Kreisliga

In der Fußball-Kreisliga kommt der Besoffene zuerst

Artemiy Sorokin (TSG) schirmt den Ball gegen Ben Bode (Wentorf II) ab.

Artemiy Sorokin (TSG) schirmt den Ball gegen Ben Bode (Wentorf II) ab.

Foto: Volker Koch

Völlig durcheinander sind die Spieler des SV Hamwarde wegen des drohenden Punktabzugs. Gewonnen haben sie trotzdem.

Hart im Nehmen: Seit einiger Zeit plagt sich Jeffrey Brandt, Kreisliga-Fußballer der TSV Reinbek, mit einer Schulter­eck­gelenks­­prellung herum. Doch der 19-Jährige ist hart im Nehmen und lief gegen den ETSV Hamburg II auf. Das war gut so: Mit zwei Toren brachte der Stürmer sein Team auf die Siegerstraße. Brandt, der mehrere Male auf die lädierte Schulter fiel, biss 84 Minuten lang auf die Zähne. Am Ende hatten die Reinbeker 3:2 gewonnen. Wer weiß jedoch, wie das Spiel gelaufen wäre, wenn Dennis Mann beim ETSV nicht erst nach der Pause eingewechselt worden wäre. Mann war an beiden Toren beteiligt und hatte den Ausgleich auf dem Fuß. „Den hätte ich früher bringen müssen“, sagte ETSV-Coach Roy Laudi.
Spätberufen: Bislang standen bei Marcus Mietzner in dieser Saison erst zehn Einsatzminuten zu Buche. Ob der Personalsorgen des SV Börnsen II kam der Ergänzungsspieler beim FC Bergedorf in der Schlussphase mal wieder zum Zug – und erzielte dabei sein erstes Kreisliga-Tor. Es war der 2:0-Endstand gegen das Schlusslicht. „Marcus hat erst vor fünf Jahren mit Fußball angefangen und wird immer besser“, gab’s von Coach Christian Somann ein Lob. Apropos Personalsorgen: Der FCB, der zuletzt nur zu zehnt angetreten war, begann diesmal vollzählig. Allerdings hielt das nur bis zur Pause, danach machten die Hausherren zu zehnt weiter.
Alter Sack: Dass der abstiegsgefährdete TuS Aumühle-Wohltorf gegen den Zweiten Atlantik 97 zur Pause ein 0:0 hielt, daran hat Sadik Kartal maßgeblichen Anteil. „Da muss man dem ,alten Sack’ ein Kompliment machen. Der hat unsere beiden Besten völlig aus dem Spiel genommen“, lobte selbst Gästetrainer Alexander Schreiber den 35-jährigen Aumühler Oldie. In der zweiten Hälfte hatten die Neuallermöher dann alles im Griff und siegten 2:0 – auch weil Kartal nicht mehr mitspielte. „Er war Gelb-Rot-gefährdet, wir wollten kein Risiko gehen“, sagte TuS-Trainer Simon Uhl.
Dreierpack: Mit einem 6:0 beim MSV Hamburg II hat sich die TuS Dassendorf II selbst aus dem größten Abstiegsschlamassel gezogen. Mann des Tages war Jan-Velten Behrend, den Trainer Dennis Lößel diesmal im Sturm statt im defensiven Mittelfeld aufgeboten hatte. Eine gute Wahl: Behrend traf dreimal.
Aufholjagd: Zweiter Sieg im zweiten Spiel des Jahres, zuletzt vier von fünf Partien gewonnen – der SC Vier- und Marschlande III hat eine furiose Aufholjagd gestartet. Nach dem 1:0 gegen Glinde II fehlen nur noch fünf Punkte zum rettenden Ufer.
Von der Rolle: Beim SV Hamwarde dreht sich derzeit alles um die Sportgerichtsverhandlung zum Spiel gegen Halstenbek und einen drohenden Punktabzug (wir berichteten). Nach einer Besprechung konnten jetzt – wie vom Verband gefordert – allen Zuschauern, die beim Pokal-Aus den Linienrichter bedrängt hatten, Namen zugeordnet werden. „Trotzdem waren wir in der ersten Hälfte gegen Altengamme II nicht bei der Sache“, sagte Trainer Maxwell Phelps. Erst danach wurde aus einem 0:1 ein 3:1-Sieg. Bitter für den SVA: Nils Pietsch, der verletzt ins Krankenhaus kam, hat sich ein Band in der Schulter gerissen (42.). „Auf der Bank hatte ich nur einen Besoffenen und einen Kranken“, sagte Coach Frank Graf. Der Besoffene kam zuerst, der Kranke erst kurz vor dem Ende.