Angela Kisiel

Mit geliehenem Schläger zum Hamburger Meistertitel

Tennis-Talent Angela Kisiel (TC BW Lohbrügge) mit ihrem Trainer Philipp Eisenhardt.

Tennis-Talent Angela Kisiel (TC BW Lohbrügge) mit ihrem Trainer Philipp Eisenhardt.

Foto: Philipp Eisenhardt / TC Blau-Weiß Lohbrügge

Lohbrügge. Angela Kisiel (13) vom TC Blau-Weiß Lohbrügge gehört zu den größten Talenten im Hamburger Tennissport. Jetzt bewies sie Nervenstärke.

Lohbrügge. Seit zwei Stunden schlagen sich Angela Kisiel (TC Blau-Weiß Lohbrügge) und Elena Thiel (SC Victoria ) im Finale der Hamburger Jugendmeisterschaften im Tennis der Altersklasse U14 bereits die Bälle um die Ohren. Jetzt ist die Spannung beim Stand von 8:8 im Matchtiebreak auf dem Siedepunkt. Die Vergabe des Meistertitels wird auf der malerischen Anlage des Marienthaler THC nur noch eine Frage weniger Ballwechsel sein.

Viel spricht allerdings nicht für die 13-jährige Lohbrüggerin Angela Kisiel, die vor zwei Jahren aus Polen nach Deutschland kam und nun in Neuallermöhe lebt. Denn sie hat eine Pechsträhne. Schon im dramatischen Halbfinale ist eine Saite an einem ihrer beiden Schläger gerissen. Trotzdem setzte sich die an Position vier gesetzte Angela in einem Dreisatz-Krimi mit 6:3, 5:7 10:6 gegen die an zwei gesetzte Louisa Schmidt vom Hamburger Polo Club durch, gegen die sie zuvor stets verloren hatte.

Zweimal hintereinander riss eine Saite

Nun also das Finale, und das begann nicht gut für die Schülerin der Gretel-Bergmann-Schule. Mit 5:7 gab sie den ersten Durchgang ab. Dann sagte es erneut „Pling“, und auch an ihrem zweiten Schläger war eine Saite gerissen. Angela musste mit einem völlig fremden Racket weiterspielen, das ihr Trainer Philipp Eisenhardt vorsorglich bereitgelegt hatte. Ein gewichtiger Nachteil. Denn der Schläger ist für viele ambitionierte Spieler wie ein verlängerter Arm. „Mein Racket erkenne ich blind“, hatte beispielsweise Boris Becker früher oft behauptet und war gern auch den Beweis angetreten.

Das Talent aus Lohbrügge bleibt von dem neuerlichen Missgeschick jedoch völlig unbeeindruckt. Mit 6:2 gewinnt Angela mit dem geliehenen Schläger den zweiten Durchgang. Erneut also ein Matchtiebreak. Zweifellos ein Vorteil für sie, denn die Lohbrüggerin ist für ihre 13 Jahre körperlich schon sehr weit entwickelt. „Sie ist schon fast 1,70 Meter groß, was im Tennis natürlich günstig ist“, sagt Eisenhardt, „sie ist sehr dünn, unfassbar drahtig und athletisch, und sie spielt schon schneller als die Herren in unserem Verein.“

Matchball abgewehrt und gewonnen

Doch ihre Gegnerin, die an drei gesetzte Elena Thiel, ist nervenstark, holt sich den Punkt zum 9:8. Matchball! Was würden Angela und ihr Leih-Schläger jetzt noch dagegen setzen können? Eine ganze Menge! Die Lohbrüggerin gleicht zum 9:9 aus, gewinnt auch die folgenden beiden Punkte und setzt sich schließlich mit 5:7, 6:2 11:9 durch. Was für ein Krimi!

Es ist der erste Hamburger Meistertitel für die gebürtige Polin und einer der Marke „besonders wertvoll“ noch dazu. „Früher hat Angela enge Matches oft verloren. Jetzt gewinnt sie diese. Sie hat hier eindeutig einen Sprung in ihrer Entwicklung gemacht“, analysiert Eisenhardt. Doch Trainerstunden sind teuer. Mit gerade mal vier Stunden, verteilt auf drei Einheiten pro Woche, trainiert Angela deutlich weniger als die meisten ihrer Konkurrentinnen. „Vielleicht rutscht sie nach dem Sieg jetzt in das Hamburger Kadertraining“, hofft Eisenhardt, dass es vielleicht künftig von Seiten des Hamburger Tennis-Verbandes Unterstützung gibt. Dass sein Schützling in Zukunft das Zeug zum Profi hätte, davon ist der Trainer überzeugt.

Doch zunächst einmal wird sie sich bei kleineren Turnieren weiter zeigen müssen. Bei den Bergedorfer Jugend-Meisterschaften (29. bis 31. August bei der TSG Bergedorf, Am Petersilienberg, Wentorf) wird sie voraussichtlich in der U18-Konkurrenz antreten und sich dann eine Woche darauf bei den Bergedorfer Titelkämpfen der Erwachsenen mit den besten Damen der Region messen (5. bis 8. September bei der TG Elbe-Bille, Reitbrooker Hinterdeich 216). Ein heißer Tennis-Spätsommer steht bevor!