Karate

Aleyna Gencer fährt ganz gelassen zur Karate-WM

Aleyna Gencer von der TSG Bergedorf fährt zur Karate-WM.

Aleyna Gencer von der TSG Bergedorf fährt zur Karate-WM.

Foto: Lüttke

Elf Jahre nach Desirée Christiansen stellt die TSG Bergedorf wieder eine Teilnehmerin bei der Karate-WM: Aleyna Gencer hofft auf eine Medaille.

Bergedorf.  Direkt neben der Budo-Kampfsport-Akademie an der Kurt-A.-Körber-Chaussee, in der Aleyna Gencer seit Jahren trainiert, gibt es eine kleine Manufaktur für Koffer und ähnliche Behältnisse. Sie heißt „don’t panic“. Ein Spruch, der auch als Leitmotiv der angehenden Lehramtsstudentin für Englisch gelten könnte. Trotz ihrer erst 20 Jahre wirkt der Neuzugang der TSG Bergedorf immens selbstbewusst. In Panik gerät sie nicht so schnell. Selbst wenn sie sich männlicher Angreifer erwehren müsste, wie sie betont.

Aleyna Gencer weiß sich ihrer Haut zu erwehren. Sie ist Karatekämpferin. In ihrer Gewichtsklasse in Deutschland aktuell die Nummer eins. Als amtierende nationale U21-Meisterin bis 50 Kilogramm will die junge Harburgerin nun auch bei den Weltmeisterschaften der Jugend, Junioren und U21 in Santiago de Chile vom 23. bis 27. Oktober für Furore sorgen.

Im Alter von neun Jahren kam sie über eine Cousine zum Karate. „Aus meinem Sport konnte ich immer Selbstbewusstsein ziehen“, sagt Aleyna Gencer. Schnell machte sie auf sich aufmerksam. 2011 und 2012 holte sie sich bei den Mädchen im Jugendbereich jeweils den deutschen Meistertitel. In diesem Jahr kam ihr dritter nationaler Titel hinzu.

Wechsel aus Harburg zur TSG

Erst vor zwei Monaten wechselte sie vom Harburger TB und ihrem dortigen Trainer Ralf Becker zur TSG. In der Budo-Kampfspor-Akademie in Bergedorf trainiert sie allerdings schon länger bei Ibo Günes.

Weltmeisterschaften und die Gewichtsklasse bis 50 Kilogramm – das hat bei der TSG eine gewisse Tradition. 2007 erkämpfte sich Desirée Christiansen Platz fünf. Letzter Bergedorfer bei einer Karate-WM war Oliver Henning, der vor fünf Jahren in Bremen Mannschaftssilber gewann.

Als Ausgleich zu ihrem Kampfsport – vor Meisterschaften wie der WM trainiert sie sechsmal in der Woche – schnappt sich die 20-Jährige immer mal ein Buch und liest. Gerne auch Sachbücher. „Am liebsten, wenn es um Psychologie geht“, sagt Aleyna Gencer. Kein Wunder: Mentales Training hat im Karatesport mittlerweile eine große Rolle eingenommen. Auch Gencer wird in diesem Bereich professionell begleitet.

Bei U21-EM auf Platz fünf

Eine starke Psyche war auch gefragt, als sie sich im Juni einen Bänderriss im linken Fuß zugezogen hatte – ausgerechnet bei der Meisterprüfung zum 1. Dan. Den hat sie nun in der Tasche. Und gesund ist sie auch wieder. Offiziell hatte die Kampfsportlerin eine zehnwöchige Pause eingelegt. „Trainiert habe ich aber dennoch“, sagt sie ein wenig leise, so, als könnte ihr Arzt mithören. Kein Frage, Aleyna Gencer ist hart im Nehmen.

Anfang des Jahres startete sie bei der U21-Europameisterschaft im dänischen Aalborg. Den Kampf um Bronze verlor sie nur knapp, wurde Fünfte. Bei der WM will sie nun aufs Treppchen. Aktuell bereitet sie sich mit dem deutschen Nationalkader in Kelkheim bei Frankfurt auf die Welt-Titelkämpfe vor. Die Konkurrenz ist stark. Rund 40 Karateka haben in der Klasse bis 50 Kilogramm gemeldet.

Auch ihr Trainer Ibo Günes traut ihr eine Medaille zu, verweist auf ihre mentale Stärke. „Sie weiß, was sie will. Und 90 Prozent beim Kampf sind Psyche“, sagt Ibo Günes. Und damit kennt sich Aleyna Gencer aus.