Salutierende Nationalspieler

„Es wird schnell antitürkische Stimmung erzeugt“

Türkische Spieler salutieren, als sie ein Tor gegen Frankreich feiern.

Türkische Spieler salutieren, als sie ein Tor gegen Frankreich feiern.

Foto: Thibault Camus / dpa

Ilkay Gündogan und Emre Can haben für viel Wirbel gesorgt. Was sagen Trainer und Spielern mit türkischen Wurzeln aus der Region zu dem Konflikt?

Bergedorf.  Vor dem Fußball-Länderspiel gegen Estland hatten die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can für Wirbel gesorgt, als sie einen Instagram-Post ihres Kumpels Cenk Tosun geliked haben. Auf dem Foto ist zu sehen, wie der türkische Nationalspieler seinen Siegtreffer gegen Albanien mit seinen Kollegen mit einem Salut vor der Ehrentribüne feiert. Später wiederholten viele Spieler den militärischen Gruß in der Kabine. Hintergrund: Seit der vergangenen Woche führt die Türkei einen Angriffskrieg gegen die kurdische Miliz YPG in Syrien.

Am Montag hat nun erneut eine Gruppe türkischer Spieler nach dem Spiel gegen Frankreich salutiert. Derweil hat der FC St. Pauli Cenk Sahin freigestellt. Der 25-Jährige hatte bei Instagram den Militäreinsatz der Türkei begrüßt und sich solidarisch erklärt. Fortuna Düsseldorf hat sich hingegen hinter seine Profis Kaan Ayhan und Kenan Karaman gestellt, die in der Partie gegen Albanien salutierten.

Wieder einmal ist eine deutsch-türkische Debatte entbrannt. Was sagen Trainer und Spieler mit türkischen Wurzeln aus der Region zu den Vorfällen? Wir haben nachgefragt. Alle Befragten, die hier kommentarlos zu Wort kommen, sind übrigens in Deutschland geboren.

Idris Gümüsdere (42, Trainer FSV Geesthacht): „Ich finde die Aktion von Gündogan und Emre Can nicht schlimm. Die Türkei kämpft nicht gegen Kurden, sie geht gegen eine Terrororganisation vor. Traurig finde ich, dass sich der FC St. Pauli nicht hinter seinen Spieler stellt. Generell wird dieses Thema in Deutschland aber zu hoch gehängt.“

Erdinc „Schoko“ Özer (45, Trainer ETSV Hamburg): „Hier wurden Gesten nach einem Fußballspiel gemacht. Die Spieler, die das dann geliked haben, haben sich vielleicht gar keine Gedanken darüber gemacht, weil sie darin keine politische Handlung gesehen haben. Viel schlimmer finde ich, dass Deutschland jahrelang Waffen in die Türkei geliefert hat. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit dem Finger auf Spieler wie Gündogan, Can und Sahin zeigen.“

Olcay Günay (28, Trainer SC Vier- und Marschlande II): „Ich weiß nicht, warum dieses Thema hier so hochgeschaukelt wird. Ich glaube nicht, dass besagte Spieler alle pro Erdogan sind. Vielmehr denke ich, es soll an Menschen erinnert werden, die in den Krieg ziehen und alle hoffen, dass sie heil wieder zurückkommen. Die französische Nationalmannschaft hat nach dem Gewinn des Weltmeistertitels auch vor ihrem Präsidenten salutiert.“

Erdinc „Eddi“ Örün (32, Spieler Oststeinbeker SV): „Was ist passiert? Gündogan und Can haben den Torjubel eines Freundes geliked. Das muss doch nicht gleich politisch sein. Im Fall von Cenk Sahin sollte die Meinungsfreiheit respektiert werden. Ich verstehe die Aufregung nicht. Es wird immer schnell eine antitürkische Stimmung erzeugt. Zumal im Fall des Einsatzes in Syrien Terroristen bekämpft werden.“

Kutay Keklikci (29, Spieler ETSV Hamburg): „Politische Äußerungen haben im Fußball nichts zu suchen. Zu den konkreten Vorfällen möchte ich mich aber lieber nicht äußern.“