Neujahrsempfang

Bürgermeister Tschentscher besucht die TSG Bergedorf

Hat Wünsche an den Bürgermeister: Der TSG-Vorsitzende Boris Schmidt (Mitte/ Archivbild) im Kreise von Seminarteilnehmern auf der Skisprungschanze in Innsbruck.

Hat Wünsche an den Bürgermeister: Der TSG-Vorsitzende Boris Schmidt (Mitte/ Archivbild) im Kreise von Seminarteilnehmern auf der Skisprungschanze in Innsbruck.

Foto: TSG Bergedorf

Der TSG-Vorsitzende Boris Schmidt dürfte der der Podiumsdiskussion am Freitag einige Wünsche an Tschentscher haben. Denn der Verein plant Großes.

Bergedorf. Boris Schmidt auf der Skisprungschanze in Innsbruck. Es ist ein Bild mit Symbolkraft, das im Januar 2019 anlässlich einer Sporttagung entstand. Hoch hinaus wollte der 57-jährige Vorsitzende der TSG Bergedorf schon immer. Als er am 1. Juli 1987 den Posten des Geschäftsführers übernahm, hatte der Verein gerade mal 4500 Mitglieder. Heute sind es 11.000.

Wichtiger Faktor der Sportpolitik

Es ist das Resultat mutiger Entscheidungen. So eröffnete die TSG 1990 auf Initiative von Schmidt ein erstes vereinseigenes Fitnessstudio, als noch niemand von Fitness redete. 1997/1998 stemmte die TSG mit dem Trendsportcenter in Wentorf und dem Sportforum in Bergedorf-West parallel zwei Großprojekte für zusammen gut zehn Millionen Euro, was den Verein an den Rand des Ruins brachte (siehe Info-Kasten). Doch Schmidt ging unbeirrt seinen Weg, vernetzte die TSG über soziale Projekte, Schul-Kooperationen und Kitas mehr und mehr im Bergedorfer Raum, sodass sie heute nicht nur ein Verein, sondern auch ein sportpolitischer Faktor ist.

Sportvereine als Kitt der Gesellschaft

Und genau darum geht es heute Abend um 18 Uhr im Sportforum (Billwerder Billdeich 607) bei einer Podiumsdiskussion samt Sportlerehrung beim traditionellen TSG-Neujahrsempfang. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und Schmidt werden vom Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Lars Haider, zum Thema „Quartiersvereine – Kitt der Gesellschaft“ befragt.

Auf vornehme Zurückhaltung seitens des TSG-Vorsitzenden braucht Tschentscher dabei wohl kaum zu hoffen. Denn Schmidt wünscht sich schon lange eine stärkere Würdigung der Leistungen des Vereinssports durch die Politik und verweist auf dessen integrative Kraft. „Die Politiker müssen darauf achten, dass unsere Gesellschaft nicht noch weiter auseinander driftet“, fordert Schmidt. Und: „Der Sport bietet dafür super Möglichkeiten.“

„Ein Jackpot für die TSG Bergedorf“

Die sich die Politik nach den Vorstellungen des TSG-Vorsitzenden etwas kosten lassen sollte. Dass dem Verein zudem mit Oberbillwerder ein neuer Stadtteil mit etwa 7.000 Wohnungen direkt vor die Nase gebaut (Schmidt: „Ein Jackpot für die TSG“) verleiht der Situation weitere Dynamik.

Ganz oben auf der Wunschliste steht eine Dreifeld-Sporthalle neben dem Sportforum, die nach den Vorstellungen des TSG-Vorsitzenden auf Stelzen über dem existierenden Parkplatz errichtet werden soll. „Wir sind hier nicht in Eimsbüttel“, betont Schmidt, „unsere Mitglieder werden uns noch viele Jahre lang mit dem Auto erreichen. Daher brauchen wir die Parkplätze.“

RISE-Förderung fließt nicht ewig

Die Gelegenheit ist günstig. Im Februar hat der Hamburger Senat Bergedorf-West zum RISE-Gebiet erklärt. Das heißt, das Quartier unterliegt den besonderen Förderbedingungen des „Rahmenprogramms Integrierte Stadtentwicklung“. Dessen Ziel ist es, die Lebensqualität in Gebieten „mit besonderem Entwicklungsbedarf zu verbessern und mittels städtebaulicher Maßnahmen den sozialen Zusammenhalt zu stärken.“ Genau diese Förderung des sozialen Zusammenhalts habe sich die TSG mit ihren sozialen Projekten auf die Fahnen geschrieben, argumentiert Schmidt: „Die Werte des Sports wie Fairplay, Rücksichtnahme, aber auch Leistung sind eins zu eins auf die Gesellschaft übertragbar.“ So sind unter den 11.000 Mitgliedern 800 Sportler über das Projekt „Kids in die Klubs“ in der TSG, Jugendliche aus bedürftigen Familien, die keinen eigenen Beitrag zahlen, sondern für die der Staat eine Pauschale entrichtet.

Stadtteilschule soll mit profitieren

Die nahe Stadtteilschule Bergedorf soll von dem Sporthallen-Projekt mitprofitieren, die Schulbehörde rund 2,3 Millionen der 6,6 Millionen Euro tragen. Bei weiteren 2,3 Millionen über RISE blieben noch zwei Millionen, die die TSG zu tragen hätte. Doch die Zeit für einen Sporthallenbau drängt: Die Ernennung zum RISE-Gebiet gilt nur für sieben Jahre. Danach versiegen die Fördertöpfe. Gut möglich also, dass Bürgermeister Tschentscher heute nicht mit leeren Händen nach Bergedorf kommt...