Leichtathletik

Benita Kappert – Wentorfs Überfliegerin im Weitsprung

Benita Kappert (SC Wentorf) mit ihrem Trainer Michael Arndt.

Benita Kappert (SC Wentorf) mit ihrem Trainer Michael Arndt.

Foto: Volker Gast

Wentorf. Am 26. und 27. Juli startet Leichtathletik-Talent Benita Kappert (SC Wentorf) bei den deutschen Jugend-Meisterschaften in Ulm.

Wentorf.  Wenn die 17-jährige Benita Kappert sich kraftvoll abstößt, die Tartanbahn mit schnellen Schritten herunter stürmt und mit einem mächtigen Satz abhebt, dann gibt es mitten im Sprung immer diesen einen Moment, wo es so scheint, als würde ihr Flug niemals enden. In ihrem Gesicht spiegelt sich Entschlossenheit, die Hände sind verkrampft wie die Krallen einer Raubkatze, der Körper sich hat mit der ihr eigenen Geschmeidigkeit in der Luft in ein perfektes Gleichgewicht hineingefunden. Nur den Bruchteil einer Sekunde währt das, dann gewinnt die Schwerkraft, und die Gesetze der Physik fordern ihr Recht ein. Nach der Landung im Sand, die mitunter etwas rustikal ausfällt, trägt Kappert dann schon wieder ihren stoischen Gesichtsausdruck, mit dem sie ihre Wettkämpfe begleitet. Das Aufflackern von Anspannung und Entschlossenheit scheint eine Ewigkeit her zu sein.

Mit dem letzten Sprung zum Titelgewinn

Diese innere Gelassenheit ist seit jeher die große Stärke der Athletin vom SC Wentorf. Zum Beispiel vor zwei Jahren bei den deutschen U16-Meisterschaften im Stadion Obervieland in Bremen: Bis dicht an die Anlaufbahn und die Weitsprunggrube heran standen die Zuschauer. Doch die damals 15-jährige Wentorferin ließ sich nicht irritieren, führte den Wettbewerb nach fünf Durchgängen mit 5,60 Metern an. Dann haute Anika Nießen von der Halstenbeker Turnerschaft im letzten Durchgang mächtig einen raus – 5,61 Meter. Und klatschte sich unter dem Applaus des Publikums mit ihrem Anhang ab. Doch Kappert konterte kühl: 5,65 Meter. Der Titel! Mit stoischem Gesichtsausdruck stapfte sie davon, als wäre gar nichts geschehen.

„So eine Athletin hatte ich noch nie“

„So eine Athletin hatte ich noch nie“, sagt ihr Trainer Michael Arndt stolz. Es lässt sich ergänzen: Von der Ahrensburgerin Nadja Käther (deutsche U23-Meisterin 2010) mal abgesehen, gab es in der ganzen Region noch nie eine Athletin mit einem so überbordenden Talent für Weitsprung. Und Käther, die bei Europa- und Weltmeisterschaften das deutsche Trikot trug, war in so jungen Jahren noch nicht so gut, wie es Kappert bereits ist.

Eine Überfliegerin also. Doch für die Zukunft muss das nicht unbedingt viel heißen. Arndt weiß das und bemüht sich, Druck von ihr fern zu halten. Vor allem den, den sie sich selbst macht. „Nach den Sommerferien komme ich am Gymnasium Wentorf in die zwölfte Klasse. Dann ist es noch ein Jahr bis zum Abitur“, blickt Kappert voraus, „wir müssen sehen, wie sich das auf den Sport auswirkt.“

Weitspringer trainieren Weitsprung – manchmal

Es ist ein lauer Sommerabend in Wentorf. Arndt hat zum Stützpunkt-Training gebeten, das er regelmäßig anbietet. Zwei Stunden dauert die Einheit, die Kappert gemeinsam mit Trainingskameradin Lena Grollmuß (LG Oberelbe) bestreitet. Die Krux beim Weitsprung ist, dass die Sportlerinnen nur selten so richtig aus sich herausgehen können. „Würde ich sie nur volle Sprünge trainieren lassen, dann könnten sie vielleicht sechs bis acht Stück machen, mehr schafft der Körper nicht“, erläutert Arndt, „dabei sehe ich nicht genug.“

Weitsprung-Training ist daher sehr vielseitig: Koordinationsübungen, viele kleine Sprünge, um die Muskulatur vorzubereiten, dann Läufe über in bestimmten Abständen stehende Hütchen, um die Schrittlänge beim Anlauf zu optimieren. Es ist ein beständiges Feilen an einer endlosen Zahl an Kleinigkeiten: Wie wird der Fuß aufgesetzt? Wie passt der Anlauf? Wie die Flugphase? Die Landung? Das Schwierigste: Die Springerinnen dürfen beim Absprung nicht den Kopf senken, um zu kontrollieren, wie sie das Brett treffen, denn das kostet richtig viel Weite.

Perfektionismus als Erfolgsrezept

Mindestens ebenso wichtig wie die Koordination ist die Geschwindigkeit. Arndt bittet zum Sprinttraining. Da einige Betonelemente der nahen Baustelle den Anfangsbereich der Tartanbahn blockieren, will er den Start mitten auf die Bahn verlegen. Doch Benita Kappert geht zielstrebig auf der einzigen Bahn, auf der nichts liegt, zur Startlinie und rast bei ihren Sprints an den Betonteilen vorbei. Eine Startlinie ist eben eine Startlinie! „Typisch Benny“, grinst Arndt, „sie muss immer die ganze Bahn vor sich haben. Sie ist jemand, der immer nach Perfektionismus strebt.“ „Natürlich bin ich eine Perfektionistin“, sagt die 17-Jährige, „ich glaube, dass das ein Vorteil ist. Wenn ich ein klares Bild von einer Sache im Kopf habe, dann muss sie auch ganz genauso sein.“

So wie damals, als sie in Bremen zum Titel sprang. Bei den deutschen U18-Meisterschaften vom 26. bis 27. Juli in Ulm wird sie nun eine ganze Reihe der Konkurrentinnen von damals wiedersehen. Sie wird dafür bereit sein.