Geburtstag

Neuengammer Kegelklub feiert sein 125-jähriges Bestehen

Die Bundesliga-Mannschaft des SKV-Bergedorf, hinten von links: Joachim Kott, Thomas Bastian, Henrik Kiehn, Volker Schütt, Michael Lüth, Heiko Titze, vorn von links: Robert Köhn, Carsten Bryde, Jürgen Böttcher, Marc Berger, Marcel Dubbe.

Die Bundesliga-Mannschaft des SKV-Bergedorf, hinten von links: Joachim Kott, Thomas Bastian, Henrik Kiehn, Volker Schütt, Michael Lüth, Heiko Titze, vorn von links: Robert Köhn, Carsten Bryde, Jürgen Böttcher, Marc Berger, Marcel Dubbe.

Foto: SKV Bergedorf

Neuengamme. Acht Kegelfreunde gründeten 1894 den Neuengammer Kegelklub. Doch die Zukunft der Sportart sieht düster aus.

Neuengamme. Die Welt im Jahr 1894: In Paris wird der erste professionelle Striptease der Geschichte getanzt, in London die berühmte Tower Bridge eingeweiht, und wiederum in Paris gründet Pierre de Coubertin das Internationale Olympische Komitee, um die Olympischen Spiele wiederzubeleben.

Kegeln hat er dabei nicht im Blick. Dabei handelt es sich um eine der ältesten sportlichen Kulturformen. Bei Ausgrabungen in Ägypten fand man ein 5500 Jahre altes antikes Kinderkegelspiel. Hierzulande sollen schon die alten Germanen mit Steinen auf Knochen geworfen haben. Im Mittelalter dienten der Legende nach Totenköpfe als Kegelkugeln. So jedenfalls berichtet es der Buchautor Ernst Gron. Im 15. Jahrhundert gehörten „Kegelplätze“ zum allgemeinen Straßenbild, im 18. Jahrhundert war es gesellschaftlich respektiert. Auch Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Friedrich Schiller (1750-1805) sollen begeisterte Kegler gewesen sein.

Auch Karl May stellte einst Kegel auf

Erst im 19. Jahrhundert wurde Kegeln zum „Indoor-Sport“. Von Karl May (1842-1912) ist bekannt, dass er sich als Zwölfjähriger sein erstes Geld als „Kegeljunge“ verdiente, der die Hütchen am Ende der Bahn immer wieder aufstellte. Über das Kegeln lernte May auch Rückkehrer aus der Neuen Welt kennen. Die Gespräche mit ihnen könnten May zu seinen Winnetou-Romanen inspiriert haben.

1894 nun, im Jahr von Striptease, Tower Bridge und IOC, erwarb in Neuengamme der Gastwirt Hermann Stahlbuhk den Gasthof „Stadt Lübeck“ und fasste den Plan, dort einen Kegelverein zu gründen. Mit sieben Mitstreitern – Heinrich Reimers, August Dohrendorf, Julius Eggers, Heinrich Behnken, Friedrich Buhk und Richard Meyer aus Neuengamme sowie Hermann Kähler aus Curslack – rief er den Neuengammer Kegelklub ins Leben, der nun sein 125-jähriges Bestehen feiert.

1975 Hamburger Meister geworden

Der Verein gehörte 1921 zu den Gründungsmitglie­dern des Bergedorfer Kegelverbands. War es zuvor darum gegangen, Kegeln als Unterhaltungsspiel zu pflegen, so trat nun der sportliche Aspekt in den Vordergrund. Unter der Bezeichnung „Dat geiht immer“ bildeten die Neuengammer eine schlagkräftige Spielgemeinschaft mit anderen Vierländer Klubs. Zwischen 1948 und 1980 holten sie 15 Bergedorfer Meistertitel. Im Jahr 1975 gelang dann der größte Erfolg: der Sieg bei der Hamburger Meisterschaft und der Aufstieg in die Bundesliga. Zudem wurde der Neuengammer Helmut Stemmann deutscher Meister bei den 23- bis 50-Jährigen. Neben Stemmann ragen die Nationalmannschaftskegler Carsten Bryde, Michael Lüth und Ronald Mikula in der Vereinsgeschichte heraus.

Zurück in der Kegel-Bundesliga

Seit 2008 bilden die Neuengammer mit dem KSC Mohnhof die Spielgemeinschaft SKV Bergedorf und haben es erneut in die 1. Bundesliga geschafft. Doch die Zeit der Sportkegler geht vorbei. In ganz Hamburg gibt es nur noch 150 Aktive. „Ich schätze, dass es diese Sportart in zehn bis 15 Jahren nicht mehr gibt“, ist der 62-jährige Lüth überzeugt. So könnte es das letzte Jubiläum für den Neuen­gammer Kegelklub gewesen sein.

Die Bundesliga-Männer des SKV spielen am 12. Oktober um 13 Uhr im Lohbrügger Holstenhof gegen Seedorf (13 Uhr) und am 13. Oktober gegen Oldenburg/Holstein (10 Uhr). Der Eintritt ist frei.