Judo

Glinderin Miriam Butkereit kämpft um ihren Olympiastart

Miriam Butkereit (in Weiß) bringt Dilbar Umiraliyeva aus Kasachstan zu Fall.

Miriam Butkereit (in Weiß) bringt Dilbar Umiraliyeva aus Kasachstan zu Fall.

Foto: Jonas Güttler / picture alliance / Jonas Güttler/dpa

Das Leben von Miriam Butkereit ist ganz auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio ausgerichtet. Die Entscheidung fällt im März.

Glinde.  Miriam Butkereit führt im Moment ein Leben aus dem Koffer. „Vergangenes Jahr war extrem“, sagt die Judokämpferin des TSV Glinde. „Da war ich gut sechs Monate unterwegs.“ Daran wird sich so schnell nichts ändern: Kaum ist die Deutsche Meisterin in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm von einem Trainingscamp in München und Mittersill (Österreich) wieder zurück, steht schon die nächste Reise bevor: Am Mittwoch fliegt die 25-Jährige nach Tel Aviv (Israel). Dort geht es beim Grand Prix um Punkte für die Weltrangliste. Für den Wettkampf verzichtet Butkereit darauf, bei den zeitgleich in Stuttgart stattfindenden Deutschen Meisterschaften ihren Titel zu verteidigen.

Die Weltrangliste zählt

Seit anderthalb Jahren ist das Leben der Glinderin auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) ausgerichtet. Butkereit liefert sich einen Zweikampf mit Giovanna Scoccimarro (MTV Vorsfelde) um den einzigen deutschen Startplatz in ihrer Gewichtsklasse. Ein wesentliches Nominierungskriterium ist die Weltranglistenplatzierung. „Deshalb sind internationale Wettkämpfe im Moment wichtiger als nationale Erfolge“, sagt Butkereit,. Derzeit liegt sie mit 3391 Punkten als 18. sechs Plätze hinter ihrer Konkurrentin (3558). Butkereit: „Es gibt aber auch noch andere Faktoren, die bei der Nominierung eine Rolle spielen können.“

Eine Verletzung hat Butkereit 2019 die Teilnahme an der Weltmeisterschaft und damit viele Weltranglisten-Punkte gekostet. Nun gilt es, Boden auf die Konkurrentin gutzumachen, zum Beispiel beim Grand Slam in Düsseldorf (21. bis 23. Februar).

So kurz vor Olympia: „Mega krass“

Eine Entscheidung wird der Bundestrainer frühestens Ende März fällen. Butkereit: „Vor vier Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich heute so kurz vor einer Olympiateilnahme stehe. Das ist megakrass.“ Die Glinderin versucht, gelassen damit umzugehen, um nicht zu verkrampfen. Vor allem ihr Kämpferherz und ihre Willensstärke haben sie in die Weltspitze gebracht.

2019 hat sie die Oceana Open in Perth gewonnen, war Zweite beim Grand Slam in Dubai, Dritte beim Grand Prix in Antalya. Die Judokämpferin lebt in Köln, trainiert am dortigen Olympiastützpunkt. Im vergangenen Februar hat sie die Ausbildung zur Polizeimeisterin abgeschlossen, kann sich jetzt ganz auf den Sport konzentrieren. Vor wenigen Monaten ist sie mit ihrem Freund, dem Kugelstoßer Patrick Müller, zusammengezogen. Butkereit: „Obwohl wir viel unterwegs sind, schaffen wir es, uns einigermaßen regelmäßig zu sehen.“

„Jede würde es der anderen gönnen“

Für ihren ersten internationalen Auftritt 2020 hat sie sich viel vorgenommen. „Das Teilnehmerfeld in Tel Aviv wird stark sein, und ich denke nur von Kampf zu Kampf. Aber das Ziel ist schon eine Medaille. Ich bin in guter Verfassung und kann jede Gegnerin schlagen.“ Das Verhältnis zu ihrer Konkurrentin Scoccimarro bezeichnet die Glinderin als „entspannt“. Beide könnten mit der Zweikampf-Situation gut umgehen. „Da gibt es keinen Hate, wir verstehen uns richtig gut. Jede würde es der anderen gönnen. Als wir im November in Osaka aufeinandergetroffen sind, haben wir uns vorher zusammen warm gemacht und uns danach gegenseitig umarmt.“ So wollen es die beiden Judokämpferinnen auch handhaben, wenn die Entscheidung gefallen ist, wer von ihnen mit zu den Olympischen Spielen darf.