Day of Destruction

Tellerwäscher Gerardo Atti greift nach dem WM-Titel

Kampfsportler Gerardo Atti (liegend) trainiert mit seinem Coach Ralf Stege.

Kampfsportler Gerardo Atti (liegend) trainiert mit seinem Coach Ralf Stege.

Foto: Hanno Bode / BGZ/Hanno Bode

Dassendorf. „Africa rising“ (Afrika erhebt sich) lautet das Motto des Kampfsportabends „Day of destruction“ in Dassendorf.

Dassendorf. Es hat durchaus eine gewisse Symbolkraft, als Gerardo „Coco“ Atti an diesem Abend hinter dem Tresen des Eingangsbereichs der Kampfsportschule „Siamstore“ in Hamburg-Horn steht und Geschirr abspült. Denn die häufig in sozialen Aufstiegsgeschichten gebrauchte Redewendung: „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ trifft auf den 22-Jährigen zumindest ein wenig zu.

2012 kam er ohne jegliche Deutsch-Kenntnisse aus Togo nach Hamburg. Drei Jahre später machte er seinen Realschulabschluss und begann daraufhin eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Erstaunlich schnell erlernte der frühere Fußballer auch die Kunst des Thaiboxens. Erst vor drei Jahren begann er damit. Am Sonnabend bestreitet Atti beim Kampfabend „Day of Destruction“ in der halben Tennishalle der TuS Dassendorf seinen ersten Weltmeisterschaftskampf im Muay Thai. Beginn der bereits ausverkauften Veranstaltung am Wendelweg ist um 19.30 Uhr.

Der Gegner ist ein Zwei-Meter-Mann

„Ich will nach ganz oben“, sagt das Muskelpaket mit dem Kampfnamen „The Blade“ („Die Klinge“) unmissverständlich. Ein Sieg des Cruisergewichtlers (-86,18 Kilogramm) gegen den polnischen Zwei-Meter-Hünen Oskar Mosberg wäre ein weiterer Schritt dahin, nachdem er vor kurzem erstmals internationaler deutscher Meister wurde.

Das Duell um den WM-Titel der World Full Contact Association (W.F.C.A.) ist der Hauptkampf der Veranstaltung in der TuS-Tennishalle, die 400 Zuschauern Platz bietet. Er ist über fünf Runden à drei Minuten angesetzt. In Anbetracht von Attis Bilanz (elf K.o.-Siege in 23 Fights) scheint ein vorzeitiges Ende nicht ausgeschlossen.

Eine Trommelgruppe sorgt für Stimmung

Allerdings zählt Gegner Mosberg nicht zur Rubrik „Fallobst“. „In Polen trainieren sie schon hart“, erklärt Siamstore-Trainerin Freya Blümel. Selbiges trifft aber auch auf Atti zu. „Er würde mit dem Kopf unter dem Arm kommen. Er ist außergewöhnlich“, schwärmt sie von dem 22-Jährigen.

Insgesamt sind zehn bis zwölf Kämpfe geplant, darunter auch eine internationale deutsche Meisterschaft im Boxen. Veranstalter Ralf Stege, gleichzeitig Trainer von Atti und vier weiteren antretenden Kämpfern, hat den Abend unter das Motto „Africa rising!“ („Afrika erhebt sich“) gestellt. Der Grund: Nicht nur sein Muay-Thai-Schützling, sondern auch weitere eingeladene Sportler stammen aus Afrika. Eine afrikanische Trommelgruppe wird für die richtige Einstimmung des Events sorgen, das auf Wunsch von Michael Funk in Dassendorf stattfindet.

Der Mäzen der ortsansässigen Oberliga-Fußballer unterstützt seit Jahren die Kampfsportserie „Day of Destruction“, die nun am Wendelweg ihre zwölfte Auflage hat. Zudem ist er auch persönlicher Sponsor von Atti, der laut Stege ein „arschcooler Typ“ ist. Das indes wird den 22-Jährigen selbst im Falle eines WM-Sieges nicht von seinen Pflichten befreien. Denn bereits jetzt steht fest, dass Atti am Montag im Siamstore unter anderem wieder Geschirr spülen muss: Er ist dort angestellt.