Elb-Cup in Geesthacht

Hart, härter, Wasserball! – Ein Blick unter die Oberfläche

Nils Hyoma (Sportteam Hamburg) macht sich groß, um den Wurf von Marius Kittel (Bietigheim) zu blocken.

Nils Hyoma (Sportteam Hamburg) macht sich groß, um den Wurf von Marius Kittel (Bietigheim) zu blocken.

Foto: Volker Koch / BGZ -Volker Koch

Geesthacht. Beim Wasserball-Turnier im Geesthachter Freibad lernten die Schaulustigen schnell: Das Entscheidende passiert unter Wasser.

Geesthacht.  Halb liegt Nils Johansen auf seinem Gegenspieler, halb zerrt er an ihm. Kopf an Kopf ringen sie im Wasser. Johansen, letzter Verteidiger von Sportteam Hamburg, und Julius Ulfers, Center der Manatees aus Bietigheim, schenken sich beim Turnier um den „Elb-Cup 2019“ im Geesthachter Freibad nichts. Sie sind schließlich Wasserballer. Und das gilt als eine der härtesten Mannschaftssportarten der Welt. „Wasserball ist 24 Minuten Vollgas“, sagt Nico Scharnagl, der Ehrenvorsitzende von Gastgeber Sportteam Hamburg.

Bodenkontakt ist verboten

Schon das ständige Hin- und Herschwimmen auf dem in der Regel 30 mal 20 Meter großen Spielfeld ist anstrengend genug. Dann müssen sich die Sportler beim Wurf möglichst hoch aus dem Wasser schrauben, und zwar ohne Bodenkontakt zu haben (Mindesttiefe 1,80 Meter). Dazu kommt der ständige Körperkontakt.

Es gibt zwar strenge Regeln, doch das meiste geschieht unbemerkt von den Blicken des am Beckenrand stehenden Schiedsrichters – unter Wasser. Dort wird gezogen und getreten, was das Zeug hält. „Als Schiri sieht man 20 Prozent. Der Rest ist Erfahrung“, weiß Tom Junge, der Wasserballwart von Sportteam.

Zwei Lagen Badekleidung sind Pflicht

Nicht ohne Grund sind Wasserballer und Wasserballerinnen verpflichtet, zwei Lagen Badebekleidung zu tragen. Bei dem Gezerre kann schon mal ein Textil reißen. Manch männlicher Spieler trägt obendrein einen Tiefschutz. „Aber in der Hamburg-Liga läuft es fair ab, sonst kriegt man einen mit“, betont Junge.

Die älteste olympischen Teamsportart (seit 1900 im Programm). fristet ein Nischendasein. In Hamburg gibt es nur rund 220 Aktive. Herren und Damen zusammen gerechnet. Acht Vereine, fünf Hamburger Clubs plus Winsen, Buxtehude und Elmshorn, spielen in zwei verschiedenen Ligen. Man kennt sich also. „Von den Randsportarten sind wir eine vom äußersten Rand“, weiß Nico Scharnagl.

Die ganze Liga spielt in einer Halle

Größtes Problem für die Wasserballer: Sie haben kaum Möglichkeiten, ihren Sport zu betreiben. In Hamburg sind Zeiten in den Bädern kaum zu bekommen. „Was sollen wir mit einer 25-Meter-Bahn?“, fragt Scharnagl und ergänzt: „Was das angeht, sind wir in einer Sport-Diaspora.“ Der Ligabetrieb steigt meist en bloc im Privatbad des SV Poseidon. Trainiert wird mal hier, mal da über ganz Hamburg verstreut. Dabei hat Sportteam Hamburg seinen Vereinssitz am Hohendeicher See.

Entsprechend dankbar sind sie, dass sie ihren Elb-Cup seit einigen Jahren im Geesthachter Freibad austragen können. Elf Herren- und sieben Damenmannschaften ermittelten an zwei Tagen die Sieger. Bei den Männern setzte sich Wiking Kiel durch, bei den Frauen der Harburger TB. Die Männerteams von Sportteam landeten auf den Plätzen drei und vier, die Frauen wurden Vierte.

„Die Alten haben uns richtig vermöbelt“

Björn Oestmann (44), der in Neuallermöhe aufgewachsen ist, spielt seit circa 30 Jahren Wasserball. Das Faible dafür haben er und sein Bruder Torben (41) vom Vater geerbt. Was seinen Sport angeht, gilt Björn Oestmann bei seinen Kollegen von Sportteam als Rüpel. Er selbst spricht von einem „kontaktfreudigen Sport“. Dabei spielt er nur für die „Zweite“, in der es weniger hart zur Sache geht.

Als er bei einem Spiel der „Ersten“ zuschaut, weiß er aber sofort, wie der Hase läuft. „Wenn ich sehe, wie die das Wasser spritzen lassen, möchte ich denen nicht hinterherschwimmen“, sagt er. Denn: Je mehr Wasser spritzt, desto mehr wird mit harten Bandagen gearbeitet.

Dabei geht es im Prinzip beim Elb-Cup in Geesthacht noch harmlos zur Sache. „Wir waren vor Jahren mal in Berlin und haben gegen die Alten von Spandau gespielt. Die haben uns richtig vermöbelt“, erinnert sich Björn Oestmann. Und wenn er das sagt, will das schon was heißen.

Erklärung: Spandau Berlin ist im Wasserball das, was Bayern München im Fußball ist.