Stadtderby

Reaktionen nach dem historischen Sieg des FC St. Pauli

Hinten schiebt HSV-Fan Marco Strauer Frust. Vorn freut St. Pauli-Anhänger Matthias Voß. Beide trainieren die Alte Heren des SCVM.

Hinten schiebt HSV-Fan Marco Strauer Frust. Vorn freut St. Pauli-Anhänger Matthias Voß. Beide trainieren die Alte Heren des SCVM.

Foto: Thomas Rokos / Thomas Rokos / BGZ

Bergedorf. Nach dem Derbysieg gratulierte Trainer und HSV-Fan Marco Strauer seinem „Co“ und St. Pauli-Anhänger Matthias Voß.

Bergedorf. Als der historische Derbysieg des FC St. Pauli über den HSV am Montagabend besiegelt war, zückte Marco Strauer sein Mobiltelefon. Der Trainer der Alt-Herren-Fußballer des SC Vier- und Marschlande schickte seinem „Co“ Matthias Voß ein bearbeitetes Foto unseres Vorberichts vom vergangenen Sonnabend. Dort sollten HSV-Fan Strauer und St.-Pauli-Anhänger Voß ihre Gefühle im Falle eines Sieges beziehungsweise einer Niederlage vorab simulieren. Strauer hatte seinen Jubel und Voß’ Frust durchgestrichen und artig zum ersten Erfolg der Kiezkicker am Millerntor seit 59 Jahren gratuliert.

„Der HSV hätte noch eine Stunde länger spielen können und hätte kein Tor geschossen. Wir hatten in keiner Phase der Partie Zugriff“, ärgerte sich der Marschländer Strauer, der die Begegnung im Fernsehen verfolgt hatte.

Einige Kilometer weiter östlich in Kirchwerder fühlte sich Voß „fulminant“, nachdem er wieder zu Hause war. „Die Stimmung im Stadion war überragend. Ich habe mir das Spiel gleich nochmal auf Sky angeguckt“, sagte er.

Rekordquote für Sky

Dem Pay-TV-Sender bescherte das Stadtderby eine neue Rekordquote für Zweitligaspiele. 737.000 Zuschauer – und damit 7000 mehr als das Match Köln gegen den HSV in Vorsaison – sahen die Partie.

Live im Stadion dabei waren Philipp Mohr und Alexander Golinski, der Sportliche Leiter und der Torhüter des SV Altengamme, die es beide mit den Braun-Weißen halten. „Ich sitze ja normalerweise auf den Gegengeraden. Aber diesmal haben alle gestanden. Ein Gänsehaut-Moment“, sagt Mohr, der vom vielen Anfeuern ganz heiser war. Bei den Altengammer Fußballern hat der HSV mehr Anhänger. Frotzeleien bleiben da nicht aus. „Alex will zum Training schön mit Totenkopf-Pulli in die Kabine marschieren“, sagte Mohr.

Extraschichten für St. Pauli-Fans

Dass es auch in die andere Richtung geht, zeigte Glindes Trainer Sören Deutsch. Der HSV-Fan teilte auf Facebook einen Gesprächsverlauf aus der teaminternen WhatsApp-Gruppe. Als „Strafe“ für den Sieg der Kiezkicker schrieb er zum gestrigen Testspiel gegen Atlantik 97: „Alle St.-Pauli-Fans bringen Laufschuhe mit.“ Und weiter: „Ich habe nie behauptet ein gerechter Trainer zu sein.“

Zurückhaltender ob seines Frusts musste Dennis Tornieporth sein, der Coach des Düneberger SV. Der HSV-Fan und ehemalige Drittliga-Spieler bei St. Pauli verfolgte die Partie in einer Loge im Stadion gemeinsam mit lauter St. Paulianern wie seinen ehemaligen Teamkameraden Timo Schultz und Florian Lechner. „Ich war da der einzige HSVer“, sagte Tornieporth.

Sein erstes Derby auf dem grünen Rasen und seine HSV-Premiere bestritt Martin Harnik (32, früher SCVM) nach seinem Wechsel aus Bremen. Der Kirchwerder Jung wurde nach gut einer Stunde beim Stand von 0:2 eingewechselt und traf nach 79 Minuten auch ins Netz – doch der Treffer zählte nicht: Abseits! „So eine Niederlage wird es sicherlich wieder geben in der Saison, aber es ist beschissen, dass es gerade im Derby passiert“, sagte Harnik der „Bild“.