0:3 gegen Dresden

TuS Dassendorf im DFB-Pokal: Einmal Zwickau und zurück

Klein, aber fein: die Dassendorfer Kolonie in der Zwickauer GGZ Arena.

Klein, aber fein: die Dassendorfer Kolonie in der Zwickauer GGZ Arena.

Foto: Hanno Bode / BGZ/Hanno Bode

Dassendorf. Bei der 0:3-Niederlage der TuS Dassendorf gegen Dynamo Dresden im DFB-Pokal herrschte Gänsehaut-Atmosphäre pur.

Zwickau. Der Himmel über Zwickau ist am Sonnabendmittag wolkenverhangen. Sein Grau gleicht dem der Häuserfassaden rund um den Hauptbahnhof, an dem ich nun nach über fünfstündiger Bahnfahrt aus Hamburg angekommen bin. Mit dem Bus und der Straßenbahn möchte ich weiter zum Stadion des ortsansässigen Drittligisten FSV fahren. Ein paar Dynamo-Fans haben denselben Plan. Wir warten gemeinsam an der Haltestelle. Warten und warten. Nichts passiert.

Ein Blick auf den Fahrplan verrät schließlich, dass die Linie 10 am Wochenende selten fährt. Sehr selten. Also beschließe ich, mir eine Droschke zu gönnen. „Einmal zum Stadion bitte“, sage ich. „Was? Wer spielt denn heute?“, antwortet der Taxifahrer verwundert. Er hat keine Ahnung, dass heute die TuS Dassendorf in der westsächsischen Stadt ihre Erstrundenpartie im DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden austrägt. Denn das konnte man in Zwickau vorher nur aus der Zeitung oder aus anderen Medien erfahren. Ein Spielankündigungsplakat ist auf dem ganzen Weg in die Arena nicht zu sehen.

Straßen sind wie leergefegt

Nach rund zehnminütiger Fahrt durch eine architektonisch in meinen Augen nicht sehr attraktive Stadt, deren Straßen zu diesem Zeitpunkt nahezu leergefegt sind, biegen wir in die Stadionallee ab. Auf eine grüne Wiese, mitten im Nichts, wurde hier ab 2015 eine moderne Arena gebaut. „Das Stadion ist überragend“, schwärmt Jörg Willhöft, der Zweite Vorsitzende der TuS, bei einer gemeinsamen Zigarette eine Stunde vor Spielbeginn von dem Schmuckkästchen. Insgesamt 70.000 Euro musste der Hamburger Oberligist an die Stadion-Betriebs GmbH sowie die für den Ordnungsdienst zuständige Firma „vorschießen“ (Willhöft), um die Zusage für die Austragung des Begegnung zu bekommen. Das ist wahnsinnig viel Geld für einen Amateurclub, der das Geld für die Qualifikation für den DFB-Pokal erst viele Wochen nach der Partie erhält. Doch diesmal war der Verband generös. „Ich habe beim DFB angerufen. Und wir haben dann binnen zwei Tagen 50.000 Euro von ihm überwiesen bekommen“, erzählt Willhöft.

Um Punkt 14 Uhr fährt die Mannschaft in einem großen schwarzen Reisebus mit verdunkelten Scheiben vor dem Stadion vor. Sie war bereits am Vortag nach achteinhalb Stunden Fahrt aus Dassendorf in Zwickau angekommen und hatte dort in einem Hotel übernachtet. Kapitän Amando Aust und Keeper Christian Gruhne kamen gemeinsam im Auto nach. Sie waren am Freitagnachmittag noch auf der Hochzeit des früheren TuS-Kapitäns Adam Hamdan. Dass das Duo erst um 1.45 Uhr nachts statt, wie abgesprochen, gegen 21 Uhr in der Teamherberge eintraf, erzürnte Sportchef Jan Schönteich.

90 Minuten lang Fangesänge

Die dicke Luft zwischen Funktionär und Spielern hat sich aber spätestens mit der Ankunft am Stadion aufgelöst. Alle Dassendorfer saugen die tolle Atmosphäre nun auf. Auch die rund 250 mitgereisten eigenen Fans – darunter das frühere Trainer-Duo Peter Martens/Thomas Hoffmann – sind bester Stimmung. Das gründet nicht nur auf der tollen Leistung ihres Teams, sondern auch der überragenden, 90 Minuten lang andauernden Gesänge der Gäste-Anhänger. „Ich überlege, ob ich die Mitgliedschaft von Dynamo Dresden beantrage“, sagt der leidenschaftliche Bayern-München-Fan Schönteich.

Dann ist ein großer Fußball-Nachmittag vorbei. Während das TuS-Team eineinhalb Stunden nach dem Abpfiff im Bus die Rückreise antritt, geht’s für mich per Bahn zurück. Ich bin etwas zu früh am Bahnhof und würde mir gerne einen Snack und ein Feierabend-Bier gönnen. Doch der einzige Bahnhofs-Kiosk hat um 19 Uhr bereits geschlossen. Und die Getränkeautomaten sind allesamt leer. Also steige ich mit knurrenden Magen und Durst in die S-Bahn Richtung Leipzig, in der ich ganz allein in einem Waggon sitze. Zwickau war trotzdem eine Reise wert.