Amateurfussball

„Es wird keinen Spieltag mehr geben“

Mindestens bis zum 30. April ruht der Spielbetrieb bei den Amateuren in Hamburg.

Mindestens bis zum 30. April ruht der Spielbetrieb bei den Amateuren in Hamburg.

Foto: Hanno Bode

Wie geht es nach dem Sportverbot weiter? Wir haben uns bei Fußballtrainern und Offiziellen umgehört.

Bergedorf. Bis zum 30. April ruht der Spielbetrieb im Hamburger Amateurfußball – mindestens. Fünf Spieltage, der vom vergangenen Wochenende inklusive, müssten dann von der Landesliga abwärts nachgeholt werden. In der Oberliga sind es sogar sechs. Regulär wäre die Saison 2019/20 in Hamburg am Wochenende 15. bis 17. Mai beendet. Es dürfte schwierig werden, diesen Termin zu halten. Zumal zahlreiche Clubs jetzt mehrere Nachholspiele haben.

Aber auch das Ende der Spielzeit nach hinten zu verschieben, könnte unter Umständen nicht ausreichen. „Auf eine Verlängerung aller Einschränkungen über den 30. April hinaus sollten sich alle einstellen“, erklärte Sportsenator Andy Grote in einer Pressemitteilung vom Sonntag. Das setzt den Hamburger Fußball-Verband unter Druck.

Wie soll es jetzt weitergehen? Selbst ein Abbruch der Saison scheint nicht abwegig. Doch wer steigt dann ab, wer auf? Der Verband ist auf die Entwicklung nicht vorbereitet. „Wir werden die neue Situation bewerten und entscheiden dann, was zu tun ist“, sagte Geschäftsführer Karsten Marschner. Was aber denken Trainer, Offizielle und Fußballer, wie es jetzt weitergeht?

Thorsten Beyer (Trainer des SC Vier- und Marschlande): „Als ich 2013 mit Kosova in die Landesliga aufgestiegen bin, hatten wir aufgrund eines langen Winters schon mal zwölf Spiele innerhalb eines Monats. Dienstag, Donnerstag, Sonntag wurde gespielt - das war total aufwendig, aber machbar. Wenn wir diesmal aber nicht bis zu den Sommerferien (Ende Juni, die Red.) durch sein sollten, dann sollten die Tabellen gewertet werden, wie sie jetzt sind. Das wäre dann höhere Gewalt.“

Oliver Schubert (Manager des SV Curslack-Neuengamme): „Wir sollten die Saison irgendwie zu Ende spielen. Aber wie, da habe ich keine Ahnung. Wenn wir jetzt bis Ende April pausieren, bräuchten wir eigentlich zunächst auch erst mal wieder eine Vorbereitung. Die Verträge laufen aber nur bis 30. Juni. Bis dahin müssen wir durch sein. Und sonst steigen halt die Ersten auf und es gibt keine Absteiger.“

Andreas Kreutzer (Ligaobmann des Düneberger SV): „Sollte die Spielzeit nicht ordentlich beendet werden können, gibt es verschiedene Szenarien. Der schlimmste Fall für uns wäre sicherlich, wenn die Saison jetzt zu Ende wäre. Dann wären wir abgestiegen. Möglich ist aber auch, dass es keine Absteiger gibt, die Meister aufsteigen und die Ligen aufgestockt werden. Oder die Saison annulliert wird. So oder so: Ich möchte nicht in der Haut derer stecken, die das entscheiden müssen.“

Sven Möller (Spieler der TuS Dassendorf): „Ein Bekannter aus dem Umfeld wurde positiv getestet. Daher hatten meine Freundin und ich schon damit gerechnet, dass wir uns angesteckt haben. Das ist zum Glück nicht der Fall. Vom Verein haben wir die Vorgabe bekommen, uns fit zu halten. Das versuche ich umzusetzen. Nach dem aktuellen Stand denke ich, dass wenn die Saison um zwei, drei Wochen verlängert wird, wir sie auch zu Ende spielen können.“

Sven Schneppel (Trainer VfL Lohbrügge): „Ich habe mir über Fußball in den vergangenen Tagen tatsächlich überhaupt keine Gedanken gemacht. Vielmehr versuche ich, mein Leben zu organisieren. Zum Beispiel meine Arbeit ins Home-Office zu verlegen. Fußball spielt da im Moment nur die zweite Geige.“

Philipp Mohr (Sportlicher Leiter des SV Altengamme): „Ich denke, die Amateurverbände werden die Entscheidungen der DFL und des DFB abwarten und dann handeln. Wenn es beim 30. April bleibt, ist es vielleicht noch möglich, die Saison mit Englischen Wochen zu beenden. Das wäre natürlich wünschenswert.“

Slavec Rogowski (Trainer des SC Wentorf): „Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Daher glaube ich nicht, dass es überhaupt noch einen Spieltag geben wird. Das ist besonders schade für diejenigen Mannschaften, für die es um etwas geht. Da Vereine Mannschaften häufig zurückziehen, hätte ich nichts dagegen, wenn die Tabellenführer aufsteigen und die Ligen aufgestockt werden.“

Vitali Rommel (1. Vorsitzender und Spieler von Atlantik 97): „Das Beste wäre, wenn die Saison zu Ende gespielt werden kann. Als Tabellendritter machen wir uns große Hoffnungen auf den Aufstieg. Wenn es aber noch mehr Spieltage gibt, die abgesagt werden, dürfte es eng werden.“

Idris Gümüsdere (Trainer des FSV Geesthacht): „Gesundheit geht vor. Daher war es richtig, den Spielbetrieb ruhen zu lassen. Ich glaube aber nicht, dass alle Spiele nachgeholt werden können. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass die Saison annulliert wird. Aber egal welche Entscheidung der Verband treffen wird: Wir werden sie akzeptieren.“

Maxwell Phelps (Trainer des SV Hamwarde): „Als Tabellenführer hoffen wir, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Dann müsste eben den ganzen Mai über Fußball gespielt werden. Der Verband könnte ja den Start der neuen Spielzeit auf Mitte August verschieben. Viel wird davon abhängen, ob die Europameisterschaft verschoben oder sogar abgesagt wird.“

Sven Reinke (Trainer des SC Schwarzenbek): „Das ist alles furchtbar kompliziert. Geht es wirklich bereits nach dem 30. April weiter? Schon danach würde es aber eng mit den Terminen werden. Die Saison durch zu knüppeln macht für mich keinen Sinn. Den Sommer über durchzuspielen ist wegen der Ferien auch keine Option. Vielleicht sollte man die Saison annullieren und wir fangen im Sommer dann wieder bei Null an. Aber das wäre für einige Mannschaften ganz schön bitter. Was das Beste ist, weiß aber kein Mensch, weil wir so einen Fall noch nie hatten.“