E-Werk-Cup in Oststeinbek

Der Grenzgänger – Michael Meyer zwischen Fußball und Futsal

Michael Meyer bejubelt 2016 sein Tor zum 5:2 gegen England.

Michael Meyer bejubelt 2016 sein Tor zum 5:2 gegen England.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Beim Fußball-Hallenturnier des Oststeinbeker SV um den E-Werk-Cup ist Michael Meyer mit den HSV Panthers die große Attraktion.

Oststeinbek. Auf den ersten Blick ist Michael Meyer ein Amateurfußballer wie viele andere. Als Spielertrainer geht er für den Landesligisten Vorwärts-Wacker Billstedt auf Punkte- und Torejagd, belegt mit seinem Team derzeit Rang vier in der 6. Liga. Doch auf den zweiten Blick hat Meyer auch schon 24 Länderspiele für Deutschland absolviert – so viele wie Marc-André ter Stegen oder Niklas Süle. Wie ist so etwas möglich?

Der 31-jährige Meyer ist Nationalspieler im Futsal, der international anerkannten Variante des Hallenfußballs. Er gehörte zum Team der ersten Stunde bei der deutschen Länderspiel-Premiere am 30. Oktober 2016 in Hamburg. Vor 2000 Zuschauern in der Wilhelmsburger Inselparkhalle gab es damals einen 5:3-Sieg gegen England, zu dem er den Treffer zum 5:2 beisteuerte.

Zwischen Vorstadtclub und Nationalteam

Hier also Kicken beim Vorstadtclub, dort Nationalhymne, Deutschland-Trikot und internationale Wettbewerbe. Wie kriegt man das im Kopf zusammen? „Ich freue mich immer aufs Spiel, egal ob ich beim Futsal vor 2000 enthusiastischen Fans für das Nationalteam auflaufe oder bei meinem Heimatverein vor 100 Zuschauern“, betont Meyer.

Im Heimatgebiet ist der 31-jährige Wanderer zwischen den Welten bestens bekannt. Das Kicken lernte er einst beim SC Vier- und Marschlande, spielte dort für die U19 und danach unter anderem für den FC Voran Ohe, FC Bergedorf, zu Oberliga-Zeiten beim Oststeinbeker SV und sogar in der Regionalliga beim SV Eichede. Am Sonnabend kehrt er zurück nach Oststeinbek. Anlass ist das Fußball-Hallenturniers des Oststeinbeker SV um den E-Werk-Cup (11 Uhr, Walter-Ruckert-Halle am Meessen). Meyer und seine Futsal-Artisten, die HSV Panthers, sind der große Turnierfavorit. Schon vor gut zwei Wochen in Geesthacht bewiesen sie, dass ihnen von den „normalen“ Fußballteams kaum beizukommen ist. Im Finale fegten sie den Landesligisten Dersimspor mit 9:1 aus der Halle.

Von den Italienern lernen

Woher kommt diese Überlegenheit der Futsaler im Hallenfußball selbst gegen technisch versierte Oberliga- oder Landesligateams? „Futsal ist extrem taktiklastig“, erläutert Meyer. Beim aus Südamerika stammenden Spiel „Vier gegen vier“ gibt es – anders als bei vielen Hallenturnieren – keine Rundum-Bande.

Blindes Draufgebolze und die vage Hoffnung auf einen Abpraller bringen also nichts, sondern nur geduldiges Kurzpassspiel. „Beim Futsal sind wir es gewohnt, ständig durchzuwechseln“, fährt Meyer fort, „die Zeit, in der du drauf bist, stehst du keine Sekunde, sondern bist immer unterwegs. Bei unserem ersten Nationalmannschafts-Lehrgang mit dem Niederländer Marcel Loosveld zeigte er uns ein Video vom Länderspiel Niederlande – Italien. Die Italiener verloren vor dem gegnerischen Tor den Ball, und noch bevor der Konter zu Ende war, waren sie alle vier wieder hinter dem Ball. Dabei führte Italien zu dem Zeitpunkt bereits mit 9:1.“

Das Leben eines Leistungssportlers

So eine Spielweise kostet enorm viel Kondition und Kraft. Um beim Futsal auf hohem Niveau mitmischen zu können, betreibt Meyer einen enormen Aufwand. „Ich trainiere bis zu sechs Einheiten pro Woche“, beschreibt er sein Pensum.

Es ist ein intensives Hobby, von dem man allerdings nicht leben kann. „Noch nicht einmal für die Einsätze in der Nationalmannschaft gibt es Geld“, berichtet der 31-Jährige. Doch das Erlebnis, den deutschen Adler auf Brust tragen zu dürfen, sei den Aufwand allemal wert.