Sportgericht

Harte Strafen nach Skandalspiel beim TSV Gülzow

Vor dem Sportgericht des HFV wurden am Mittwochabend harte Urteile rund um den Abbruch der Kreisklassepartie gefällt.

Vor dem Sportgericht des HFV wurden am Mittwochabend harte Urteile rund um den Abbruch der Kreisklassepartie gefällt.

Foto: Wolfram Steinberg / picture-alliance/ dpa

Gülzow. 1500 Euro müssen die Gülzower zahlen, zudem ein Sicherheitskonzept vorlegen. Doch auch die Aumühler dürfen sich als Verlierer fühlen.

Gülzow. Als der Vorsitzende Christian Koops am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr das Urteil rund um die Vorkommnisse der Kreisklassepartie vor dem Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbands verkündete, waren sich die Vertreter beider Klubs ausnahmsweise einmal einig. Über die Geschehnisse vor Ort gab es unterschiedliche Meinungen. „Ich bin sprachlos“, sagte TuS-Abteilungsleiter Jan Kunze. Und TSV-Betreuer Henrik Bleck erklärte: „Das muss ich erst mal sacken lassen.“

Das von Schiedsrichter Tassilo Rohroff (SC Schwarzenbek) beim Stand von 4:2 kurz vor Schluss abgebrochene Spiel wurde mit null Punkten und 0:3 Toren gegen beide Mannschaften gewertet. Der TSV Gülzow muss eine Strafe von 1500 Euro bezahlen und zusätzlich ein Sicherheitskonzept vorlegen. Bis dahin werden alle Heimspiele ausgesetzt. So auch die für Freitag angesetzte Begegnung gegen die „Zweite“ des ASV Bergedorf 85. Die Aumühler müssen 350 Euro berappen.

Zuschauer zieht Messer

In der Begründung sprach der Vorsitzende Koops von schuldhaft verursachtem Spielabbruch und unsportlichem Verhalten von Vereinsmitgliedern. Im Falle des gastgebenden TSV kam noch das unsportliche Verhalten von Anhängern des Klubs sowie der fehlende Ordnungsdienst hinzu. „Hier können nicht guten Gewissens Spiele stattfinden“, sagte Koops und meinte damit den Sportplatz an der Schloßstraße.

Nach Ausschreitungen und Prügeleien hatte ein Zuschauer ein Messer gezogen. Offen ist noch, ob die abgesetzten Heimspiele gegen Gülzow gewertet werden.

Während der Partie, die vor zwei Wochen ausgetragen wurde, hatte es massive Beleidigungen in Richtung einiger Aumühler Spieler gegeben. „Hurensohn“ war noch eines der harmloseren Schimpfwörter, die aus einer Gülzower Fan-Gruppe gerufen wurden. Auf einem Video, das während der Verhandlung gezeigt wurde, ist zu sehen, wie einige TuS-Spieler mit den Anhängern diskutieren. Die Situation schien sich dann zunächst zu entspannen. Bis weitere Schimpfworte fallen. Zwei TuS-Spieler laufen nun direkt in die Gruppe der Zuschauer. Es kommt zu Prügelszenen. Schiedsrichter Roh­roff brach die Begegnung daraufhin ab.

Was nicht auf dem Video zu sehen ist, ist die Waffe. „Ein Zuschauer kam mit einem gezückten Messer auf mich zugelaufen“, erklärte Semih Y. vor dem Sportgericht sichtlich aufgebracht. Seinen Humor hatte der TuS-Spieler trotz des schwerwiegenden Vorfalls nicht verloren. Angeblich hätten die Gülzower den Corpus Delicti als Kartoffelmesser abgetan. Y. gab an, die Klinge wäre 20 Zentimeter lang gewesen. Kommentar des Aumühler Fußballers: „Die Kartoffeln möchte ich mal sehen, die sie in Gülzow haben.“

Konkrete Hinweise

TSV-Kapitän Pascal Heyden merkte noch an, dass es Beleidigungen von beiden Seiten gegeben hätte. Eine Frau nahm dem „Messer-Mann“ schließlich die Waffe ab und verschwand. Genauso wie der potenzielle Täter.

Die Polizei rückte nach dem Abbruch mit sieben Streifenwagen an. Der „Messer-Mann“ konnte zunächst nicht ausfindig gemacht werden. Die Gülzower wissen angeblich ebenfalls nicht, wie sein Name ist. Vor dem Sportgericht machten sie jedenfalls dazu keine Angaben.

Die Ermittlungen der Schwarzenbeker Polizei laufen. Es gäbe konkrete Hinweise, heißt es. Weitere Zeugen sollen noch vernommen werden. Beide Vereine wollen heute entscheiden, ob sie Protest gegen das Urteil einlegen werden.