In Bergedorf und Geesthacht

Bürokratie verhindert HSV-Spiel gegen Dassendorf

Entspannte Stimmung im vergangenen Sommer beim 10:0-Sieg des HSV gegen Dassendorf an den Sander Tannen.

Entspannte Stimmung im vergangenen Sommer beim 10:0-Sieg des HSV gegen Dassendorf an den Sander Tannen.

Foto: Bode / Hanno bode

Bergedorf. Die TuS Dassendorf wollte den HSV ins Heimatgebiet holen. Doch sowohl in Bergedorf als auch in Geesthacht waren die Hürden zu hoch.

Das Stadion Sander Tannen in Bergedorf am 4. Juli 2018: Beim Gastspiel des Hamburger SV feiern 3622 Zuschauer eine große Fußballparty. Stars wie Pierre-Michel Lasogga, Fiete Arp, Julian Pollersbeck oder Douglas Santos erfüllen mit Engelsgeduld die Autogramm- und Selfie-Wünsche der Fans. Der damalige Trainer Christian Titz lobt die „phänomenale Kulisse“. Kinder tollen mit dem Maskottchen „Dino Hermann“ herum. Und hinterher begegnen sich die Profis und ihre Gastgeber von der TuS Dassendorf beim gemeinsamen Abendessen im Vereinsheim. „Es war alles perfekt – bis auf das Ergebnis“, erinnert sich TuS-Mäzen Michael Funk. Mit 10:0 hatte der HSV dem Oberligisten die Grenzen aufgezeigt.

Rasen an den Sander Tannen muss regenerieren

Jetzt steht fest: Es bleibt vorerst ein einmaliges Erlebnis. Gerne hätten die TuS Dassendorf und der Hamburger SV auch in diesem Sommer (7. Juli) ein solches Fußballfest veranstaltet. Doch vom Bezirksamt Bergedorf kam eine Absage. „Der Rasenplatz wird Ende Mai/Anfang Juni geschlitzt, gedüngt, gesandet und neu eingesät. Diese Termine liegen lange fest und sind schwer zu bekommen. Danach muss der Rasen sechs bis acht Wochen regenerieren. Da liegt der Spieltermin genau drin“, begründet Bezirksamtssprecherin Lena Stich die Entscheidung.

Unterschriftsreifen Vertrag zurückgeschickt

Alternativ versuchten die Dassendorfer, im Stadion Berliner Straße in Geesthacht unterzukommen. Die Gelegenheit schien günstig. „Beim HSV war man sehr angetan davon, wie viele Kinder damals in Bergedorf auf der Anlage waren. Sie sind uns daher finanziell extrem entgegengekommen“, berichtet Funk. Eine Folge der Dassendorfer Strategie, die Eintrittspreise (Erwachsene acht Euro/Kinder sechs Euro) bewusst familienfreundlich zu halten.

Doch genau das wurde ihnen nun zum Verhängnis. „Während wir in Bergedorf zehn Prozent der Netto-Einnahmen als Miete hätten bezahlen müssen, wären es in Geesthacht zehn Prozent der Brutto-Einnahmen gewesen“, rechnet Funk vor, „um das aufzufangen, hätten wir 4500 Zuschauer gebraucht. Das Stadion ist aber nur für 3500 Zuschauer zugelassen.“ Die Preise erhöhen wollten die Dassendorfer nicht. So entschloss sich Funk, das Unternehmen abzusagen. „Das ist schon ärgerlich“, gibt er zu, „wir hatten bereits mit der Polizei gesprochen, die Parkplätze bei den Supermärkten gegenüber organisiert. Ich hatte einen unterschriebenen Vertrag vom HSV vorliegen, den musste ich dann zurückschicken.“

Nutzungsverordnung lässt Austragung scheitern

Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze (SPD) betont, bei den finanziellen Vorgaben keinerlei Spielraum gehabt zu haben. „Es gibt eine Nutzungsordnung, und die wird dann angewendet“, erläutert er, „schließlich muss ich ja alle Vereine gleich behandeln. Wir werden uns die Nutzungsverordnung aber sicher noch mal ansehen.“ Zum Vergleich: In Berlin kostet die Platzmiete für Veranstaltungen ab 3000 Zuschauern sieben Prozent der Brutto-Einnahmen, in München 8,5 Prozent.

Genau 20 Jahre ist es her, dass der HSV zuletzt in Geesthacht zu Gast war. Der schwedische Nationalspieler Martin Dahlin erzielte am 9. Februar 1999, einem eiskalten Wintertag, vor 2500 Zuschauern beim 9:0 gegen den VfL Geesthacht fünf Tore. Eine ganze Generation ist seitdem in der Elbestadt aufgewachsen, ohne den HSV live vor Ort sehen zu können. Es sieht so aus, als sollte das auch noch eine Weile so bleiben.