Diskussionsrunde

Sportler fragen Politiker – Dove-Elbe öffnen? „Kommt nicht“

Sie stellten sich den Fragen der Sportvereine (von links): Stephan Jersch (Die Linke), Ties Rabe (SPD), Dennis Gladiator (CDU), Jenny Jasberg (Die Grünen), Bernhard Kössler (HSB), Thorsten Wetter (TSG), Daniel Oetzel (FDP).

Sie stellten sich den Fragen der Sportvereine (von links): Stephan Jersch (Die Linke), Ties Rabe (SPD), Dennis Gladiator (CDU), Jenny Jasberg (Die Grünen), Bernhard Kössler (HSB), Thorsten Wetter (TSG), Daniel Oetzel (FDP).

Foto: Lüttke

Die Bergedorfer Direktkandidaten für die Hamburger Bürgerschaftswahl stellten sich den Fragen der Bergedorfer Sportvereine.

Bergedorf. Die Bergedorfer Direktkandidaten zur Bürgerschaftswahl stellen sich den Fragen der Sportvereine – zu diesem Thema lud der Hamburger Sportbund gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Bergedorfer Sportvereine (ARGE) am Mittwochabend ins TSG Sportforum. Bevor aber diskutiert wurde, fragte der ARGE-Vorsitzende und Moderator Thorsten Wetter die Politiker, wie sie es denn selbst mit der sportlichen Ertüchtigung halten.

Stephan Jersch (Die Linke) konnte auf Rückengymnastik verweisen – zuletzt im vergangenen Jahr. Jeden Tag elf Kilometer mit dem Rad zu fahren, nimmt sich Jenny Jasberg (Bündnis 90/Die Grünen) vor. Und Schulsenator Ties Rabe (SPD) erzählte, dass er ein Radrennen gegen seinen Sohn verloren, ihn dafür aber beim Sprinten geschlagen habe. Die Lacher auf seiner Seite hatte Dennis Gladiator. Der beleibte CDU-Mann hatte die meiste Zeit aller Kandidaten, um sich etwas auf die Frage einfallen zu lassen. Gedanklich sei er bereits in den 1990er-Jahren, sagte Gladiator. Doch eine sportliche Aktivität sei ihm nicht eingefallen. Den sportlichsten Eindruck vermittelte Daniel Oetzel, einziger Politiker auf dem Podium, der nicht aus Bergedorf kommt. Der sportpolitische Sprecher der FDP war früher Tänzer und hat am vergangenen Wochenende einen Kursus mit seiner Frau absolviert. Nach diesem lockeren Einstieg nahm die Diskussion Fahrt auf.

Öffnung der Dove-Elbe für Ebbe und Flut

Ein Thema, das bei Anwohnern und Wassersportlern hohe Wellen schlug, ist die Öffnung der Dove-Elbe für Ebbe und Flut mit dem Ziel, die Geschwindigkeit des Hauptstroms zu verringern. Ein geregelter sportlicher Betrieb auf dem Wasser wäre dann nicht mehr möglich. Dennis Gladiator nannte den Tidenhub eine „spinnerte Idee“, Daniel Oetzel das Gutachten, das hierzu angefertigt wird, einen „Schildbürgerstreich“. Auch von den anderen Politikern hagelte es Kritik. Der so Gescholtene, Ties Rabe, ruderte zurück: „Das machen wir nicht. Das kommt nicht“, stellte der SPD-Mann klar.

Warum dann überhaupt eine Machbarkeitsstudie, die im Sommer vorgelegt werden soll, in Auftrag gegeben wurde? Rabe verwies auf die Anrainerstaaten Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Die hätten der Elbvertiefung zugestimmt, fordern aber, die daraus sich ergebende erhöhte Fließgeschwindigkeit zu bremsen.

