Schwarzenbek.

Tischtennis ist sein Lebenselixier

Hans-Günther Prozesky Mit 90 noch aktiv an der Platte

Schwarzenbek. Hamburg 1943. Zweiter Weltkrieg. Täglich drohen Fliegerangriffe, als der damals 15-jährige Hans-Günther Prozesky als Lehrling beim Präzisionswerkzeug-Hersteller Fette anfängt. Schnell schließt sich der angehende Industriekaufmann der Tischtennis-Abteilung an. „Das ist dann zur Manie geworden“, erinnert sich der heute 90-Jährige schmunzelnd, „in den Mittagspausen haben wir über die zusammengeschobenen Schreibtische hinweg gespielt. Mit halben Aktenordnern in der Mitte wurde Tischtennis gekloppt. Und wenn ich Brandwache hatte, habe ich oft die ganze Nacht durchgespielt.“

Der Firma Fette, die heute LMT Group heißt und in Schwarzenbek beheimatet ist, blieb Prozesky ein ganzes Berufsleben lang treu, dem Tischtennissport ist er es bis heute. Am 20. Januar wird der Schwarzenbeker 91 Jahre alt. „Der ist so fit, das ist Wahnsinn!“, schwärmt Achim Spreckelsen, der Tischtennis-Abteilungsleiter des TSV Schwarzenbek. Auch eine Bandscheiben-Operation und zwei künstliche Kniegelenke konnten Prozesky nicht stoppen. Im Gegenteil: „Als es wieder ging, bin ich noch mal voll eingestiegen.“ In der 9. Kreisklasse bestreitet er seine Punktspiele, trainiert jeden Montag und Freitag. „Die Nächte danach sind eine Katastrophe“, stöhnt der Rentner, „dann melden sich die Knie.“ Doch dank des Lebenselixiers Tischtennis ist er mobil geblieben, meistert hellwach im Kopf seinen Alltag unabhängig im eigenen Haus („Ich mache auch den Garten alleine“), traut sich Camping-Urlaube und Autofahrten bis nach Österreich zu, führt ein aktives, selbstbestimmtes Leben.

Am Wochenende ist Hans-Günther Prozesky der älteste Teilnehmer bei den 48. Tischtennis-Sachsenwaldmeisterschaften, die dieses Mal vom VfL Geesthacht ausgerichtet werden. Am Sonntagmorgen schlägt er ab 9 Uhr in der Sporthalle Grenzstraße bei den Herren E auf – gegen Konkurrenten, die oft ein halbes Leben jünger sind als er.

Insgesamt haben 262 Aktive für dieses erste Wochenende gemeldet, die verteilt auf fünf Leistungsklassen bei den Damen und Herren A bis E ihre Wettkämpfe austragen. Am Wochenende 9./10. Februar folgt dann an gleicher Stelle Teil zwei der Veranstaltung mit den Jugend- und Senioren-Konkurrenzen.

Die Teilnehmerzahl an dem traditionsreichen Wettbewerb war zuletzt von über 600 (bis 2017) auf 483 (2018) gesunken, in diesem Jahr ist wieder ein deutliches Plus drin. „Auf jeden Fall ist es eine ehrlichere Zahl“, erläutert der Tischtennis-Abteilungsleiter des VfL Geesthacht, Tobias Bastian. „Früher wurde
der Spiel- plan bereits im Oktober erstellt. Viele, die so früh gemeldet hatten, sind dann drei Monate später gar nicht erschienen. Es gab jede Menge ausgefallene Partien.“

Seit 2018 werden die Konkurrenzen kurzfristig ausgelost, Partien flexibel angesetzt, um Wartezeiten zu minimieren. Änderungen, die gerade älteren Teilnehmern wie Hans-Günther Prozesky entgegenkommen. „Der Tischtennissport hat sich sehr verändert. Er ist zum Kraftsport geworden“, sagt er, „Die Jungen hauen sich die Bälle um die Ohren, wir Älteren hingegen SPIELEN Tischtennis.“ Und das, so hofft er, noch viele Jahre.

Zeitplan: Sonnabend, 9 Uhr: Damen und Herren B, Herren D. Sonnabend, 13 Uhr: Damen D. Sonntag, 9 Uhr: Damen und Herren C und E. Sonntag, 13 Uhr: Damen und Herren A.