VOLLEYBALL

Der Niedergang der Volleyballer des Oststeinbeker SV

Die Konstante bei den OSV-Volleyballern: Trainer Björn Domroese spielte schon zu Bundesliga-Zeiten für Oststeinbek.

Die Konstante bei den OSV-Volleyballern: Trainer Björn Domroese spielte schon zu Bundesliga-Zeiten für Oststeinbek.

Foto: Hanno bode

Erstmals seit 1999 spielen die Oststeinbeker Volleyballer nicht in einer der drei höchsten Ligen, jetzt droht sogar der zweite Abstieg in Folge.

Oststeinbek. Wenn Björn Domroese am heutigen Sonnabend vor dem Regionalliga-Heimspiel seiner Ostbek Pirates gegen den Tabellenführer SV Warnemünde II (19 Uhr, Meessen 32) den Geräteraum des Teams in der Walter-Ruckert-Halle aufschließt, wird der Trainer unweigerlich an die erfolgreichste Ära der Volleyballer des Oststeinbeker SV erinnert werden. An den Wänden des vollgestellten Kabuffs hängen jede Menge Bilder und Zeitungsartikel aus der erfolgreichsten Ära des Klubs von 2002 bis 2008. Vier Jahre lang spielte der OSV damals in der Zweiten Liga, zweimal gelang ihm gar der Bundesliga-Aufstieg.

Außer besagten stummen Zeugen im Geräteraum ist vom Glanz dieser Zeit nicht viel geblieben. Aktuell droht dem OSV als Vorletzter der zweite Abstieg in Folge. Zuletzt gab es ein klares 0:3 beim Schweriner SC. „Wehmut“, so versichert Domroese, komme bei ihm beim Begutachten der alten Artikel und Bilder dennoch nicht auf: „Man erinnert sich einfach gerne an die Zeit.“ Der frühere Kapitän der Cowboys, wie die erste Mannschaft bis zum freiwilligen Drittliga-Rückzug 2008 noch hieß, hat im Sommer zum dritten Mal das Traineramt am Meessen übernommen.

Kader für den Wiederaufstieg zu schwach

Der Nachfolger des freiwillig ausgeschiedenen Timo Timpe (spielt nun wieder selbst bei den Pirates) fand nach dem sang- und klanglosen Abstieg – das junge OSV-Team gewann nur zwei Partien – zwar ein Mannschaftsgerüst von zehn verbliebenden Akteuren vor. Die Substanz des Kaders durch Zugänge so zu erhöhen, dass ein sofortiger Wiederaufstieg realistisch wäre, misslang aber. „In den vergangenen Jahren haben sich auch andere Vereine in Hamburg gut aufgestellt. Da ist es schwierig, gestandene Spieler nach Oststeinbek zu bekommen“, sagt Domroese.

Geographische Lage ein Standortnachteil

Der 38-Jährige spricht damit auf im Herzen der Hansestadt beheimatete Klubs wie den Eimsbütteler TV, Grün-Weiß Eimsbüttel oder die VG WiWA an. Wer etwas abseits des Stadtkerns um Punkte kämpft, hat einen Standortnachteil. So konnte der vormalige Oststeinbeker Ligarivale VfL Pinneberg nur durch eine Fusion mit der SV Halstenbek-Rellingen eine einigermaßen schlagkräftige Drittliga-Mannschaft stellen.

Jan Schneider, der Volleyball-Abteilungsleiter des OSV, hat noch ein weiteres Problem ausgemacht, das viele Amateurklubs betrifft: „Du kriegst immer weniger junge Leute, die Lust haben, sich für ‘nen Appel und ‘n Ei in die Halle zu stellen.“ Wobei „’n Appel und ‘n Ei“ bei den Pirates wörtlich zu nehmen ist. Denn mehr als etwas Spieltagsverpflegung und Trainingsklamotten kann der Verein den Spielern nicht bieten. Aufwandsentschädigungen zahlen die Stormarner nicht. Sie setzen zwangsläufig auf die Jugend. „Wir haben inzwischen wieder einen guten Unterbau“, sagt Schneider.

Am schnöden Mammon hatte es auch 2008 gelegen, dass sich der OSV freiwillig in Liga drei zurückzog. Nachdem die Umbenennung von Ostbek in Hamburg Cowboys und der Umzug in die Wandsbeker Sporthalle nicht die erhofften Sponsoren-Mehreinnahmen erbracht hatten und das Team chancenlos aus der Bundesliga abgestiegen war, fehlte den damals Verantwortlichen um die Manager Schneider und Rüdiger Barth sowie Coach Bernd Schlesinger die Zuversicht, Spitzenvolleyball in Hamburg etablieren zu können. Die Cowboys lösten sich auf. In Oststeinbek ging es im kleineren Rahmen weiter – die Pirates wurden von der zweiten zur ersten Mannschaft.

Zweite Mannschaft könnte Regionalliga-Platz sichern

„Ich finde es bemerkenswert, dass wir uns zehn Jahre in der dritten Liga gehalten haben“, sagt Schneider. Nun spielt der Klub erstmals seit 1999 nicht in einer der drei höchsten Ligen. Zwar ist Coach Domroese optimistisch, dass zumindest die Klasse gehalten werden kann: „Ich bin überzeugt von der Qualität des Kaders und mir sicher, dass wir die auch wieder aufs Parkett bekommen.“ Aber sollte der Klassenerhalt dennoch misslingen? Kein Problem! Die 2014 wiederbelebten Cowboys sind in der Verbandsliga auf Kurs Titelverteidigung und würden im Falle der Meisterschaft den Regionalliga-Platz für den OSV garantieren. Ein Talentschuppen ist die „Zweite“ nicht. In Jan Buhrmester, Martin Kauffeldt, Barth und Schneider schlagen dort auch vier Akteure auf, die bereits 2002 mit den Cowboys in die 2. Liga aufgestiegen waren...