Große Saisonvorschau

Landesliga-Meister wird nur der VfL Lohbrügge

So wie hier im Finale beim Turnier des SC Condor wollen die Spieler des VfL Lohbrügge auch am Saisonende über die Meisterschaft jubeln.

So wie hier im Finale beim Turnier des SC Condor wollen die Spieler des VfL Lohbrügge auch am Saisonende über die Meisterschaft jubeln.

Foto: Hanno Bode / BGZ/Hanno Bode

Bergedorf. Es gibt in diesem Jahr nur einen Titelfavoriten in der Landesliga. OSV-Trainer Simon Gottschling traut seinem Team dennoch alles zu.

Bergedorf. Wenn sich ein Trainer insgeheim eine Niederlage oder zumindest einen sehr schlechten Auftritt seines Teams wünscht, dann hat er mit seiner Mannschaft abgeschlossen und wartet auf seine Entlassung. Oder er sieht in einer solchen Pleite einen nötigen Wachrüttler, um die Sinne seines Personals zu schärfen. Letzteres war bei Sven Schneppel der Fall. „Es wäre vielleicht ganz gut, wenn wir mal einen Rückschlag erleiden. Dann wäre sichergestellt, dass bei allen die Antennen ausgefahren werden“, erklärte der Coach des VfL Lohbrügge. Doch seine Landesliga-Fußballer taten ihm diesen Gefallen nicht.

Das durch zehn überwiegend höherklassig erfahrene Zugänge verstärkte Team gewann alle Testspiele und untermauerte insbesondere mit dem Sieg beim hochkarätig besetzten Turnier des SC Condor seine Meisterschaftsambitionen. „Wir hatten schon im Vorjahr eine Top-Mannschaft. Mit den Leuten, die jetzt dazugekommen sind, musst du das Ziel Aufstieg im Auge haben“, sagt der Sportliche Leiter Mato Mitrovic. Der erste Gegner des „Star-Ensembles“ auf dem Weg zur anvisierten Meisterschaft ist am Sonntag auswärts Aufsteiger ASV Hamburg (15 Uhr, Snitgerreihe).

Der ärgste Konkurrent im Titelkampf für Lohbrügge müsste von der Papierform her der aus der Hammonia- in die Hansa-Staffel gewechselte FC Türkiye sein. Die Wilhelmsburger verfügen ebenfalls über eine große Anzahl von exzellenten Individualisten. Allerdings war der Umbruch an der Landesgrenze groß und in Jörn Großkopf (kam vom Oberliga-Absteiger HEBC) gibt es zudem einen neuen Trainer. Beinahe einen kompletten personellen Neuaufbau hat der SC Condor nach dem Abstieg in Angriff nehmen müssen. Lediglich zwei Akteure aus dem Kader der Vorsaison hielten den Farmsenern die Treue. Für ganz oben wird es für die „Raubvögel“ in dieser Serie wohl noch nicht reichen.

Schon eher ein Kandidat für die ersten Plätze ist der FC Voran Ohe um den vormaligen Condor-Keeper Stanislaw Lenz. Die Stormarner haben mit Ausnahme von Torwart Michel Thomä (SV Eichede) keinen Stammspieler abgeben müssen. Bereits in der vergangenen Spielzeit war das „Weiße Ballett“ lange in Schlagdistanz zum Spitzenfeld, bevor ihm am Ende die Puste ausging. Dementsprechend legte Coach Rainer Seibert in der Vorbereitung besonderen Wert auf das Ausdauertraining. „Wir peilen einen Platz im oberen Mittelfeld an“, sagt der 55-Jährige, der in dem jungen Angreifer Phil Krieter einen der spannendsten Spieler der Landesliga in seinem Aufgebot hat. Zum Auftakt empfängt Ohe zu ungewohnter Anstoßzeit am Sonntag Dersimspor (18 Uhr, Amselstieg).

Seiberts Sohn René tritt drei Stunden zuvor mit dem SV Nettelnburg/Allermöhe beim Aufsteiger Oststeinbeker SV an (Meessen). Der in der Vergangenheit immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfene Mittelfeldmann spielt in den Planungen seines Coaches Daniel Andrade eine entscheidende Rolle. Er soll die vielen neu hinzugekommenen jungen Kicker auf dem Platz führen. Selbige werden im Saisonverlauf erfahrungsgemäß Leistungsschwankungen unterworfen sein. Aber in der Vorbereitung deuteten sie bereits an, über welch großes Potenzial sie verfügen. Insbesondere Verteidiger Noah Pawlikowski ist für seine erst 17 Jahre schon extrem weit. Er könnte zu einer der positiven Überraschungen der Saison werden. Das würde auch auf den SVNA zutreffen, wenn er Rang vier aus der vergangenen Runde bestätigen könnte.

Schon eher eine Rolle im Verfolgerfeld zuzutrauen ist dem OSV. Der Aufsteiger verfügt über eine ganze Reihe von landesliga-erfahrenen Spielern, die unter der harten Hand von Coach Simon Gottschling am Meessen wieder zur Form vergangener Tage gefunden haben. „Ich traue dieser Mannschaft alles zu“, sagt der Trainer, stellt aber zugleich klar: „Der Klassenerhalt hat natürlich erst einmal Priorität.“

Selbiges trifft immer auch auf den SV Altengamme zu, der sich ohne nennenswerte finanzielle Mittel in der zweithöchsten Hamburger Liga etabliert hat. Da keine Stammkraft ging, will Trainer Jan Krey Rang sechs aus der Vorsaison gerne wiederholen: „Wir können ja jetzt schlecht sagen, dass wir nun Siebter werden wollen.“ Zum Saisonauftakt geht es für den SVA zu Condor (Sonntag, 11.30 Uhr, Berner Heerweg). Ein einstelliger Tabellenplatz ist auch der Wunsch von Trainer Dennis Tornieporth vom Düneberger SV. Die Vorzeichen dafür stehen trotz des kurzfristigen Abgangs von Routinier Nasser El Osman gut.

Die Geesthachter haben ihren Kader im Rahmen ihrer begrenzten finanziellen Möglichkeiten sehr gut verstärkt. Insbesondere Youngster Lasse Voigt (kam aus Eichedes A-Jugend) hinterließ in der Vorbereitung einen prächtigen Eindruck. „Die Staffel ist stärker geworden. Aber ich glaube, das sind wir auch“, sagt Ligaobmann Andreas Kreutzer. Anders als in der Vorsaison müsste dem DSV, der am Sonnabend Türkiye empfängt (15 Uhr, Silberberg), ein nervenaufreibender Kampf um den Klassenerhalt diesmal erspart bleiben.

Abstiegskandidat Nummer eins dürfte Dersimspor sein. Der kurdische Club geht mit einen komplett neu formierten Aufgebot in die Serie. Der TuS Berne hat gleich fünf Leistungsträger abgeben müssen, darunter Kapitän Jonathan Zinn. Ersetzt wurden sie durch Akteure von unterklassigen Clubs. Auch Aufsteiger FTSV Altenwerder sowie der SV Bergstedt sind im Tabellenkeller zu erwarten. Fast-Absteiger Rahlstedter SC scheint mit dem neuen Trainer Mohet Wadhwa (zuvor ASV Hamburg) eine ruhige Saison bevorzustehen. Um nicht mehr als die „Goldene Ananas“ werden vermutlich auch Vorwärts-Wacker, Kosova und der ASV kämpfen.