TSG-400-Meter-Talente

Palm und Wischendorf – Der Grübler und der Selbstbewusste

Alexander Palm beim Zielsprint in der Hamburger Jahnkampfbahn.

Alexander Palm beim Zielsprint in der Hamburger Jahnkampfbahn.

Foto: Olaf Damm / Damm Pictures

Bergedorf. Mit Alexander Palm und Maximilian Wischendorf haben sich zwei 400-Meter-Talente der TSG Bergedorf für die Jugend-DM qualifiziert.

Bergedorf.  Mit Benita Kappert (SC Wentorf), Ole Grot, Mika Sosna, Maximilian Wischendorf, Alexander Palm (alle TSG Bergedorf) sowie Tim Rummelhagen (LG Reinbek-Ohe) hat sich eine ganze Reihe von Athleten aus dem Heimatgebiet für die deutschen Jugend-Meisterschaften in der Leichtathletik in Ulm (26. bis 27. Juli) qualifiziert. Wir stellen sie in der Serie „New Kids on the Block“ näher vor. Heute geht es um zwei 400-Meter-Talente der TSG Bergedorf: Alexander Palm und Maximilian Wischendorf.

Eine Mischung wäre der perfekte Athlet

Könnte man die beiden mischen, ein fast perfekter 400-Meter-Läufer wäre das Ergebnis. Der 17-jährige Bergedorfer Alexander Palm stürmt häufig los wie die Feuerwehr. Das geht dann gut, so weit die Kräfte reichen. Auf den letzten Metern jedoch kann es schon mal eng werden. Bei Maximilian Wischendorf ist es das ganze Gegenteil. „Der Start ist meine Schwäche“, gibt der 18-jährige Lohbrügger zu. In der Regel kommt er nur schwer in Gang, doch die letzten 150 Meter sind seine Domäne. Hier mobilisiert Wischendorf oft ungeahnte Reserven.

Auch von der mentalen Seite her würden beide zusammen wohl den perfekten Wettkämpfer ergeben. „Alexander ist einer, der ganz viel hinterfragt, der sein Training detailliert mit Video-Analysen ergründet“, verrät ihr Trainer Jürgen Krempin, „Max hingegen ist einer, der weiß, wo es langgeht. Der macht sich keinen Kopf.“

Punktlandung beim Lauf um die DM-Norm

Bei den Landesmeisterschaften in der Jahnkampfbahn kamen beide jüngst jeder auf seine Weise zum Erfolg. Palm hatte die Norm für die U18-DM (51,50 Sekunden) schon im vergangenen Jahr unterboten (50,71) und bestätigte das nach einer Verletzungspause mit einer Zeit von 51,07 Sekunden eindrucksvoll. Für Wischendorf hingegen ging es um Alles oder Nichts. 2018 hatte er das DM-Ticket um die Winzigkeit von acht Hundertstelsekunden verpasst. Dieses Mal musste es die härtere U20-Norm (50,20) sein. „Ich war ganz schön aufgeregt“, gibt er zu. Doch es wurde eine Punktlandung: In 50,14 Sekunden blieb er einen Wimpernschlag unter der geforderten Zeit – ausgleichende Gerechtigkeit. „Ich weiß, dass er das drauf hat, aber Max ist oft schwankend in seinen Leistungen“, war Krempin angenehm überrascht.

DM-Erfahrung mit der Staffel haben sie schon

Bei der U23-DM Mitte Juni in Wetzlar haben beide mit der Bergedorfer 4x400-Meter-Staffel bereits den sechsten Platz belegt. Während Wischendorf also nun seine DM-Premiere als Einzelstarter geben wird, ist es für Palm bereits das zweite Mal. Im vergangenen Jahr schaffte er es bei der U18-DM in Rostock ins B-Finale und wurde dort Letzter, belegte also insgesamt den 16. Platz. „Das B-Finale sollte auch dieses Mal wieder für ihn drin sein“, ist Krempin überzeugt.

Trainingsfleiß als Erfolgsrezept

Was beide TSG-Athleten eint, ist ihr enormer Trainingsfleiß. Viermal pro Woche pendeln sie in die Jahnkampfbahn am Hamburger Stadtpark und schwitzen für den Erfolg. „Manchmal muss ich die beiden bremsen“, schildert Krempin. Für den 61-Jährigen wird die Jugend-DM in Ulm der letzte Wettkampf als Trainer sein, bevor er an seinen langjährigen Schützling Sören Gnoss übergibt. Dass Palm und Wischendorf die Zukunft gehören könnte, davon ist Krempin überzeugt. „Ich halte beide für sehr begabt“, betont er, „aber es gibt auch viele Bereiche, in denen sie ihre Leistung noch optimieren können. Grundschnelligkeit, Kraftwerte, Beweglichkeit, das ist alles noch nicht optimal. Aber Sören als Unter-Elf-Sekunden-Läufer über 100 Meter kriegt das schon hin!“

Von der Faszination, an die Grenzen zu gehen

Wie schnell ein Sprinter jedoch auch zum Zuschauen verurteilt sein kann, musste Wischendorf im Winter erfahren, als er sich erst den einen, dann den anderen Oberschenkel verletzte. Doch er hat sich zurückgekämpft. Die Faszination der Viertelmeile ist immer noch da: „Dieses Gefühl, an deine Grenzen zu gehen und vielleicht darüber hinaus“, schwärmt er, „das ist etwas ganz Besonderes.“