Im Porträt

Olaf Korth: „Handball ist mein Lebenselixier“

Leidenschaftlicher Einsatz für den Handballsport: Olaf Korth.

Leidenschaftlicher Einsatz für den Handballsport: Olaf Korth.

Foto: Thomas Rokos

21 Jugendmannschaften hat der TuS Aumühle-Wohltorf bereits, während andere Clubs Nachwuchs-Sorgen plagen. Architekt des Erfolgs ist Olaf Korth.

Aumühle. Olaf Korth besitzt eine Energie, die ansteckend wirkt. Wenn der Geschäftsführer und Handball-Abteilungsleiter des TuS Aumühle-Wohltorf begeistert von seinem Nachwuchs-Projekt er­zählt, möchte man sofort loslaufen und ein Kinderteam trainieren. „Handball ist mein Lebenselixier“, schwärmt der 57-Jährige.

„Man muss das leben“

Es ist nur ein paar Jahre her, da lebte er als Vertriebsdirektor eines großen Versicherungsunternehmens noch ein ganz anderes Leben. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es so nicht weitergeht“, erinnert er sich. Korth entschloss sich zum kompletten Neuanfang, wurde Führungscoach, Motivationstrainer und gründete eine Handball-Akademie. Er ist der Vater des Handball-Booms beim TuS Aumühle-Wohltorf, der heute 21 Jugendmannschaften hat, zum Kooperationspartner der SG Flensburg/Handewitt avanciert ist, an sechs Grundschulen sowie einer weiterführenden Schule AGs betreibt, während andere Clubs mit Nachwuchs-Sorgen kämpfen.

An den Wochenenden düst Korth rastlos von Team zu Team, von Spiel zu Spiel, oft mehr als 500 Kilometer. „Man muss das leben“, betont er. Die leistungsstärksten Mannschaften trainieren bis zu fünfmal pro Woche, sind mit führend in Schleswig-Holstein. Die weibliche B-Jugend will nun gar den Sprung in die Bundesliga angehen.

Handball als Rundum-Sorglos-Paket

Zwölf lizensierte Trainer hat der Verein. Sie ermöglichen nicht nur die Schul-AGs, sondern auch Fahrten zu Turnieren und Trainingslagern nach Norwegen, Schweden, Dänemark, Frankreich oder nun nach Vesz­prem (Ungarn). Auch außerhalb der Ferien, das klärt Korths Frau Doris dann mit den Schulen. Ein Rundum-Sorglos-Paket für die Eltern also, so etwas kostet natürlich. Daher ist es kein Wunder, dass ein Jugendlicher ab elf Jahren fürs Handballspielen in Aumühle mit 264 Euro pro Jahr deutlich mehr zahlt als in Lauenburg (96 Euro) oder Geesthacht (144 Euro). „Auf jeder Versammlung muss ich immer wieder argumentieren“, klagt Korth, der sich bewusst ist, dass der Erfolg bei der täglichen Arbeit anfängt: „Die Kinder müssen das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben, wenn sie nicht beim Training waren.“

„Stehe nicht vor der Halle, um Spieler abzuwerben“

Der Boom sorgt für Neid bei den Nachbarvereinen. Korth, der auch noch die männlichen Auswahlteams trainiert, lasse sie die Basisarbeit machen und greife dann die Talente ab. Ganze Mannschaften hätten sich deshalb schon auflösen müssen. „Viele Spieler, die zu uns kommen, kenne ich vorher gar nicht“, hält er entgegen, „ich habe es nicht nötig, vor der Halle zu stehen und Spieler abzuwerben. Sie kommen zu uns, weil wir ein attraktiveres Umfeld bieten. Jeder Verein könnte tun, was wir tun, aber sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt.“