

Wegen des Coronavirus’ müssen viele Menschen in die Kurzarbeit und haben weniger Geld zur Verfügung. Das betrifft Sie nicht.

Nein, ich bin bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Das ist ein super Arbeitgeber, in Zeiten wie diesen absolut verlässlich. Darüber bin ich total froh.

Da der Stützpunkt in Dortmund geschlossen ist, können Sie sich aktuell in ihrer Heimatstadt Hamburg aufhalten. Was machen Sie so, wenn Sie nicht trainieren?

Ich koche sehr gern, am liebsten für Freunde. Vor allem italienisch. Ich habe mir gerade einen kleinen Traum erfüllt und einen Pizzaofen gekauft. Der heizt bis 500 Grad Celsius.

Für die Freunde zu kochen, fällt wegen der Corona-Krise ja aktuell aus.

Stimmt. Gut für meine Freundin, dann kriegt die mehr ab.