Impressionen

Bei den Börnsener Dressurtagen den „Ferrari“ ausgebremst

Sarah Wilke kam auf „Scholar“ auf Platz sieben in der S***-Dressur.

Sarah Wilke kam auf „Scholar“ auf Platz sieben in der S***-Dressur.

Foto: Volker Koch / BGZ -Volker Koch

Börnsen. Drei Tage lang war der Reit- und Fahrverein Börnsen Gastgeber der Dressurtage – mit sportlich beeindruckenden Wettbewerben.

Börnsen. Wer wissen will, wie sich ein Pferd fühlt, braucht bei den Börnsener Dressurtagen nur die Toiletten aufzusuchen. Die sind in einem Anhänger beheimatet, und wenn jemand Gewichtiges zusteigt, schwankt das ganze Ding wie ein Pferdeanhänger auf der Autobahn. Dafür sind sie selbst am dritten Turniertag noch picobello sauber – Reiter sind halt einfach die besseren Menschen!

Ein kleines Malheur beim Galoppwechsel

Pferde haben keinen Ort, wo sie ihren Bedürfnissen nachgehen können. Die bahnen sich dann manchmal zur Unzeit ihren Weg. So wie beim Hannoveraner-Wallach „Scholar“. Der beginnt bei der schwierigen S***-Dressur Intermediaire II – dem Höhepunkt des gesamten Turnierwochenendes – ausgerechnet bei den fliegenden Galoppwechseln zu äppeln.

Darüber würden die Wertungsrichterinnen ja noch hinwegsehen, doch „Scholar“ erschrickt sich so sehr über seinen Fauxpas, dass er den letzten Galoppwechsel verpatzt. Daher bekommen er und Reiterin Sarah Wilke vom Reit- und Fahrverein (RFV) Bargteheide für diesen Abschnitt ihres Vortrags von jeder der drei Richterinnen nur vier Punkte – normal sind sieben. Wertvoller Boden ist verloren. Trotzdem reicht es am Ende zu Platz sieben.

Bereiterin – ein echter Knochenjob

Wilke ist ihrem vierbeinigen Sportpartner auch gar nicht gram. „Er hat das gut gemacht“, lobt sie, „,Scholar’ ist ein sehr neugieriges, aufmerksames Pferd, so ein richtiger Kumpeltyp, der immer alles für einen gibt.“ Außerdem hat die 24-Jährige damit fürs Erste ihren Chef abgehängt. Ants Bredemeier vom RFV Schwarzenbek ist Pferdewirtschaftsmeister in Hoisdorf, Wilke dort seine Bereiterin. „Das ist ein echter Knochenjob“, betont sie.

Zwei Jahre lang hat sie Pferdehaltung und -pflege gelernt, dann kam noch ein weiteres Jahr Ausbildung zur Bereiterin obendrauf. Für sie ist es die Erfüllung eines Mädchentraums. „Schon mit zwei Jahren habe ich voltigiert, mit sechs Jahren mein erstes Turnier geritten“, beschreibt sie ihre langjährige Leidenschaft.

Der Sportwagen und der Gemütliche

Bredemeier hat mit „Babalou“ und „Delgardo“ gleich zwei Pferde im Wettbewerb. „Vom Charakter her ist ,Babalou’ der Sportwagen, der Ferrari sozusagen, ,Delgardo’ hingegen der Gemütliche“, beschreibt er die beiden. Mit „Babalou“ musste Bredemeier gleich als Allererster ran. Keine glückliche Fügung, wie sich schnell herausstellte, denn die Reden der Honoratioren zogen sich etwas, während der „Sportwagen“ eine ungeduldige Runde ums Dressurviereck drehte. Doch welcher Ferrari schätzt es schon, wenn er ausgebremst wird?

Bereits bei der ersten Höchstschwierigkeit, der Piaffe, leistete sich „Babalou“ nervös einen deutlich sichtbaren Rhythmusfehler. Nur fünf Punkte pro Nase gab es von den gestrengen Damen für diesen Trab auf der Stelle. Eine zu schwere Bürde für den Rest des Vortrags – Platz zehn. „Ich wollte bei der Piaffe so schön was zeigen. Naja, es war wohl ein bisschen zu viel“, blieb Bredemeier gelassen.

Maren Bentes’ furioser Ritt zum Sieg

Mit seinem zweiten Pferd, dem gemütlichen „Delgardo“, erwischt er dann eine sehr viel bessere Runde und wird Fünfter – zwei Plätze vor Sarah Wilke. Hierarchie wiederhergestellt. „Es ist beim Dressurreiten eigentlich eher ein Miteinander als ein Gegeneinander“, stellt sie klar, „es ist wichtig, jemand Erfahrenes an der Seite stehen zu haben.“ Wilke ist im ersten Jahr in der Grand-Prix-Klasse unterwegs, der Creme de la Creme des Dressurreitens. „Ein bisschen muss man sich bei den Wertungsrichtern auch hochdienen.“

An der Besten konnte bei der S***-Dressur allerdings kein Zweifel bestehen. Maren Bentes vom RFV Wolfsburg legte auf „Royal Sid“ eine furiose Vorstellung hin, die ebenso kraftvoll wie geschmeidig – die Reiter sagen: „durchlässig“ – war. Mit 71,404 Prozent – alles über 70 ist grandios – bekam sie eine Traumwertung, und selbst Laien wie der Reporter konnten mühelos erkennen, dass das hochverdient war. Auf Platz zwei krönte Sven Dapper vom gastgebenden RFV Börnsen auf „Schufro Gold“ sein perfektes Wochenende, nachdem er zuvor schon die S**-Dressur gewonnen hatte. Auch er schaffte es knapp über die magische Marke: 70,088 Prozent.

Dass zudem mit Joanna Allmeling und Lennart Steindl zwei Börnsener Nachwuchstalente für die deutschen Jugend-Meisterschaften nominiert wurden, komplettierte das Glück der Veranstalter.