Fussball

Pokal-Wahnsinn beim SV Hamwarde

Hamwardes Hauke Dähn (rechts) grätscht Jannik Arnold den Ball vom Fuß.

Hamwardes Hauke Dähn (rechts) grätscht Jannik Arnold den Ball vom Fuß.

Foto: Volker KocH

Obwohl die Hamwarder im Pokalspiel gegen HR nur noch zu acht auf dem Feld standen, hätten sie beinah das Elfmeterschießen erreicht.

Hamwarde. In der zweiten Minute der Nachspielzeit gibt es beim SV Hamwarde kein Halten mehr. Die gesamte Mannschaft stürmt auf den Platz. Die rund 250 Zuschauer auf der Tribüne sind völlig außer Rand und Band. Der Fußball-Kreisligist hat im Pokal-Achtelfinale gegen die zwei Klassen höher spielende SV Halstenbek-Rellingen gerade zum zweiten Mal ausgeglichen. Und das wohlgemerkt nach drei Roten Karten mit nur noch acht Mann (!) – der helle Wahnsinn.

Doch der Jubel erstickt jäh. Mark Späth hat seine Fahne gehoben. Der junge Linienrichter vom VfL Lohbrügge will Max Helge Scharnberg im Abseits gesehen haben. Der vermeintliche Torschütze bemerkt es als Letzter, dass sein Kopfballtreffer nicht zählt. Eine sehr fragwürdige Entscheidung. Schließlich war Scharnberg nach einer Kopfballverlängerung eines Teamkollegen mit Anlauf von hinten gekommen.

Völlig verrücktes Spiel

Wenig später ist Schluss. Die Hamwarder sind nach großem Kampf in einem völlig verrückten Spiel mit 1:2 nach Verlängerung als letztes Team aus dem Verbreitungsgebiet ausgeschieden. Dabei ist SVH-Torwart Dirk Kappmeyer über sich hinausgewachsen und haben die Halstenbeker gleich zwei Foulelfmeter vergeben.

Doch der Reihe nach. Die Partie beginnt farbenfroh – mit sechs roten Pyro-Fackeln beim Einlaufen der Mannschaften. Auf dem Platz sind die Gäste feldüberlegen. Doch der Außenseiter, der im laufenden Wettbewerb drei andere Landesligisten ausgeschaltet hatte, setzt punktuell Nadelstiche. Ein Zwei-Klassenunterschied ist nicht auszumachen.

Endstation Kappmeyer

Spätestens bei Kappmeyer ist Endstation. Etwa als er gegen den auf ihn zustürmenden Luis Diaz Alvarez lange stehenbleibt und angeschossen wird (30.). Etwas Glück ist auch dabei, als Halstenbeks Adrian Nouran knapp am Ball vorbeirutscht (24.), Hamwardes Hauke Dähn im letzten Moment blockt (33.) oder Marcel Schöttke um Zentimeter am SVH-Tor vorbeischlenzt (42.). Auf der anderen Seite hat Niklas Hintz die große Chance für den Außenseiter. Überhastet schießt er mit der Seite drüber (43.).

Nach der Pause lassen die Kräfte der Hausherren nach, die Entlastungsangriffe werden seltener. Dreimal pariert Kappmeyer sensationell (62., 67., 84.). Bei der letzten Aktion verletzt sich Hauke Dähn und schleppt sich bis zum Abpfiff übers Feld. Der SVH hat schon dreimal gewechselt.

SVH wechselt viermal

In der Verlängerung dürfen die Hausherren ein viertes Mal wechseln, sind aber trotzdem in Unterzahl. Dennis Bahr hatte am HR-Strafraum einen Konter unterbunden und Rot gesehen – eine harte Entscheidung (90.). Die Verlängerung läuft zwei Minuten, da trifft Sergio Batista Monteiro für Halstenbek zum 1:0.

Der SVH ist jetzt stehend k.o, bleibt aber dank einer weiteren Kappmeyer-Glanztat im Spiel (111.). Dann wird es turbulent: Erst schießt Schöttke (HR) einen Foulelfmeter übers Tor (113.), dann fliegen die Hamwarder Arjan de Boer (115./Notbremse) und Niklas Hintz (115./Unsportlichkeit) mit Rot vom Feld. Doch mit drei Mann weniger köpft Maurice Osterhof das 1:1 (116.). Die erste Hamwarder Ekstase dauert zwei Minuten, dann köpft Schöttke das 2:1 für HR (118.), macht den Deckel aber nicht drauf, weil er einen weiteren Strafstoß an die Latte schießt (120.).

Hamwarde wirft nun alles nach vorn und wähnt sich nach Scharnbergs Tor im Elfmeterschießen. Oder wie es Osterhof sagte: „Wir waren kurz auf Wolke sieben und wurden unsanft runtergeholt.“

SVH: Kappmeyer; H. Dähn (91. M. Scharnberg), Schuchhardt (72. Osterhof), Helling, Bahr; Hintz, Dethof, A. de Boer, Melsbach (46. Pisano); G. Dähn (67. P. de Boer); Wollan.