Lotto-Pokal

SC Schwarzenbek verliert erst im Elfmeterschießen

Schwarzenbeks Marvin Möller ist an SVR-Torwart Patrick Marciniak vorbei, verfehlt anschließend das Tor um Zentimeter.

Schwarzenbeks Marvin Möller ist an SVR-Torwart Patrick Marciniak vorbei, verfehlt anschließend das Tor um Zentimeter.

Foto: Volker Koch

Welch’ Dramatik: Dreimal hat Schwarzenbeks Marvin Möller das 1:0 auf dem Fuß. Auf der anderen Seite hält Torhüter Lucas Scheunemann überragend.

Schwarzenbek. Lange hatte Marvin Möller gegen die Tränen angekämpft. Doch als der Angreifer des SC Schwarzenbek weit nach Spielende des Pokal-Achtelfinales gegen den Oberligisten SV Rugenbergen schließlich den Platz an der Schützenallee verließ und zu seiner Familie ging, konnte er sie nicht mehr zurückhalten. In einer denkwürdigen Partie, von der sie beim Fußball-Bezirksligisten noch lange sprechen werden, hätte der 20-Jährige zum Helden werden können.

Dreimal hatte Möller das nicht einmal unverdiente 1:0 auf dem Fuß, doch dreimal endete der Jubel unter den 150 Zuschauern abrupt. Einmal verfehlte Möller um Zentimeter das Gehäuse, einmal prallte der Ball von der Unterkante der Latte zurück ins Feld, einmal klärte ein Gästespieler auf der Torlinie.

Und trotzdem kämpften sich die Europastädter gegen das zwei Ligen höher angesiedelte Team aus Bönningstedt nach 120 torlosen Minuten bis ins Elfmeterschießen. Dort aber „hat Rugenbergen Eiswürfel gepinkelt“, wie es SCS-Trainer Sven Reinke ausdrückte. Am Ende schied ein leidenschaftlich kämpfender Außenseiter zwar mit 3:5 im Elfmeterschießen aus, durfte sich aber wie der moralische Sieger fühlen.

Die Partie war Werbung für den Amateurfußball, in der besonders ein Schwarzenbeker über sich hinauswuchs: Athletik-Trainer Lucas Scheunemann, der für das Achtelfinale noch einmal ins Tor zurückkehrte. Der 27-Jährige hat seine Laufbahn eigentlich vor 18 Monaten beendet, musste aber aushelfen, weil alle etatmäßigen Keeper nicht zur Verfügung standen.

SV Rugenbergen verzweifelt an Scheunemann

Wenn seine aufopferungsvoll kämpfenden Teamkameraden doch einmal geschlagen waren, brachte Scheunemann die Oberliga-Akteure schier zur Verzweiflung. Alleine sechs Glanzparaden (13., 22., 26., 87., 90.+1, 108.) standen am Ende im Notizblock des Reporters. Drei davon gehörten in die Kategorie: Kann man eigentlich gar nicht halten.

Bei einem 17-Meter-Freistoß-Strahl von Dennis von Bastian riss Scheunemann irgendwie noch die Fäuste hoch (22.), bei einer Volleyabnahme von Kilian Utcke parierte der SCS-Keeper aus kurzer Distanz mit einer unglaublichen Fußabwehr (26.) und in der Nachspielzeit der regulären 90 Minuten machte er sich bei einem perfekten 22-Meter-Schlenzer von Nicolaj Rörström ganz lang und kratzte den Ball noch aus dem linken unteren Eck. „Den halten nur ein oder zwei Oberliga-Torhüter“, lobte auch SVR-Trainer Andelko Ivanko. Und als er erfuhr, dass Scheunemann normalerweise gar nicht mehr spielt, befand Ivanko: „Das ist ein Fehler. Der muss weitermachen.“

Marvin Möller scheitert dreimal denkbar knapp

Die Schwarzenbeker hatten auch eine gehörige Portion Glück. So klärte Niclas Kuß auf der Linie (21.), blieb ein möglicher Elfmeterpfiff aus (82.), oder scheiterte Sven Worthmann am Pfosten (110.). Zudem trafen drei Rugenbergener in aussichtsreicher Position den Ball nicht richtig (51., 59., 81.).

Wer aber zwölf Großchancen nicht nutzt, hätte sich nicht beschweren dürfen, wenn Schwarzenbeks Möller dies bestraft hätte. „Ja, ja“, schrie Trainer Reinke bereits, nachdem Möller SVR-Torwart Patrick Marciniak nach einem Konter umkurvt hatte. Doch der Ball hoppelte um Zentimeter am Pfosten vorbei (66.). Sechs Minuten später verhinderte die Latten-Unterkante nach einem weiteren Konter einen Erfolg des 17-fachen Bezirksliga-Torschützen. Und in der Verlängerung kratzte Pascal Gerber einen Möller-Schuss für den geschlagenen Marciniak von der Linie (108.).

Alte-Herren-Keeper kommt fürs Elfmeterschießen

Somit ging es ins Elfmeterschießen. Dafür wechselte der SCS sogar extra Alte-Herren-Schlussmann Arne Mangels – einen ausgewiesenen Elfer-Töter – ein. Doch weil die Rugenbergener hier keine Nerven zeigten, auf der anderen Seite mit Torben Oertel gleich der erste Schwarzenbeker am SVR-Keeper scheiterte, hieß es am Ende 3:5. „Klar sind wir jetzt erstmal ein bisschen sprachlos. Aber wir können unglaublich stolz sein, einen Oberligisten ins Elfmeterschießen gezwungen zu haben. Und das wird später überwiegen“, resümierte SCS-Trainer Reinke.

Und Möller? „Er ist noch jung. Er muss da jetzt durch und wird daraus lernen“, sagte Reinke.

Das Elfmeterschießen: 0:1 Kilian Utcke, Torben Oertel verschießt, 0:2 Hassan Zarei, 1:2 Christoph Ohle, 1:3 Dennis von Bastian, 2:3 Viktor Schner, 2:4 Nicolaj Rörström, 3:4 Arne Mangels, 3:5 Sven Worthmann.

SCS: Scheunemann (117. Mangels); Schner, Weber, Ohle, Nowak; Johns (66. Krebs), Doryan, Kuß (96. Lüders), Sen; Hanich (76. Oertel); Möller.