SV Altengamme

Nach dem 2:1 gegen Türkiye plötzlich ein Aufstiegskandidat

Philip Alpen (vorn) und Torschütze Sandro Schraub bejubeln den Siegtreffer zum 2:1.

Philip Alpen (vorn) und Torschütze Sandro Schraub bejubeln den Siegtreffer zum 2:1.

Foto: Bode / BGZ/Hanno Bode

Altengamme. Fast unbemerkt haben sich die Landesliga-Fußballer des SV Altengamme in der Tabelle bis auf Platz vier nach vorn gearbeitet.

Altengamme. Nach 69 Minuten schien das Landesliga-Fußballspiel seines SV Altengamme gegen den FC Türkiye für Sandro Schraub unfreiwillig frühzeitig beendet zu sein. Der Torjäger hatte nach einer Rudelbildung von Referee Björn Lassen (Barsbütteler SV ) ebenso wie Gäste-Akteur Inan Türkad die Rote Karte gesehen und schritt nun mit gesenktem Haupt vom Platz. „Ey Sandro, warte doch mal“, riefen ihm seine Teamkameraden nach: „Er erklärt ihm das.“ Mit „er“ war Philipp Heitmann gemeint, dem eigentlichen Übeltäter in der vorausgegangenen „Bambule“. Der Angreifer beichtete dem Unparteiischen, ein wenig übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Der Spielleiter revidierte daraufhin seine Entscheidung und schickte „Hubi“ vom Feld, sodass Schraub auf selbigen bleiben durfte.

Entscheidender Elfmeter war zweifelhaft

Das sollte Folgen haben. Kurz vor Ultimo wurde Letzterer von Gäste-Keeper Daniel Göbel im Strafraum zu Fall gebracht. Lassen gab einen Strafstoß für die Vierländer, den der Gefoulte selbst zum 2:1-Erfolg des SVA verwandelte (90.+1).„Es war eine Berührung da. Ob man den pfeifen muss, weiß ich nicht“, sagte der Altengammer Matchwinner ehrlich. Blieb noch die Frage, warum er nach der unberechtigten Roten Karte gegen ihn vorerst so demütig das Weite gesucht hatte, ohne dagegen zu protestieren? „Meistens nehmen die Schiedsrichter ihre Entscheidung ja nicht mehr zurück“, erklärte der 23-Jährige.

Schraub war also mehr oder minder ein Held wider Willen. Und sein Team ist nach neun Spieltagen still und heimlich zum ziemlich heißen Kandidaten auf Tabellenplatz zwei hinter der vermeintlichen Übermannschaft VfL Lohbrügge avanciert. „Kühe, Schweine, Dorfvereine!“, wie es nach dem Erfolg aus dem Mannschaftskreis hallte, also bald in der Oberliga? „Wir wollen uns oben etablieren und festsetzen“, sagte Schraub. Nach nochmaliger Nachfrage gestand er seine Aufstiegsträume dann ein: „ Wir nehmen alles mit, was kommt.“

„Das war ein Grottenkick von uns“

Der ganz große Coup wird in der Verfassung gegen Türkiye allerdings kaum zu realisieren sein. „Wir sind erst bei 40 bis 50 Prozent von dem, was wir umsetzen wollen“, sagte Co-Trainer Melih Kavukcu, der den privat verhinderten Coach Jan Krey vertrat. „Das war ein Grottenkick von uns“, meinte Schraub trotz des Sieges. Nun, fußballerisch war da sicherlich noch Luft nach oben. Doch andererseits sind die Vierländer inzwischen auch in der Lage, eine recht hektische Partie wie in diesem Fall für sich zu entschieden. Klingt nach einem Reifeprozess. Und ist es dann wohl auch.

Wenn das Ganze auch in Gänze nicht hübsch aussah, so hatte es ein paar Höhepunkte. Etwa in der 19. Minute, als Schraub auf Heitmann passte und der zum 1:0 traf. Bald darauf egalisierte Türkiye durch Cem Müller (34.), wusste hernach seine technische Überlegenheit aber nicht mehr in Zählbares umzusetzen. „Sie waren einen Tick besser“, gab Schraub offen zu. Aber eben nicht effizient. Und so ist auf einmal das Now-Budget-Team vom Gammer Weg (Vereinschef Berd Mohr: „Bei uns gibt’s nur Geld in die Mannschaftskasse“) ein Aufstiegsaspirant.