Erster Kampf am 30. März

Geesthachts neues Boxtalent: Gestatten, Mohammed Ali!

Mohammed Ali posiert im Hamburger Hafen für die Kamera.

Mohammed Ali posiert im Hamburger Hafen für die Kamera.

Foto: Andreas Lorenz / Andreas Lorenz, Big Picture for you

Geesthacht. Er trägt einen berühmten Namen, doch er macht sein eigenes Ding. Der 17-jährige Mohammed Ali steigt erstmals in den Boxring.

Mit hochrotem Kopf steht Mohammed Ali im Spiegelsaal des Fitness-Studios „trimness“ in Geesthacht und schlägt buchstäblich Löcher in die Luft. Wo sonst beim „Functional Workout“, „Fatburner“ oder „Zumba“ geschwitzt wird, hat jeden Dienstag und Donnerstag die Boxschule Geesthacht ihr Domizil. Es ist eine seltsame Symbiose. So manche Fitness-Jüngerin, die sich vorne im Studio auf dem Stepper ein paar Pfunde für die Bikini-Figur abringt, ahnt wohl nicht, was für eine Testosteron-Welt sich zehn Meter hinter ihr abspielt.

Boxen ist ein Sport, der keine Kompromisse kennt. Wer die dreimal drei Minuten Kampfzeit eines Amateurduells überstehen will, muss in jedem Training alles geben. Gerade am Rand der völligen Erschöpfung zeigt sich, ob der Kopf auch dann noch mitmacht, wenn die Arme schwer, die Beine müde werden. „Wenn die Zentrale nicht läuft, ist Feierabend“, sagt Hans-Hermann Rehr lakonisch. Der 75-Jährige ist eine Legende unter den Boxtrainern. Seit 60 Jahren ist er zwischen den Ringseilen zu Hause.

Vom Fußball zum Boxen

Vor einem halben Jahr kam der 17-jährige Mohammed Ali zu Rehr und erzählte ihm von seinem Traum, einmal einen Boxkampf zu bestreiten. „Der will, der ist ganz groß“, erkannte Rehr sofort, wie ernst es dem früheren Fußballer damit war. Den Namen des „Größten“ hat Ali von seinem boxbegeisterten Vater. „Damit in den Ring zu steigen, ist natürlich ein Risiko“, ist sich Boxschul-Sprecher Karsten Renner bewusst. Doch Mohammed bleibt cool. „Ich kann verstehen, dass viele jetzt Erwartungen an mich haben“, betont er, „aber es ist halt so. Ich bin stolz auf diesen Namen.“

Am 30. März wird es im Geesthachter Autohaus Brinkmann (Steinstraße 80) so weit sein. Im siebten Duell der Hauptkämpfe ist er an der Reihe. Über seinen Gegner, den Schleswiger Anzar Ibraginov, weiß er nicht viel, nur dass der einen Monat älter ist und schon zwei Kämpfe hat. Für Ali hingegen ist es ein Aufbruch ins Ungewisse.

Sein Coach weiß, dass er ihn gerade deshalb fordern muss, wenn die Kräfte schwinden. „Führhand! – Schlaghand! – Führhand!“, kommandiert Rehr. Ali zögert. Soll er wirklich auf die Reaktionsfähigkeit des Coaches vertrauen? „Na, los!“, fordert Rehr ihn auf, „keine Sorge, ich nehme die Hände schon rechtzeitig hoch.“ Was der 17-Jährige mühsam lernen musste, hat der Trainer über Jahrzehnte verinnerlicht: Aus der Körperhaltung des Gegners, insbesondere der Schulterstellung, lässt sich frühzeitig ablesen, wann ein Schlag kommt und wohin er geht.“

Auch Adrijan Redepi macht seinen ersten Kampf

Paff! – Paff! – Paff! Blitzschnell sausen Führhand – Schlaghand – Führhand von Ali in Rehrs Pratzen, die natürlich rechtzeitig an Ort und Stelle sind, um die Wucht der Schläge abzufangen. Wieder und wieder geht das so. „Nicht auf dem ganzen Fuß stehen, auf den Zehenspitzen bleiben“, mahnt Rehr. „Kondition und Beinarbeit sind alles beim Boxen“, sagt er, „wer drei Runden durchstehen will, muss sechs Runden gehen können.“

Wenn am 30. März der Gong ertönt, wird Ali auf sich selbst gestellt sein. Dann wird er nichts mitkriegen vom Ehrengast Luan Krasniqi, von Miss Schleswig-Holstein Alicia Melina oder dem Kampf seines gleichaltrigen Trainingsgefährten Adrijan Redepi, der ebenfalls zum ersten Mal im Ring steht. Oder vom Hauptkampf des Profis Sebastiano LoZito. Wenn der Gong ertönt, dann zählt jede Stunde, die er sich im „Trimness“ gequält hat. Für seinen großen Traum, ein Boxer zu sein.