ASV Bergedorf 85

Sander Tannen: Das Ende einer Kult-Spielstätte

So eine Zuschauerkulisse wird es an den Sander Tannen wahrscheinlich nie wieder geben: Am 4. Juli 2018 sahen 3500 Fußballfans den Auftritt des Hamburger SV gegen die TuS Dassendorf.

So eine Zuschauerkulisse wird es an den Sander Tannen wahrscheinlich nie wieder geben: Am 4. Juli 2018 sahen 3500 Fußballfans den Auftritt des Hamburger SV gegen die TuS Dassendorf.

Foto: Hanno bode

Bergedorf. Noch einmal spielen die „Elstern“ im alten Stadion Sander Tannen. Nach dem Umbau sind die Tribünen weg. Bergedorf 85 ist entsetzt

Bergedorf. Mit Trauerflor wollen die Fußballer des ASV Bergedorf 85 am Sonntag zur Bezirksligapartie gegen den SC Vier- und Marschlande antreten (14 Uhr, Krusestraße). Die „Elstern“ protestieren damit gegen die einen Tag später beginnenden Umbaumaßnahmen an ihrer traditionsreichen Spielstätte Sander Tannen.

Danach wird es das Stadion in der jetzigen Form nicht mehr geben. Spiele wie noch im Juli 2018, als die TuS Dassendorf vor 3500 Zuschauern gegen den HSV antrat, wären nicht mehr möglich. Denn eine Sanierung der beiden maroden Stehtraversen ist nicht mehr vorgesehen. Sie sollen einfach mit Sand verfüllt werden, sodass dann zwei Wälle entstehen.

Anschließend soll Gras darüber wachsen. „Hier haben Bayern München und Bayer Leverkusen gespielt. Und die machen die Kultstätte Sander Tannen einfach platt“, ist Jörg Franke, der Sportliche Leiter des ASV Bergedorf, entsetzt.

Nur noch Platz für 200 Zuschauer

Doch noch wollen die „Elstern“ das nicht akzeptieren. „Laut Auskunft des Bauleiters bleibt an beiden Seiten nur ein 50 Zentimeter breiter Streifen, auf dem insgesamt nur noch 150 bis 200 Zuschauer Platz hätten“, schimpft der langjährige ASV-Vorsitzende Klaus Hinz. Der Vereinsvorstand hat bereits ein Protestschreiben an das Bezirksamt Bergedorf verfasst.

Zumal die Bergedorfer von offizieller Seite gar nicht über die exakten Maßnahmen informiert wurden. Erst eine E-Mail, in der der Verein ziemlich barsch aufgefordert wurde, binnen drei Wochen die Flutlicht- und Lautsprechermasten zu demontieren sowie sämtliche technischen Anlagen vom Strom zu nehmen, anderenfalls würde es kostenpflichtig vom Bezirk erledigt, brachte den Stein ins Rollen.

„Abgesehen davon, dass ein ehrenamtlich geführter Verein das in drei Wochen gar nicht schaffen kann“, klagt Hinz, „ist erst am vergangenen Donnerstag bei einer Ortsbesichtigung festgestellt worden, dass wir das abbauen müssen. Am Freitagabend schreibt uns der Mitarbeiter, die Nachricht und geht anschließend genau für drei Wochen in Urlaub. Warum hat man uns denn zum Ortstermin nicht eingeladen?“

Verein wurde nicht informiert

Hinz, den die Mail am Montag erreichte und der sich daraufhin am Dienstag mit dem Bauleiter traf, erfuhr erst von diesem von den neuen Plänen ohne Tribüne. Zuvor war er davon ausgegangen, dass die Stehplätze zwischen dem Rasen und den zwei Kunstrasenplätzen erhalten blieben.

Und Jörg Franke ergänzt aufgebracht: „Seit Monaten haben wir nichts gehört. Und jetzt heißt es, dass wir es sicher fristgerecht umsetzen würden, weil die Aufwertung der Sportanlage ja auch uns zugute käme. Das ist der größte Hohn. Welche Aufwertung?“, fragt Franke.

Bislang hatte das Bezirksamt verlauten lassen, dass etwa 500.000 Euro, davon etwa die Hälfte aus dem RISE-Fördertopf für Stadtentwicklung, an den Sander Tannen eingesetzt werden sollen. Dafür sollte neben der Traversen-Sanierung eine Seite der Laufbahn von Grand in Kunststoff umgebaut werden. Hinter einem Tor entstehen zudem neue Leichtathletik-Anlagen, hinter dem anderen ein Rasen-Trainingsplatz mit fünf mal zwei Meter Toren.

Beim Bergedorfer Bezirksamt und dem Bezirklichen Sportstättenbau Hamburg-Mitte, das die Umbauten durchführt, war gestern niemand zu erreichen, der zu der geänderten Maßnahme detailliert Kenntnis hatte. Bergedorfs Bezirksamtsleiter Arne Dornquast stellte fest: „Wir wollen ein bessere Nutzung für den Vereinssport ermöglichen und kein DFB-Pokal-taugliches Stadion. Den Traditionsstandort zu beschädigen war aber nicht das Ziel. Wir haben offenbar tiefsitzende Gefühle verletzt, das war von niemanden die Absicht.“