DFB-Pokal

TuS Dassendorf: Alle Wege führen nach Zwickau

Bei der DFB-Pokal-Auslosung in Dassendorf: TuS-Jugendtrainer Michael Fronzek (M.).

Bei der DFB-Pokal-Auslosung in Dassendorf: TuS-Jugendtrainer Michael Fronzek (M.).

Foto: Hanno Bode / BGZ/Hanno Bode

Dassendorf. Viele Vereine haben abgewinkt, als die TuS für das DFB-Pokalspiel nachfragte. Nur Zwickau will Dynamo Dresden.

Dassendorf.  524 Kilometer liegen zwischen dem Sportplatz der TuS Dassendorf und dem Stadion in Zwickau. Und doch sieht es danach aus, als würde der Hamburger Pokalsieger sein Heimspiel in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Dynamo Dresden in der mit 90.000 Einwohnern viertgrößten Stadt Sachsens austragen.

Nicht alle im Verein sind mit dieser Wahl einverstanden. Doch den Verantwortlichen gehen die Alternativen aus. Das Stadion an den Sander Tannen in Bergedorf – Austragungsort des Pokalspiels gegen den MSV Duisburg im vergangenen Jahr – fällt aus, da die Dynamo-Fans, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade einfach sind. Das weiß besonders der FC St. Pauli. Am Millerntor zerlegten Dresdner Anhänger beim jüngsten Zweitliga-Duell ein WC. Die Dassendorfer sollten daher für alle Schäden geradestehen – das kam für die TuS nicht infrage.

Bleibt noch Kiel

Auch Lübeck fällt als Spielstätte aus. Hier spielt im Pokal ausgerechnet der FC St. Pauli. Auch wenn die Partien an verschiedenen Tagen ausgetragen wird, könnten rivalisierende Fans aus Dresden und vom FC St. Pauli aufeinandertreffen. Zudem haben auch der SC Victoria und Eintracht Norderstedt abgewinkt. Ein Tausch des Heimrechts wiederum schließt der DFB aus. Bleibt im Norden noch Kiel. Die Freude über ein zusätzliches Gastspiel der Dresdner beim Zweitligisten dürfte sich aber auch hier in Grenzen halten.

Das sieht in Zwickau ganz anders aus. Der Drittligist pflegt eine Fanfreundschaft mit Dynamo. „Wir haben hier offene Türen eingerannt“, sagt TuS-Sportchef Jan Schönteich. Schon einmal hatte ein Verein „Asyl“ dort gefunden: die TuS Koblenz. Da ihr Stadion renoviert wurde und auch alle Nachbarclubs dankend abwinkten, wichen die Koblenzer für die Erstrunden-Pokalpartie der Saison 2017/18 gegen Dresden nach Zwickau aus. Dynamo siegte damals vor 6300 Zuschauern durch ein spätes Tor mit 3:2. Da der Wettergott an diesem Tag nicht mitspielte, hält es Schönteich für möglich, dass bei Sonnenschein sogar 10.000 Fußballfans kommen werden.

TuS-Aufkleber im „Dynamoland“?

Der Dassendorfer Sportchef wird zusammen mit Mäzen Michael Funk demnächst nach Sachsen reisen, um weitere Fragen zu klären. „Aus wirtschaftlicher Sicht halte ich Zwickau für alternativlos“, sagt Schönteich – auch wenn es für eigenen Fans eine denkbar ungünstige Lösung ist.

Noch ein weiterer Dassendorfer wird demnächst nach Sachsen fahren – allerdings nach Dresden: Wolf-Rüdiger Klein. Der Betreuer hatte auf der TuS-Facebookseite ein Foto gepostet, auf dem das Dassendorfer Ortsschild zu sehen ist, „verziert“ mit dem Aufkleber „Dynamoland“. „Mal sehen, wie viele TuS-Aufkleber ich mitnehmen werde“, sagte Klein augenzwinkernd.