Maßnahmen-Katalog

Fußball-Verband greift durch: Mehr Schutz für Schiedsrichter

Beim SV Hamwarde konzentrieren sich die Zuschauer auf rund ein Viertel des Sportplatzes, nämlich den Bereich, in dem die Stehtraversen liegen. Der Linienrichter (hier im Pokalspiel gegen den SC Sternschanze) braucht hier mitunter ein dickes Fell.

Beim SV Hamwarde konzentrieren sich die Zuschauer auf rund ein Viertel des Sportplatzes, nämlich den Bereich, in dem die Stehtraversen liegen. Der Linienrichter (hier im Pokalspiel gegen den SC Sternschanze) braucht hier mitunter ein dickes Fell.

Foto: Thomas Rokos

Ab der kommenden Saison gibt es bei schweren Tätlichkeiten auch einen Punktabzug. Die Verhandlung gegen den SV Hamwarde wurde vertagt.

Hamwarde. Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) und seine Schiedsrichter machen ernst. Gestern hat der Verband ein Maßnahmen-Katalog vorgestellt, das zur Verbesserung der Sicherheit seiner Unparteiischen dienen soll (siehe unten) und bei schweren Tätlichkeiten ab der kommenden Saison automatisch zu einem Punktabzug für die ganze Mannschaft führt.

Dass sich die Referees die tätlichen Angriffe auf sie nicht länger gefallen lassen wollen, hat auch der SV Hamwarde zu spüren bekommen. Als das HFV-Sportgericht die Vorkommnisse während des Pokalspiels gegen die SV Halstenbek-Rellingen (1:2 nach Verlängerung) verhandelte, waren acht Unparteiische aus dem Bezirk Bergedorf zur moralischen Unterstützung anwesend. „Wir wollten zeigen: Wir stehen hinter unseren Kollegen!“, sagte Günther Adermann, der Vorsitzende des BSA (Bezirksschiedsrichter-Ausschuss) Bergedorf.

Tätlicher Angriff auf den Linienrichter

Die Hamwarder mussten sich wegen diverser Vergehen verantworten. Der schwerwiegendste Vorwurf: ein tätlicher Angriff auf Linienrichter Mark Späth, nachdem dieser beim vermeintlichen Ausgleich in der Nachspielzeit der Verlängerung auf Abseits erkannt hatte.

Das hatten die Hamwarder Spieler und Fans zunächst nicht mitbekommen und waren feiernd auf den Platz gestürmt. Zu diesem Zeitpunkt war der SVH nach drei Roten Karten gegen einen zwei Klassen höher spielenden Gegner mit drei Mann weniger auf dem Feld.

Aus Frust über die Abseitsentscheidung soll ein Zuschauer Späths Arm mit der Fahne heruntergedrückt und ein anderer ihn an der Brust gestoßen haben. Beide waren nicht anwesend, konnten von den Hamwardern aber namentlich benannt werden.

Darüber hinaus ging es um: Abbrennen von Pyrotechnik vor dem Anpfiff, Beleidigungen aus dem Zuschauerbereich vor allem während der Verlängerung, verbale Entgleisungen eines nicht auf dem Spielbericht aufgeführten Spielers (Alexander Witt), unzureichendes Eingreifen des vierköpfigen Ordnungsdienstes und mangelnden Schutz der Referees, unpassende Äußerungen des Stadionsprechers sowie zwei der drei Roten Karten.

Die Hamwarder räumten einige Vorwürfe ein und gaben sich schuldbewusst. „Man muss zwar wissen, in welcher Situation es dazu gekommen ist. Aber: So was wollen wir in Hamwarde nicht sehen“, betonte Kapitän Torben Dethof. Stefan Aprosius vom Ordnungsdienst gab zu bedenken, dass man verbale Zwischenrufe aus der Masse (rund 250 Zuschauer, die Red.) nicht unterbinden könne und widersprach dem unzureichenden Schutz der Referees („War jederzeit gewährleistet.“).

Da für die Urteilsfindung erst die genannten Zuschauer befragt werden müssen, wurde die Verhandlung vertagt. Der Vorsitzende Christian Koops bedankte sich jedoch ausdrücklich bei den Hamwardern für das kooperative Verhalten. Koops: „Das kennen wir schon ganz anders.“

Das passiert zur Verbesserung der Sicherheit der Schiedsrichter

Ansprechpartner benennen: Ab dem 6. März müssen beide an einem Spiel beteiligten Mannschaften einen Ansprechpartner für das Gespann in den Spielberichtsbogen eintragen. Diese Regelung gilt im Herrenbereich von der Landesliga bis zur Kreisklasse B und im älteren Nachwuchsbereich (A- bis C-Junioren).

Beobachtung auffälliger Vereine: Verantwortliche von Mannschaften oder Vereinen, die gegenüber dem Schiedsrichter auffällig geworden sind, können vom Hamburger Fußball-Verband (HFV) vorgeladen werden. Der HFV-Sicherheitsbeauftragte überprüft regelmäßig die „Fairness-Tabellen“ in den einzelnen Spielklassen auf Auffälligkeiten.

Deeskalationstraining: Für die Schiedsrichter wird ein Deeskalationstraining in die Lehrabende integriert, damit sie auf alle Eventualitäten vorbereitet sind. Sie bekommen Ansprechpartner, an die sie sich wenden können, wenn sie Opfer einer Tätlichkeit wurden.

Punktabzug bei Tätlichkeiten: Bei Sperren über sechs Monaten wegen einer Tätlichkeit gibt es ab der Saison 2020/21 automatisch einen Abzug von mindestens drei Punkten und von mindestens sechs Punkten, bei einem Angriff auf einen Referee.