Kult-HSV-Fan wird 70

„Tiroler-Friedl“: Auf Du und Du mit Ernst Happel und Co.

Friedrich Schulerm genannt „Tiroler-Friedl“

Friedrich Schulerm genannt „Tiroler-Friedl“

Foto: Volker Gast

Lohbrügge. Vor 39 Jahren gründete Friedrich Schuler den HSV-Fanclub Lohbrügge. Der Verein wurde zum Lebensinhalt.

Lohbrügge.  Als die Not am größten ist, sendet Friedrich „Tiroler-Friedl“ Schuler den am Boden zerstörten HSV-Kickern eine Nachricht ins Mannschaftshotel: „Wir halten trotzdem zu Euch!“

Nein, die Rede ist nicht vom „überflüssigsten Nichtaufstieg der Fußballgeschichte“ (HSV-Boss Bernd Hoffmann) und auch nicht vom Bundesliga-Abstieg vor einem Jahr. Wir schreiben den 28. Mai 1980, als Schuler diese Worte per Fernschreiber nach Ma­drid schickt. Innerhalb weniger Tage haben Kevin Keegan, Felix Magath, Manfred Kaltz und Co. die Meisterschaft verspielt und das Finale des Europapokals der Landesmeister gegen den krassen Außenseiter Nottingham Forrest mit 0:1 verloren. Es ist der Tag, an dem Schuler den Fanclub Lohbrügge gründet: „Aus Trotz!“

„Deutschlands Superfan“

Er hat Wort gehalten. Seinem HSV ist der Lohbrügger immer treu geblieben. Als „Tiroler-Friedl“ ist er in ganz Deutschland bekannt. 2003 ehrte ihn Rudi Völler auf der Gala zum 40-jährigen Bundesliga-Bestehen als „Deutschlands Superfan“, ausgesucht unter 10.000 Bewerbern. Am Sonnabend wird Schuler nun 70 Jahre alt. Zur Feier haben sich unter anderem Ex-HSV-Größen wie Bernd Wehmeyer, Martin Groth, Tobias Homp und Frank Pagelsdorf angekündigt.

Vom ersten Stadionbesuch hingerissen

Der HSV ist für Schuler die Leidenschaft des Lebens. Als 17-Jähriger kommt der gelernte Koch 1968 aus Österreich in die Hansestadt, will zur See fahren. Das zerschlägt sich wegen eines Herzleidens, stattdessen heuert er beim Altlohbrügger Hof an. Am 17. März 1970 überreden ihn Freunde zu einem Besuch im Volksparkstadion. Es ist ein Dienstagabend. Unter Flutlicht schlägt der HSV Borussia Dortmund mit 4:3. Uwe Seeler erzielt das entscheidende Tor. „Diese Stimmung, dieses ,Ha-Es-Vau’, das hat mich einfach mitgerissen“, schwärmt er.

Ernst Happel, der „väterliche Freund“

Die 80er-Jahre sind die erfolgreichste Zeit des HSV. Ein besonderes Verhältnis verbindet Schuler mit seinem Landsmann Ernst Happel. „Er war ein väterlicher Freund für mich“, blickt er zurück. Happel ist der Schöpfer des Spitznamens „Tiroler-Friedl“. Doch auch die späteren Jahre halten schöne Erlebnisse bereit. An Schulers 50. Geburtstag rückt das komplette Team im HSV-Bus zur Feier an. „Das war immer mein Traum“, schwärmt er. Trainer Pagelsdorf hatte den Geburtstag zum „Pflichttermin“gemacht.

Ein Anruf von Günter Netzer

Viele der alten Kontakte bestehen noch immer. „Vergangene Woche rief Günter Netzer an“, erzählt Schuler. Doch so ganz lässt sich die sportliche Talfahrt nicht ignorieren. „Ich würde Bruno Labbadia zurückholen“, setzt Schuler auf einen Trainerwechsel. Die Karten fürs die vermeintliche Aufstiegsfeier gegen Duisburg, die für Freunde aus Österreich gedacht waren, hat er zurückzugeben. Sie werden nicht mehr gebraucht ...