Erklärt

Neue Regeln im Fußball: Unparteiische sind nicht mehr „Luft“

Auf diesem Archivbild vom Dezember 2018 berührt Bremens Sebastian Langkamp den Ball im Duell mit Leipzigs Yussuf Poulsen mit der Hand.

Auf diesem Archivbild vom Dezember 2018 berührt Bremens Sebastian Langkamp den Ball im Duell mit Leipzigs Yussuf Poulsen mit der Hand.

Foto: Jan Woitas / dpa

Bergedorf. Die Fußballer müssen sich an neue Regeln gewöhnen, vor allem beim Handspiel. Doch was bedeutet das für Amateurfußballer?

Bergedorf. Szenen wie die auf unserem Bild sowie die anhaltende Kritik am Videobeweis in der Bundesliga hatten den Anlass dazu gegeben. Doch was bedeutet das für Amateur-Fußballer, bei deren Spielen es keinen Videobeweis gibt und auch keine Möglichkeit, sich eine Szene noch einmal anzuschauen? Der Hamburger Fußball-Verband hatte einige Sportjournalisten, darunter den Autor, eingeladen, sich die Regeländerungen erläutern zu lassen. Christian Soltow, Vorsitzender des Verbands-Schiedsrichterausschusses, und Sven Ehlert, Schiedsrichter-Lehrwart im HFV und ehemaliger Oberliga-Referee, standen Rede und Antwort.

Das Handspiel

„Die Neureglung des Handspiels ist nicht revolutionär, aber sie schafft mehr Klarheit, wann ein strafbares Handspiel vorliegt und wann nicht“, ist Ehlert überzeugt. Eine Vereinfachung: Immer, wenn der Ball die Hand des Abwehrspielers über Schulterhöhe im Strafraum berührt, gehen die Spielleiter von einem strafbaren Handspiel aus. Aber: Das Abstützen mit den Armen bei einer Grätsche geht in Ordnung, selbst wenn der Ball dagegen springen sollte. Kein Elfmeter soll künftig auch verhängt werden, wenn sich der Abwehrspieler den Ball selbst an die Hand schießt.

Grundsätzlich strafbar und deshalb stets abgepfiffen wird ein Handspiel, wenn daraus ein Tor erzielt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Handspiel absichtlich war oder nicht. Dieses gilt, sollte der Spieler direkt oder unmittelbar vor dem Torerfolg mit der Hand den Ball berühren und sich auf diese Weise einen klaren Vorteil verschaffen. Doch was ist „unmittelbar“? Das wird die Praxis zeigen müssen. „Es ist und bleibt das am heißesten diskutierte Thema. Ob sich etwas ändert, weiß ich nicht“, sagt Sven Ehlert.

Strafen für Trainer/Offizielle

Ermahnt, verwarnt oder ausgeschlossen wurden Trainer und Funktionäre schon vorher. Nun geschieht dies mit Signalkarten. „Dies dient dazu, die Strafen auch nach außen zu dokumentieren“, erläutert Ehlert. Das gilt im übrigen für jeden, der auf dem offiziellen Spielbericht steht. Altengammes Sportlicher Leiter Philipp Mohr durfte vor einer Woche beim Spiel in Oststeinbek mit der neuen Praxis schon Bekanntschaft machen, als er wegen seiner Kritik am Referee Gelb-Rot sah.

Den Coaches kommt eine besondere Rolle zu: „Lässt es sich nicht klären, wer sich unsportlich verhalten hat, dann steht der Trainer in der Verantwortung“, führt Ehlert aus. Dabei bedeuten Gelb-Rot oder glatt Rot nicht automatisch eine Sperre, das Strafmaß bleibt Angelegenheit des Sportgerichts. Aktuell diskutiert der DFB noch über eine Sperre von Offiziellen nach der vierten Gelben Karte.

Referee ist nicht mehr „Luft“

Aus einer Berührung des Balls durch den Unparteiischen soll kein Vorteil für ein Team entstehen. Der Ball ist also künftig „aus dem Spiel“, wenn durch die Einwirkung des Schiedsrichters ein aussichtsreicher Angriff gestartet wird, direkt ein Tor fällt oder der Ballbesitz wechselt. Die Szene ist dann abzupfeifen. „Solche Situationen zu verursachen“, weiß Ehlert, „will kein Schiri, das ist immer blöd.“

Schnelleres Auswechseln

Um Zeitspiel zu unterbinden, muss ein Spieler bei seiner Auswechslung die nächstgelegene Begrenzungslinie nutzen und nicht erst zur Mittellinie laufen. Sonst gibt es Gelb. Der Schiedsrichter kann aber Ausnahmen machen, etwa wenn das Verlassen des Platzes zu gefährlich sein sollte. „Es wäre ja zum Beispiel wenig ratsam, wenn Schalkes Hattrick-Schütze vor der Dortmunder Fan-Kurve rausgehen muss“, scherzt Sven Ehlert.

Anstoß

Wer den Münzwurf gewinnt, darf künftig entscheiden, ob er den Anstoß haben oder sich für eine Seite entscheiden möchte.

Abstoß

In Zukunft muss der Ball nicht mehr aus dem Strafraum heraus gespielt werden, bevor ein Spieler der aufbauenden Mannschaft das Spielgerät berühren darf. Damit soll dem intensiv werdenden Pressing entgegengewirkt werden. Die gegnerische Elf darf den Strafraum erst betreten, wenn der Ball gespielt wurde.

Schiedsrichterball

Nach einer Spielunterbrechung erfolgt der Schiedsrichterball grundsätzlich mit einem Spieler der Mannschaft, die zuletzt im Ballbesitz war, im Strafraum mit dem Torwart. Spieler der gegnerischen Mannschaft müssen vier Meter Abstand halten. So sollen Zweikämpfe vermieden und der Vorteil des Ballbesitzes erhalten werden.