Lauf-Projekt

Lebenstraum Marathon: Der harte Weg zum Mittelfußlauf

Björn Andressen deutet auf der Startliste für den New-York-Marathon 2019 auf seinen Namen.

Björn Andressen deutet auf der Startliste für den New-York-Marathon 2019 auf seinen Namen.

Foto: Björn Andressen

Fast alle Läufer setzen mit der Ferse auf und rollen dann den Fuß ab. Doch genau das ist falsch und verletzungsträchtig.

Bergedorf. Er ist der Fachmann bei unserem Projekt „Lebenstraum Marathon“: Björn Andressen. Der 42-jährige Bankkaufmann hat acht Marathons absolviert und aus seinem Hobby einen Nebenberuf als Lauftrainer gemacht (laufen-macht-spass.com).

Im November absolvierte er den New-York-Marathon. „Gemütlich“, wie er sagt, blieb er dort in 3:49 Stunden rund 22 Minuten über seiner Bestzeit. „Der Spaß steht für mich immer im Vordergrund“, betont Andressen, „die Anfeuerung entlang der Strecke war in New York einfach sagenhaft. Wir hatten eine Deutschland-Fahne dabei, und ich weiß gar nicht, wie oft ich gehört habe: ,Go, Germany!’“

Auch ein Trainer braucht Gehpausen

Seit fünf Jahren ist Andressen Vorsitzender der SG Bille, wo er Schwimmtraining gibt. Er absolviert Triathlons bis rauf zur Mitteldistanz (halber Ironman). Für die 2,2 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 20 Kilometer Laufen benötigte Andressen 2018 beim „Berlin Man“ 5:14 Stunden. Seine Begeisterung fürs Laufen gibt der langjährige Fußballer des Düneberger SV in seinen Kursen weiter. Seit er 2003 in Hamburg seinen ersten Marathon bewältigte, ist er für dieses Hobby entbrannt. Aber Hand aufs Herz, wie war das damals? „Natürlich musste auch ich Gehpausen einlegen“, verrät Andressen, der in 4:47 Stunden ins Ziel kam. „Gehpausen habe ich seitdem bei fast allen meinen Marathons eingelegt. Irgendwie brauche ist das.“

Umstellung dauert monatelang

Als Lauftrainer ist es oft seine erste Aufgabe, den Aktiven die Illusion zu nehmen, sie könnten schon richtig laufen. Denn das Gros der Läufer setzt mit der Ferse auf und rollt den Fuß dann ab. Dazu verleiten die Laufschuhe mit ihrer Dämpfung. „Doch das ist falsch, denn dann ist das Bein fast gestreckt, und der Schlag geht durch den ganzen Körper. Das erhöht vor allem im Knie die Verletzungsgefahr“, erläutert der Coach.

Gesünder ist es, den ganzen Fuß aufzusetzen. Schienbein und Straße bilden einen 90-Grad-Winkel, der Fuß wird kurz vor dem Körperschwerpunkt auf den Boden gebracht. „Mittelfußlauf“ heißt diese Technik. „Jeder Barfuß-Läufer macht das ganz instinktiv, denn es wäre viel zu schmerzhaft, auf der Ferse aufzusetzen“, erläutert Andressen, „wenn man sich jedoch in Laufschuhen über Jahre die falsche Technik angewöhnt hat, ist es sehr langwierig, sich umzugewöhnen. Ich habe fast ein Jahr gebraucht, bis ich sagen konnte: Ich beherrsche den Mittelfußlauf.“

Die richtigen Schuhe sind wichtig

Auch Alexandra Simon-Homberger, die Sportlerin, deren Weg zum Marathon wir in unserer Serie verfolgen, hatte ihre Probleme. „Anfangs bekam ich Knieschmerzen, weil ich die falschen Schuhe anhatte. So etwas hatte ich vorher noch nie“, schildert sie, „Erst nachdem ich mir neue Schuhe gekauft hatte, waren die Schmerzen weg.“

Von Null auf Marathon“ lautet das Motto von Alexandra Simon-Homberger. Die 44-Jährige möchte sich in 16 Monaten fit für die berühmten 42,195 Kilometer machen. Angeleitet wird sie dabei von Trainer Björn Andressen (siehe nebenstehenden Artikel). Unsere Zeitung begleitet Simon-Homberger bei ihrem sportlichen Abenteuer.

„Ein Gefühl wie Rocky“

Das begann unbequem. Regen, Regen, Regen! Erkältungen und eine häusliche Verletzung dezimierten die Laufgruppe auf sechs Unverzagte. Im ersten Quartal geht es darum, eine Grundkondition aufzubauen. 45 Minuten müheloses Laufen. Dafür wird dreimal pro Woche trainiert, einmal in der Gruppe, zweimal allein. „Es war dunkel, hat oft geregnet, einmal hatte ich sogar Schnee“, klagt die Nettelnburgerin, „doch wenn man den Kampf aufgenommen und den inneren Schweinehund besiegt hat, dann ist das ein Gefühl wie Rocky!“