Sportgericht

Verhandlung vertagt – SV Hamwarde droht Punktabzug

Justizia braucht noch eine Verhandlung mehr, um ihr Urteil zu fällen.

Justizia braucht noch eine Verhandlung mehr, um ihr Urteil zu fällen.

Foto: Picasa / Fontanis - stock.adobe.com

Nachdem ein Linienrichter angegangen wurde, muss der SV Hamwarde acht Tatverdächtige beibringen, sonst droht Ungemach.

Hamwarde. Das Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbands (HFV) hat die Verhandlung gegen den SV Hamwarde wegen der Vorkommnisse rund um das Pokalspiel vom 16. Februar gegen die SV Halstenbek-Rellingen (1:2 nach Verlängerung) erneut vertagt. Auch bei dem zweiten Termin konnte nicht ermittelt werden, welche beiden Zuschauer den Linienrichter tätlich angegangen haben. Das soll nun final am 18. März geklärt werden. Gelingt es nicht, droht dem Kreisliga-Spitzenreiter im schlimmsten Fall ein Punktabzug, der den Aufstieg kosten könnte.

Was wird den Hamwardern vorgeworfen?

Unter anderem Abbrennen von Pyrotechnik und Beleidigungen von Zuschauern. Das hat der SVH auch eingeräumt. Kernpunkt der Vorwürfe sind aber die Vorfälle in der Nachspielzeit der Verlängerung, in der der Kreisligist gegen die zwei Klassen höher angesiedelten Gäste mit drei Spielern weniger den vermeintlichen Ausgleich erzielte. Das Tor zählte richtigerweise wegen einer Abseitsstellung nicht. In der Folge wurde Linienrichter Mark Späth (VfL Lohbrügge) von aufgebrachten Zuschauern umringt. Bevor der Ordnungsdienst einschreiten konnte, wurde Späth von einem Zuschauer gegen die Brust gestoßen, ein anderer soll ihm von hinten den erhobenen Arm mit der Fahne heruntergedrückt haben. Der Verein ist aufgefordert, die Namen der Zuschauer zu nennen.

Was passierte in der ersten Verhandlung?

Zwei vermeintlich Beteiligte (Pascal T. und Jonas W.) konnte der 2. SVH-Vorsitzende Marco Sorge dem Sportgericht nach eigenen Recherchen bereits in der ersten Verhandlung nennen. „Ich selbst stand woanders und habe nichts gesehen. Das passierte innerhalb weniger Sekunden“, sagte Sorge. Auf die Ansicht der Video-Aufnahmen von „elbkick.tv“ verzichtete der HFV in der ersten Verhandlung. Sorge hatte dies angeboten.

Wie ist der Stand der Erkenntnisse?

Von dem „Videobeweis“ machte der HFV erst in der zweiten Verhandlung Gebrauch. Dabei stellte sich heraus, dass wohl acht Zuschauer um den Linienrichter herum standen. Der nun anwesende Pascal T. konnte anhand der Bilder glaubhaft belegen, dass er erst später zu der Situation hinzugestoßen sei. Jonas W. äußerte sich schriftlich. Er wollte demnach den Linienrichter zu dessen eigenem Schutz zur Seite nehmen, habe ihn deshalb am Arm gepackt, hätte das aber wohl besser den Ordnern überlassen.

Einige weitere, aber nicht alle Namen, der zum Teil mit dem Rücken zur Kamera stehenden und eine Kapuze tragenden Zuschauer konnten Sorge und Pascal T. zuordnen.

Der Linienrichter gab in beiden Verhandlungen an, dass er keinen Täter wiedererkennen könne.

Wie geht es beim nächsten Mal weiter?

Der SV Hamwarde bekam die Auflage, dem HFV bis Montag anhand eines Screenshots alle Zuschauer exakt zu benennen. „Und sie haben dafür zu sorgen, dass diese bei der nächsten Verhandlung samt und sonders da sind. Schön wäre es, wenn sie vereinsintern ermitteln, wer was gemacht hat“, sagte Christian Koops, der Vorsitzende des Sportgerichts. Koops, der die Hamwarder für ihr kooperatives Verhalten nach der ersten Verhandlung explizit gelobt hatte, mahnte zudem: „Wenn wir nicht aufklären können, wer es war, haftet der Verein dafür.“ Das will Sorge mit aller Macht verhindern. „Ich will ja bei der Aufklärung helfen. Aber ich glaube nicht unbedingt, dass die Betroffenen mir die Wahrheit sagen werden.“

Fußball-Verband zieht das Strafmaß an

Nachdem deutschlandweit die Übergriffe auf Unparteiische in ihrer Schärfe zugenommen haben, zieht der HFV die Strafen an. Zur „Verbesserung der Sicherheit der Schiedsrichter“ hat er in der vergangenen Woche einen Maßnahmen-Katalog veröffentlicht. Demnach gibt es unter anderem ab der neuen Saison bei schweren Tätlichkeiten automatisch einen Punktabzug. Der bereits jetzt Anwendung findet. So wurden dem Landesligisten ASV Hamburg drei Punkte abgezogen, weil ein Spieler einen Referee angegangen hatte.

Auch die Unparteiischen zeigen Flagge. Beide Verhandlungen gegen Hamwarde verfolgten mehrere Referees zur Unterstützung ihrer Kollegen.