Deutsche Amateur-Meisterschaft

Schachlegende Artur Jussupow besucht Bergedorf

Artur Jussupow bei der Schnellschach-Europameisterschaft in Warschau 2012.

Artur Jussupow bei der Schnellschach-Europameisterschaft in Warschau 2012.

Foto: Deutscher Schachbund

Mit 480 Teilnehmern platzt das Bergedorfer Turnier aus allen Nähten. Großmeister Artur Jussupow soll den Amateuren hilfreich zur Seite stehen.

Bergedorf. Bob Dylan schrieb einst einen seiner größten Hits – „Blowin‘ in the Wind“ – in nur zehn Minuten in einem Café herunter. Er folgte seiner Intuition. Nur etwas länger, nämlich 45 Minuten, brauchte der Schachgroßmeister Artur Jussupow, um 1991 eine der schönsten Partien aller Zeiten zu kreieren. Nacheinander opferte er gegen den Ukrainer Wassili Iwantschuk Bauer, Springer, Läufer und Turm für einen Königsangriff, den die im Kommentatoren-Raum versammelten Weltklasse-Spieler kopfschüttelnd als vollkommen aussichtslos einstuften. Doch Jussupow kam durch und gewann.

Schach-Boom in Bergedorf

Am kommenden Wochenende ist er anlässlich der Deutschen Schach-Amateur-Meisterschaft zu Besuch in Bergedorf. Als Gast-Großmeister soll Jussupow den Amateurspielern hilfreich zur Seite stehen und sein Wissen an sie weitergeben. Schach boomt in Bergedorf. 480 Spieler haben sich bereits für das Turnier angemeldet. Nachdem der Deutsche Schachbund kurzfristig noch weitere Räume im gastgebenden H4 Hotel (Holzhude 2) hinzu buchen konnte, konnte ein zwischenzeitlich verhängter Anmeldestopp wieder aufgehoben werden. Wer noch mitspielen möchte, findet unter www.dsam-cup.de alle notwendigen Informationen.

Schachspieler sind bedächtige Typen. Für eine Turnierpartie nehmen sie sich fünf Stunden Zeit. Was dem Laien als kolossale Zeitverschwendung erscheint, ist harte Arbeit. Bei jedem Zug wollen alle Konsequenzen genau bedacht sein. Ein einziger Fehler kann den Verlust bedeuten. Wird die Lage zu unübersichtlich, ist Intuition gefragt. Dann wird das Grübeln zum Leistungssport. Tests haben gezeigt, dass Schachspieler, wenn sie wie Jussupow Figuren für den Sieg opfern, Pulswerte haben wie Mario Götze, als er Deutschland zum Fußball-Weltmeistertitel schoss.

Der Gandalf des Schachs

Da hilft es, wenn man in sich ruht. Jussupow erinnert nicht nur äußerlich an Gandalf aus dem „Herrn der Ringe“, er ist auch ein Mensch von großer Weisheit und Bescheidenheit. Die Bezeichnung „Schachlegende“ würde er sicher ablehnen, doch der 59-Jährige ist ohne Frage einer der ganz Großen dieses Spiels: Junioren-Weltmeister mit 17, fünffacher Schach-Olympiasieger, dreifacher WM-Halbfinalist. 1990 wurde er in Moskau bei einem Raubüberfall lebensgefährlich verletzt, als er den Dieb überraschte. Er siedelte nach Deutschland über und spielte fortan für seine neue Heimat, machte sich einen Namen als renommierter Buchautor und Trainer. Nur der Rummel um seine berühmte Partie war ihm immer suspekt: „Hauptsache, dem Publikum hat’s gefallen.“