Erik Schefer

Erfolgreich das Wesen des Judosports erforscht

Erik Schefer vom TSV Schwarzenbek hat die Prüfung zum 4. Dan bestanden.

Erik Schefer vom TSV Schwarzenbek hat die Prüfung zum 4. Dan bestanden.

Foto: Volker Gast

Schwarzenbek. Erik Schefer (TSV Schwarzenbek) hat eine der höchsten Graduierungen im Judo in Deutschland. Jetzt startet er bei der DM.

Das Dojo in der Sporthalle Berliner Straße in Schwarzenbek ist menschenleer. Trotzdem verharrt Erik Schefer beim Betreten für einen Moment, verbeugt sich vor der verwaisten Matte und vor einem Bild an der Wand, das Jigoro Kano zeigt, den Mitbegründer des Judo. „Dieses Angrüßen bekommt man von klein auf beigebracht. Es ist ein Zeichen des Respekts gegenüber unserem Sport und dem Erfinder unserer Sportart“, erläutert der Kampfsportler vom TSV Schwarzenbek, der Judo betreibt, seitdem er sechs Jahre alt ist. „Das Angrüßen dient der Konzentration auf das bevorstehende Training. Es spielt keine Rolle, ob noch jemand mit im Raum ist.“

4. Dan – ein Seltenheit in Deutschland

Seit Kurzem ist Schefer Träger des 4. Dan. Das ist die zweithöchste Stufe, die man durch Prüfungen erreichen kann. Jenseits des 5. Dan gibt es noch den 6. bis 10. Dan, die man nicht aktiv erwerben, sondern nur verliehen bekommen kann. Als Träger des 4. Dan bewegt sich Schefer in einem elitären Kreis. Deutschlandweit listet der Deutsche Judo-Bund nur 157 andere Sportler auf, die eine vergleichbare oder höhere Graduierung aufweisen.

Um einem weit verbreiteten Missverständnis vorzubeugen: Ein höherer Dan-Grad bedeutet nicht unbedingt, ein besserer Wettkämpfer zu sein, sondern gibt Aufschluss über das allgemeine Verständnis vom Judo, das jemand erlangt hat. So reist Schefer Ende Januar als Außenseiter zu den deutschen Einzelmeisterschaften nach Stuttgart, für die sich der Schwarzenbeker erstmals qualifiziert hat. „Für mich zählt der olympische Gedanke“, lächelt Schefer. Top-Favorit in seiner Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm ist Olympiastarter Sebastian Seidl aus Bayern, der Weltmeisterschafts-Siebte von 2015.

Judo ist mehr als nur Kampfsport

Es ist eine Frage, worauf man sich fokussiert. „Für viele ist der 1. Dan, der ja den Schwarzgurt bedeutet, das große Ziel. Danach machen sie Schluss“, erläutert Schefer, „wer Judo nur als Wettkampf begreift, der hat sein festes Standard-Repertoire an Würfen, die er in- und auswendig beherrscht und aus jeder Richtung ansetzen kann. Er hat diese Techniken vollkommen begriffen.“

Wer es hingegen wie der Schwarzenbeker darauf anlegt, bei den Dan-Graduierungen aufzusteigen, der muss andere Qualitäten zeigen. „Für mich reicht es nicht aus, Judo auf den Wettkampf zu reduzieren“, betont der Medizintechnik-Student. Schefer hat Erfahrungen als Jugendtrainer und Kampfrichter gesammelt oder erprobt auch schon mal eine alte Wurftechnik, die aus der Mode gekommen ist, um das Wesen des Sports besser zu verstehen. Dabei geht ohne einen Trainingspartner nichts. „Gegenseitiges Helfen zum beiderseitigem Erfolg, das ist ein Grundprinzip des Judo“, erläutert der Schwarzenbeker, der 1992 als Spätaussiedler-Kind – Vater Wolga-Deutscher, Mutter Russin – nach Deutschland kam und aufgrund seiner Erfahrungen diese soziale Komponente des Sports besonders schätzt.

Der große Traum: Olympia-Besuch in Tokio

Wenn 2020 die Olympischen Spiele ins Judo-Heimatland Japan zurückkehren, dann möchte auch Schefer dabei sein. Nicht als Kämpfer, dafür wird es sportlich nicht reichen, sondern als Tourist. Einmal im Land der aufgehenden Sonne, der Heimat von Jigoro Kano, den Ursprüngen des Judo nachzuforschen, „das wäre ein Traum“, schwärmt der 29-Jährige. Darum grüßt er den Meister aller Meister respektvoll, wann immer er das Dojo des Vereins betritt.

Schülergrade (Kyu) zählen abwärts vom 9. Kyu (Anfänger) bis zum 1. Kyu (extrem fortgeschritten). Meistergrade zählen aufwärts vom 1. bis zum 10. Dan. Die Übersicht:
Weiß: 9. Kyu
Weiß-Gelb: 8. Kyu
Gelb: 7. Kyu
Gelb-Orange: 6. Kyu
Orange: 5. Kyu (Mindestalter 8 Jahre)
Orange-Grün: 4. Kyu (ab 9 Jahre)
Grün: 3. Kyu (ab 10 Jahre)
Blau: 2. Kyu (ab 11 Jahre)
Braun: 1. Kyu (ab 12 Jahre)

Schwarz: 1. Dan (ab 15 Jahre) bis 5. Dan
Rot-Weiß: 6. bis 8. Dan
Rot: 9. bis 10. Dan

Weltweit gab es bislang 26 Judoka, denen der 10. Dan verliehen wurde, darunter 15 Sportler aus dem Judo-Heimatland Japan und zwei Deutsche, Dieter Teige (2011) und Lothar Nest (2018). Der erste Europäer, dem diese Ehre zuteil wurde, war 1997 der Niederländer Anton Geesink, Goldmedaillengewinner in der Allkategorie bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio. Dan-Grade werden stets durch Ranghöhere verliehen. Judo-Begründer Jigoro Kano hatte keinen Dan, weil niemand über ihm stand oder jemals stehen wird und somit niemand die Autorität besitzt, Kano einen Dan-Grad zu verleihen.