Mitgliederschwund droht

Sportvereine unter dem Druck der Fitness-Discounter

Zwei Frauen klatschen sich beim Work-out ab.

Zwei Frauen klatschen sich beim Work-out ab.

Foto: nd3000 / Shutterstock

Unter dem Druck der Fitness-Discounter beginnen die Sportvereine im Heimatgebiet zu schwächeln. Es droht ein Verlust der Vereinsvielfalt.

Bergedorf. In diesen Wochen melden die Sportvereine des Heimatgebietes wieder ihre aktuellen Mitgliederzahlen an die Verbände. Was den größten Verein der Region, die TSG Bergedorf angeht, ist jetzt schon klar, dass 2019 ein leichter Rückgang zu verzeichnen war. „Ein Jahr der Konsolidierung“, nennt es der 1. Vorsitzende Boris Schmidt. Meldete die TSG Anfang 2019 noch den Rekordwert von 11.311 Mitgliedern, so sind es zwölf Monate später nur noch knapp über 11.000. „Wir spüren deutlich die Konkurrenz der kommerziellen Fitnessstudios“, betont Schmidt, der aber auch eine allgemeine gesellschaftliche Trendwende ausgemacht hat: „Viele Menschen wollen keine Bindung an einen Verein mehr haben, selbst wenn diese, wie bei uns, halbjährlich kündbar ist.“

TSG: 300 Mitglieder weniger

Der neue Trend zur Unverbindlichkeit könnte zum Pro­blem für die Vereinswelt werden. Der Verlust von 300 Mitgliedern mag sich für einen 11.000-Mitglieder-Verein wie die TSG nicht sonderlich dramatisch anhören – und ist es wahrscheinlich auch nicht – doch blickt man auf die gesamte Hamburger Sportwelt, gibt es alarmierende Anzeichen. Die besteht nämlich überwiegend aus Kleinvereinen: Von 830 Hamburger Sportvereinen weisen 600 weniger als 300 Mitglieder auf.

Konnte die Hansestadt in den vergangenen Jahren Zuwächse im Vereinssport verzeichnen, so ist es in Schleswig-Holstein das Gegenteil. Waren im nördlichsten Bundesland zu Beginn des Jahrtausends fast 900.000 Menschen im Verein sportlich aktiv, so sind es mittlerweile nur noch gut 770.000. Der Trend weg von der Verbindlichkeit einer Vereinsmitgliedschaft trifft dort also auf ein geschwächtes Umfeld. Die Folgen könnten in den kommenden Jahren schnell sichtbar werden.

Drei Vereine dominieren

Was bedeutet das alles für unsere Region? Die Monopolisierung des Vereinssports könnte weiter zunehmen. Die Grafik zeigt die augenblickliche Mitgliederverteilung bei den 50 größten Sportvereinen im Bezirk Bergedorf sowie den angrenzenden Gemeinden Wentorf, Reinbek, Glinde und Oststeinbek. Rund 35.000 Menschen sind in dieser Region Mitglieder in Sportvereinen. Die Hälfte davon entfällt auf die drei größten Vereine TSG Bergedorf, TSV Reinbek und SC Vier- und Marschlande, die andere Hälfte auf die 47 übrigen Clubs. Bemerkenswert stark sind dabei der Wentorf-Reinbeker Golfclub mit fast 1000 Mitgliedern sowie der Pferdesport.

TSG setzt auf Gesundheitssport

Sie alle werden in einem schwieriger werdenden Umfeld Zukunftskonzepte finden müssen. Die TSG will stärker auf offene Angebote ohne Vereinsbindung setzen, um der Discount-Konkurrenz den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Zudem wollen wir den Gesundheitssport als unser Alleinstellungsmerkmal in den Mittelpunkt rücken“, blickt Schmidt voraus.

Weiterhin wünscht er sich eine stärkere Unterstützung des Vereinssports durch die Politik. „Es gibt eine allgemeine Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit im Land, obwohl es uns so gut geht wie in kaum einem anderen Land der Welt“, hat Schmidt beobachtet. „Der Sport hat mit seinen Werten wie Fairness, Rücksicht, aber auch Leistung die Fähigkeit, die Gesellschaft zusammenzuhalten.“