Tischtennis

Zieht sich TSV Schwarzenbek in die fünfte Liga zurück?

Holte gegen Annen den einzigen Punkt: Schwarzenbeks Chiara Steenbuck.

Holte gegen Annen den einzigen Punkt: Schwarzenbeks Chiara Steenbuck.

Foto: Thomas Rokos

Der Abstieg der TSV-Frauen aus der 3. Tischtennis-Bundesliga ist so gut wie besiegelt. Der Neuaufbau könnte zwei Klassen tiefer beginnen.

Schwarzenbek. Oxana Fadeeva hat für Russland an drei Olympischen Spielen teilgenommen. Tatsiana Bahr ist das gleiche Kunststück unter ihrem Mädchennamen Kostromina für Weißrussland geglückt. Zusammen mit Natalia Zherebina (ebenfalls Russland) und Ingrida Preidziute aus Litauen bilden sie in der 3. Tischtennis-Bundesliga die Mannschaft des DJK Blau-Weiß Annen.

Hiermit sind wir auch gleich beim Problem des TSV Schwarzenbek: Gegen diese geballte internationale Erfahrung stößt das Konzept der Europastädter, die lieber weitgehend auf ihre eigene Jugend setzen, an ihre Grenzen. Bester Beweis dafür war das direkte Duell in Schwarzenbek, bei dem die Gastgeberinnen chancenlos waren – wohlgemerkt gegen einen Kontrahenten, der in der Tabelle nur zwei Punkte besser platziert war.

Trainer Fazlic: „Das riecht nach Abstieg“

Lediglich Chiara Steenbuck konnte ihr Match gegen Zherebina gewinnen. Nach nicht mal zwei Stunden war die 1:6-Niederlage des TSV besiegelt. Und damit praktisch auch der Abschied aus der 3. Liga. „Das riecht nach Abstieg“, redete Trainer Mirsad Fazlic gar nicht lange um den heißen Brei herum.

Doch warum sind die Schwarzenbekerinnen in dieser Liga fast chancenlos? Schließlich hielten sie zwei Jahre lang mit dem gleichen Konzept problemlos die Klasse. „Die 3. Liga ist von Jahr zu Jahr stärker geworden“, sagt Wolfgang Weber, der TSV-Mannschaftsführer.

Zudem konnte der kurzfristige Abgang der zwei stärksten Eigengewächse, Karina Pankunin (jetzt Kiel) und Sejla Fazlic (berufsbedingt nur noch 2. Damen), nicht gleichwertig aufgefangen werden. Notgedrungen spielt der TSV jetzt mit zwei Ukrainerinnen. Doch Kateryna Kiziuk und Olena Nalisnikovska haben nicht die Qualität wie Annens Fadeeva oder Bahr.

„Man muss sich fragen, was einem wichtig ist“, betont Wolfgang Weber, der langjährige TSV-Abteilungsleiter und ergänzt: „Will man 20.000 Euro für vier Osteuropäerinnen ausgeben oder davon einen Trainer bezahlen, der eigene Talente entwickelt.“

Und Talente hat der TSV dank Mirsad Fazlic, der auch Schleswig-Holsteins Landestrainer ist. Allerdings brauchen diese Nachwuchskräfte noch Zeit. Julia Braasch, Haiyan Aye und Sophie Pfeifer aus der 2. Damen (Verbandsoberliga, sechsthöchste Klasse) haben sich alle für die Deutsche Meisterschaft der Altersklasse U15 qualifiziert. „Das ist doch viel toller“, betont Weber. „Aus Schleswig-Holstein sind sonst nur noch eine U18-Spielerin und ein U15-Spieler dabei.“

Regionalliga kommt für die nächste Generation zu früh

Doch die Regionalliga, wohin die „Erste“ absteigen würde, kommt für die nächste Generation wohl noch zu früh. Daher überlegt der TSV Schwarzenbek sogar, sich im Abstiegsfall in die Oberliga zurückziehen. Die „Zweite“ hat gute Chancen, in diese fünfthöchste Klasse aufzusteigen. „Ich mache lieber einen Schritt zurück, um mit eigenen Kräften zwei nach vorn zu machen“, sagt Trainer Fazlic.

Für die beiden Ukrainerinnen hätte der TSV keine Verwendung mehr. Bei Chiara Steenbuck, die aus Kaltenkirchen stammt und im Sommer mit der Schule fertig ist, rechnet Weber mit einem Wechsel innerhalb der 3. Bundesliga. Bei ihrer Teamkollegin Michelle Weber, die im Sommer mit einer Ausbildung beginnt, ist ein Verbleib beim TSV dagegen denkbar.