Integrationssport

Motivation bei den Special Olympics: „Einen für Mutti!“

Die siegreiche deutsche 4x100-Meter-Mixed-Staffel in der Altersklasse Ü30 (von links nach rechts): Valentina Beck, Michaela Harder (beide aus Schleswig-Holstein), Agnes Wessalowski (SVNA) und Robert Glowczewski (SVNA).

Die siegreiche deutsche 4x100-Meter-Mixed-Staffel in der Altersklasse Ü30 (von links nach rechts): Valentina Beck, Michaela Harder (beide aus Schleswig-Holstein), Agnes Wessalowski (SVNA) und Robert Glowczewski (SVNA).

Foto: Björn von Borstel

Nettelnburg. Riesenerfolg für die Integrationssport-Abteilung des SVNA. Alle vier Starter holten Medaillen bei den Special Olympics in Dubai.

Angespannt saß Björn von Borstel, Leichtathletik-Trainer und Leiter der Integrationssportabteilung des SV Nettelnburg/Allermöhe, auf der Tribüne des Police Club Stadiums in Dubai. Sein Athlet Christoph Brügge führte beim Fünfkampf-Wettbewerb der Special Olympics. Das sind die Weltspiele für Menschen mit geistiger Behinderung. Im Weitsprung (4,73 Meter) und 100-Meter-Sprint (13,38 Sekunden) hatte der 22-Jährige persönliche Bestleistungen aufgestellt. Würde ihm das jetzt auch noch im Kugelstoßen gelingen, die Goldmedaille wäre ihm kaum noch zu nehmen. Doch nur noch ein Versuch war übrig. Von Borstel erhob sich. „Na komm’! Einen für Mutti!“, schrie er zu Brügge hinunter. Der hörte das und legte alle Kraft in diesen Versuch. Auf 9,08 Meter flog die Vier- Kilo-Kugel. Persönliche Bestleistung, und natürlich war das gleichbedeutend mit der Goldmedaille. Die sicherte Brügge anschließend beim Hochsprung (1,51 Meter) und 400-Meter-Lauf (1:10,55 Minuten) mühelos ab.

7000 Aktive aus 190 Ländern

Die Special Olympics, sie sind das Pendant zu den Olympischen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung. Alle vier Jahre messen sich die besten Athleten der Welt bei den Wettkämpfen. In Dubai (Leichtathletik, Schwimmen) und Abu Dhabi (alles andere) waren 7000 Athleten aus 190 Ländern am Start, die in 24 Sportarten ihre Besten ermittelten. Die Deutschen waren mit 163 Aktiven angereist und gewannen sage und schreibe 118 Medaillen.

Doppel-Gold für Agnes Wessalowski

Zum Leichtathletik-Team gehörten mit Brügge, Agnes, Wessalowski, Robert Glowczewski und Levin Hennings auch vier Aktive von der Integrationssportabteilung des SVNA. Alle vier schafften es aufs Treppchen. Neben Brügges Fünfkampf-Gold holte Hennings in persönlicher Bestzeit Silber über 400 Meter (1:11,03 Minuten). Die ehemalige Schwimmerin Wessalowski gewann den Weitsprung (1,80 Meter), wurde Dritte über 400 Meter (2:37,58 Minuten) und siegte gemeinsam mit dem vierten Nettelnburger, Robert Glowczewski, in der Mixed-Staffel über 4x100 Meter (1:28,81 Minuten).

Wochenlang Staffelwechsel geübt

Der Staffelsieg war der emotionalste von allen. Wochenlang hatten die vier Inte-grationssportler – zwei vom SVNA, zwei aus Schleswig-Holstein – in der Alsterdorfer Leichtathletik-Halle wieder und wieder Wechsel geübt. „Das war die größte Herausforderung“, betont von Borstel, der in Dubai als Leichtathletik-Koordinator fungierte. Neben der eigenen Bewegung auch noch die des Teamkollegen einzukalkulieren, fällt Menschen mit geistiger Behinderung besonders schwer. „Jeder Staffelwechsel ist für sie eine neue Situation“, erläutert von Borstel. Doch in Dubai klappte es perfekt. Derweil musste der Coach noch einigen neugierigen amerikanischen Trainer erklären, wer eigentlich „Mutti“ ist.