Ein weiteres Gewässer, über das diskutiert wurde, war der Hohendeicher See. Naturschutz contra Wassersport lautet der Konflikt. Wegen des Schilfs haben die Segler und Surfer nur noch auf einer Länge von 24 Metern Zugang zum See. „Was wird für die Wasserflächen als Sportfläche getan?“, fragte Rainer Frohböse vom Windsurfing Club Hamburg und fügte hinzu: „Sonst können wir unseren Laden bald dicht machen.“ Bei Dennis Gladiator fand er Gehör: „Die Wassersportfläche muss erhalten bleiben.“

Sportvereine frühzeitig in Planungen miteinbeziehen

Gleich mehrfach äußerten Vereinsvertreter die Forderung an die Politik, stärker in die Planung mit eingebunden zu werden. Das sieht auch Rabe so. Er verwies aber darauf, dass Vereine unterschiedliche Wünsche haben, die aber nicht unbedingt vereinbar sind. „Das Vereinsinteresse beim Schulbau muss aber anders gewichtet werden“, stellte Sportfachmann Oetzel in diesem Zusammenhang fest.

Gladiator nannte das Negativ-Beispiel Sander Tannen. Der Sportplatz soll saniert werden, eine neue Leichtathletik-Anlage gebaut und die Stehtraversen ursprünglich komplett abgerissen werden. Dumm nur, dass der ASV Bergedorf 85 vorab nicht informiert wurde. Das Bezirksamt behauptete, eine Mail versendet zu haben, die der Verein aber nicht erhalten hat. Sportvereine bei der Planung einbinden: „Das möchten wir besser machen“, sagte Rabe.

Der TSG-Vorsitzende Boris Schmidt verwies darauf, dass der Stellenwert des Sports in den vergangenen zehn Jahren zugenommen habe. Daher wünscht sich der Chef des mitgliederstärksten Bergedorfer Clubs auch, dass die Stadt bei den Betriebskosten einen größeren Anteil übernimmt. „Kommunale Sportstätten werden zu 100 Prozent aus Steuergeldern finanziert. Wir als Club mit vereinseigenen Anlagen wünschen uns mehr als die 15 Prozent, die wir bekommen“, sagt Schmidt. In Hamburg gibt es immerhin 340 Vereine, die über eigene Sportstätten verfügen.

Eine Erhöhung der Zuschüsse für den Unterhalt der Sportanlagen stellte Ties Rabe prompt in Aussicht. Aber: „Macht die Stadt wirklich genug für die Sportstätten?“, fragte Bernhard Kössler vom Hamburger Sportbund. Darauf antwortete FDP-Mann Oetzel: „Das Gegenteil ist der Fall.“

Demografischer Wandel – die Menschen werden älter

TSG-Chef Schmidt wies zudem auf ein Problem hin, das in den kommenden Jahren noch größer werden dürfte: „Es gibt zu wenig Sportstätten für Menschen zwischen 60 und 90 Jahren.“ Zu diesem Thema zitierte Maarten Malczak vom HSB, der zusammen mit Thorsten Wetter moderierte, eine neue Studie. Demnach belegt Hamburg in einem Ranking zur Versorgung mit Reha-Sport den letzten Platz.

Weiteres Schwimmbad im Bezirk Bergedorf

Bernd Schrum, 2. Vorsitzender des SV Nettelnburg/Allermöhe, fragte, wie die Politik zu einer Schwimmhalle für den Leistungssport stehe. Was zu ungewohnten Koalitionen führte. Stephan Jersch verwies auf die langen Wartezeiten im Bille-Bad. Der Linken-Politiker sowie Dennis Gladiator sehen einen derartigen Neubau aber eher in Neuallermöhe, denn in Oberbillwerder wie die drei anderen Parteivertreter. „Nur in einem neuen Stadtteil wird es vom Senat Unterstützung für ein neues Bad geben“, sagte Rabe. Und Jenny Jasberg von den Grünen fügte hinzu: „In unseren Planungen haben wir mehr Wert auf Klimaneutralität gelegt als auf Spitzensport.“

Obwohl die einzelnen Themen kontrovers diskutiert wurden, blieben persönliche Attacken aus. Und das, obwohl sich die Politiker im Wahlkampfmodus befinden. Aber es ging eben auch um Sport – und da sollte es immer fair zugehen.