Sportgericht

Nach K.o.-Schlag: Neun Monate Sperre für FSV-Fußballer

Als noch Fußball gespielt wurde: Dursun Yurtoglu (FSV, rechts) im Duell mit Börnsens Christopher Kleinert.

Als noch Fußball gespielt wurde: Dursun Yurtoglu (FSV, rechts) im Duell mit Börnsens Christopher Kleinert.

Foto: Thomas Rokos / Thomas Rokos / BGZ

Neun Monate Sperre. Mit dieser vergleichsweise milden Strafe ist Dursun Yurtoglu für seinen K.o.-Schlag vor dem Sportgericht davongekommen.

Geesthacht. Gestern wurde Dursun Yurtoglu 30 Jahre alt. Ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk gab es für den Fußballer des FSV Geesthacht am Mittwochabend vor dem Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbands (HFV). Yurtoglu erhielt eine vergleichsweise milde Strafe dafür, dass er am 21. September am Rande des Bezirksligaspiels beim SV Börnsen nach seiner Auswechslung Zuschauer Andre Brausendorf mit einem als Schlüsselanhänger dienendem Kantholz k.o. geschlagen hatte: Yurtoglu wurde „nur“ für neun Monate gesperrt und erhielt zudem die Auflage, an einem HFV-Coolness-Tag teilzunehmen. Damit wäre er mit Beginn der kommenden Saison wieder spielberechtigt.

Es steht Aussage gegen Aussage

In seiner Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende des Sportgerichts Christian Koops: „Sie sind voll geständig und nachdem, was wir gehört haben, gehen wir davon aus, dass sie vor dem Schlag von Zuschauern massiv beleidigt worden sind. Das unterstellen wir mal zu ihren Gunsten.“

Eine neutrale Aussage des Schiedsrichters gab es nicht. Der Referee hatte während der laufenden Partie nichts mitbekommen. Zu der Verhandlung gekommen war es nur, weil die Börnsener den Vorfall dem HFV gemeldet hatten. Also stand Aussage gegen Aussage.

Zunächst verlas Koops das Schreiben des SVB. Brausendorf, der in der zweiten Börnsener Mannschaft spielt und von wochenlangem Schwindel nach dem Aufstehen berichtet, war nicht anwesend. „Ich war gar nicht eingeladen. Außerdem hätte ich ihn auch nicht sehen wollen. Er hat sich ja noch nicht einmal bei mir entschuldigt“, sagte Brausendorf, der eine Zivilklage angestrengt hat. „Und der Verband hatte meine Aussage ja von meinem Anwalt erhalten.“ Diese Ausführungen wurden in der Verhandlung allerdings nicht berücksichtigt.

Yurtoglu berichtete von Schmähungen und später Beleidigungen, als er frisch geduscht die SVB-Zuschauer passierte. Als Brausendorf dann seine Familie beleidigt habe, sei er explodiert. „Ich verheimliche nichts.“ Mit dem Schlüssel in seiner Hand habe er nach ihm geworfen. „Dabei hat das Kantholz ihn am Kopf gestreift“, gab Yurtoglu an.

FSV-Manager Ismail Gök sagte: „Wir distanzieren uns als Verein von der Tat. Auch wer beleidigt wird, darf nicht schlagen.“ Gök will indes ebenfalls von Zuschauern verunglimpft worden sein.

Henning Lüdemann aus der „Zweiten“ des SVB berichtete als Zeuge von einer lautstarken Unterhaltung zwischen Brausendorf und Yurtoglu, deren Inhalt er aber nicht kenne. Und er gab an, dass Brausendorf für etwa eine Minute weggetreten war. Nach dieser Aussage fällten die Sportrichter ihr Urteil.

Nach Rot in Börnsen: Sperre für SCVM-Kicker reduziert

Es war nicht die einzige Sportgerichtsverhandlung an diesem Abend, bei dem der SV Börnsen eine Rolle spielte. Vorab war es um einen Platzverweis für David Silva vom SC Vier- und Marschlande gegangen. Der dunkelhäutige Akteur hatte im nächsten Börnsener Heimspiel nach der FSV-Partie einen SVB-Spieler mit der Hand ins Gesicht geschlagen. Der SCVM hatte Silva dafür vereinsintern bis zum Jahresende – also für sieben Spiele – gesperrt.

Der Verband reduzierte die Strafe auf fünf Begegnungen, wovon zwei zur Bewährung ausgesetzt wurden. Silva hatte angegeben, rassistisch beleidigt worden zu sein. Der Verband nahm an, dass es so gewesen sein könnte. Vertreter des SVB hatten keine Gelegenheit sich zu äußern. Sie waren zur Verhandlung nicht geladen.

Was der SV Börnsen dazu sagt: Ligamanager Nils Marx im Interview

Herr Marx, in beiden verhandelten Fällen hat der Verband in seiner Urteilsgründung zugunsten der Beschuldigten angenommen, dass es einmal eine rassistische Beleidigung eines ihrer Spieler und einmal massive persönliche Beleidigungen seitens Börnsener Zuschauer gegeben habe könnte. Hat ihr Verein ein Problem mit sportlicher Fairness, um es einmal vorsichtig auszudrücken?

Nils Marx: Ich bin gerade etwas entsetzt. Plötzlich sollen wir als Geschädigte in der Täterrolle sein? In beiden Fällen sind die Beschuldigten vom HFV verurteilt worden, nicht der SV Börnsen.

Und was sagen Sie zu den unterstellten Vorwürfen?

Ich glaube, das ist ein gesellschaftliches Problem. Heute wird immer schnell nach Ausflüchten gesucht. Da werden einfach Behauptungen wie Rassismus und Beleidigung aufgestellt, um die Taten zu rechtfertigen.

Können Sie sich denn so etwas in Börnsen vorstellen?

Ganz und gar nicht. Ich lege sogar meine Hand dafür ins Feuer, dass sowas nicht passiert ist und auch nicht wird. Und sollten wir jemals etwas in diese Richtung mitbekommen, kann ich ganz klar sagen: Da zeigen wir null Toleranz. Derjenige würde von der Anlage und ein Spieler aus dem Verein fliegen.

Dass auf dem Fußballplatz Gegenspieler mitunter bewusst provoziert werden, um darauf zu hoffen, dass diese womöglich unangemessen reagieren, wissen Sie aber auch?

Rivalität auf dem Platz gehört dazu. Hinterher muss es dann aber gut sein. Und um noch einmal klarzustellen: Der SV Börnsen hat überhaupt kein Problem mit Ausländern. Dass es in zwei aufeinanderfolgenden Spielen Vorfälle gab, ist eine Verkettung von Zufällen. Die Gästeteams sind bisher immer gerne zu uns gekommen, das soll auch so bleiben.