Amateurfußball

Erst rassistisch beleidigt und dann zugeschlagen

Initiativen gegen Rassismus und Gewalt im Fußball gibt es, doch immer wieder kommt es zu unschönen Vorfällen.

Initiativen gegen Rassismus und Gewalt im Fußball gibt es, doch immer wieder kommt es zu unschönen Vorfällen.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Schon wieder ist es auf einem Fußballplatz im Heimatgebiet zwischen Zuschauern zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen.

Düneberg. Es passierte bereits am vergangenen Freitag beim Kreisklasse-Spiel des Düneberger SV III gegen den FC Lauenburg (Endstand 0:6). Auslöser war der 1:0-Führungstreffer der Lauenburger. Diesen soll ein 57-jähriger Zuschauer mit dem Satz „Wie kann das sein, dass die Kanaken hier ein Tor schießen!?“ kommentiert haben. Hintergrund: Die Lauenburger sind eine Mannschaft, deren Spieler fast ausschließlich türkische Wurzeln haben.

Zwei Schläge ins Gesicht

Shahabuddin Butt, der sich die Partie am Silberberg ebenfalls anschaute, wollte diese Beschimpfung nicht kommentarlos auf sich sitzen lassen. Der Bruder des Lauenburger Trainers Razi Butt – beide stammen aus Pakistan – konfrontierte den Geesthachter mit seiner fremdenfeindlichen Aussage. Dies soll der angetrunkene Pöb­ler – ein später erfolgter Atem-Alkoholtest ergab ei­nen Wert von 1,24 Promille – mit zwei Schlägen in Shahabuddin Butts Gesicht beantwortet haben.

Daraufhin rief dieser die Polizei und stellte bei den eintreffenden Beamten einen Strafantrag wegen rassistischer Beleidigung und Körperverletzung. Die Ordnungshüter erkannten eine leichte Rötung im Gesicht des 30-jährigen Geschädigten. Ein unabhängiger Zeuge bestätigte den Hergang. Und auch der 57-Jährige räumte die Tat ein. Nun ermittelt das Kommissariat 5 der Kriminalinspektion Lübeck, das für fremdenfeindliche Straftaten zuständig ist.

Jetzt ist der Vereinsvorstand gefordert

Die Düneberger verwiesen den Schläger, der ein Vater eines nicht eingesetzten Dritte-Herren-Spielers ist, von ihrer Anlage und erteilten ihm Hausverbot für den Abend. Doch damit ist es nicht getan. „Was er gemacht hat, ist ein absolutes No-Go“, betonte DSV-Ligaobmann Andreas Kreutzer, der selbst nicht vor Ort war. „Bei so etwas können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Hier sind jetzt Fußball- und Gesamtvorstand gefordert. Meiner Meinung nach müssen wir ein dauerhaftes Platzverbot aussprechen“, sagte Kreutzer.

Weiterhin gibt der Ligaobmann zu bedenken, dass der DSV seit jeher auch selbst einen hohen Anteil an Spielern mit Migrationshintergrund hat. „Der Großteil unserer Teams könnte ohne ausländische Spieler am Wochenende gar nicht antreten“, hebt Kreutzer hervor. Auch in der dritten Herrenmannschaft spielen Akteure aus mehreren Nationen.

Sonderbericht an den Verband

Derweil ist Razi Butt von seinem Heimatverein Düneberg enttäuscht. „Es waren keine Ordner bei den Spiel anwesend. Niemand hat meinen Bruder geschützt. Der Verein ist für die Sicherheit zuständig“, klagt der FCL-Trainer. Nach dem Vorfall hat der FC Lauenburg einen Sonderbericht an den Hamburger Fußball-Verband geschickt, mit der Aufforderung, dem Vorfall nachzugehen.

Bereits am 21. September war es bei der Bezirksliga-Partie zwischen dem SV Börnsen und dem FSV Geesthacht zu einer Auseinandersetzung gekommen. Damals hatte ein ausgewechselter FSV-Spieler einen Zuschauer nach einer angeblich persönlichen Beleidigung ausgeknockt.