Glinde.

Füreinander ein Gefühl entwickeln

Tanzen  Unterwegs mit einem Paar des VfL Geesthacht

Glinde.  Um 9 Uhr morgens klingelt bei Anja Heitmann der Wecker. Es wartet ein erlebnisreicher und emotionaler Tag auf die 50-Jährige. „Ich bin ziemlich aufgeregt. Es war schwierig, etwas zu essen“, verrät die Standard-Tänzerin. Die deutschen Ranglisten-Turniere des TSV Glinde mit insgesamt 270 Paaren stehen an. Rund zwei Stunden verbringt Heitmann allein vor dem Spiegel mit Schminken und Haare machen. Alles muss sitzen.

Dann fährt sie los. Anders als sonst, wenn sie durch die ganze Republik reist, hat sie es diesmal nicht weit zum Veranstaltungsort. Das Tanzzentrum in Glinde liegt nur 30 Autominuten entfernt von ihrem Wohnort Marschacht. Dort angekommen trifft sie auf ihren Tanzpartner Marko Heller. Erst seit 2015 treten sie gemeinsam bei Turnieren an. „Dann ging’s schnell hoch“, sagt der 48-Jährige. Das Duo, das für den VfL Geesthacht aufs Parkett geht, ist in Deutschland ein „Sternchen-Paar“, muss demnach erst in Runde zwei einsteigen.

Pünktlich um 12 Uhr melden sie sich an, es folgt eine Ruhephase. Während Heller seelenruhig mit dem Reporter den vorherigen Wettbewerb der Latein-Tänzer (Sieger: Marius-Andrei Balan/Khrystyna Moshenska, Pforzheim) verfolgt, zieht Heitmann sich in die im Keller liegenden Umkleideräume zurück.

Die Finalrunde ganzknapp verpasst

„Ich muss runterkommen“, erklärt sie, während sie sich kleine Klammern in ihre Haare steckt und ein paar kleine Apfelstücke zu sich nimmt. Doch ihr eigentliches Ritual, einer von ihrem Mann Thomas entwickelten und auf den Markt gebrachten Mental-CD über Kopfhörer zu lauschen, muss an diesem Tag ausfallen. „Ich habe sie zu Hause vergessen“, ärgert die Marschachterin.

Die Gespräche mit den Paaren aus ganz Deutschland – Heitmann und Heller grüßen nahezu jeden beim Vorbeigehen – geben Heitmann Ruhe und Gelassenheit. Für Heller geht es nun zum Umziehen. Raus aus dem schwarzen Trainingsanzug, rein in das gleichfarbige Tanzoutfit. Auch seine Partnerin schlüpft in ihr auffällig gelbes Kleid. „Ich mag’s eigentlich lieber schlichter“, verrät sie vor dem lockeren Warmmachen. Laufen, hüpfen, eintanzen. „Wir müssen das Gefühl füreinander finden“, erklärt Heller.

Bestes Paar ausNorddeutschland

15 Uhr. Endlich sind sie an der Reihe. Es läuft gut, das Geesthachter Duo hat das, was es vorhatte, auch umgesetzt. Doch für das vorab als Ziel gesetzte Finale (Heitmann: „Da wollen wir immer hin.“) reicht es letztlich nicht. Im Halbfinale ist Schluss, am Ende landet das VfL-Paar auf dem achten und neunten Platz. „Es hätte besser laufen können“, stellt Heller klar. Aber: Als einziges Duo aus Norddeutschland bei den Senioren II – ein Partner muss mindestens 40, der andere mindestens 45 Jahre alt sein – standen sie im Halbfinale. Als Sieger gingen Gert Faustmann/Alexandra Kley (Blau-Silber Berlin) aus dem Wettbewerb.

Heller und Heitmann kommen nach einem langen, emotionalen Tag um 21 Uhr zu Hause an, haben ein paar Stunden zur Erholung – und treten am Folgetag noch einmal bei den „Jüngeren“ in der Klasse Senioren I (30/35 Jahre) an. Dort landeten die Geesthachter auf einem guten 10./11. Platz. „Es hat über beide Tage sehr gut funktioniert“, zieht Heller ein letztes Resümee eines anstrengenden, aber immer wieder „tollen Events mit einem tollen Publikum“.

Weitere Ergebnisse, Senioren III (50/55), 1. Platz: Thomas und Susanne Schmidt (Schwarz-Rot-Club Wetzlar), Paare aus dem Heimatgebiet: Sen.I S Standard: Dr. Gunther Meißner-Klich/Dr. Melanie Meißner, VfL Geesthacht (22.-24.); Sen.II S Standard: Meißner-Klich/Meißner, VfL Geesthacht (36.-39.), Bernd Dirschauer/Annette Dirschauer, VfL Geesthacht (79.-85.); Sen.III S Standard: Dirschauer/Dirschauer, VfL Geesthacht (95.-99.).