Ohe.

Der Aufsteiger des Jahres

Von der Landesliga in die Regionalliga Johann von Knebel hat den großen Schritt gemeistert

Ohe.  Als Johann von Knebel im April vom FC Voran Ohe zu Eintracht Norderstedt wechselte, hegten viele Beobachter des Amateurfußballs Zweifel. Ein 20-Jähriger wagt nach nur einer Saison in der Fußball-Landesliga den Schritt in die Regionalliga, ohne dabei Erfahrungen in der Oberliga gesammelt zu haben? „Das kann nur schiefgehen“, dachten sich viele, darunter auch Ihr Autor. Doch mittlerweile ist klar: Johann Magnus Kilian Ludwig von Knebel Doeberitz, wie der vollständige Name des heute 21-Jährigen lautet, hat den Sprung in die vierthöchste Spielklasse gemeistert!

In 22 Punktspielen stand von Knebel 16 Mal auf dem Platz, dabei neunmal von Anfang und fünfmal über die volle Distanz. Dabei steuerte der Youngster ein Tor und vier Vorlagen bei. „Mit meiner bisherigen Spielzeit kann ich zufrieden sein. Jetzt gilt es, das zu bestätigen und die Leistungen konstant abzurufen“, betont der in Hamburg-Barmbek lebende Mittelfeldspieler.

Die Mitspieler machten es ihm leicht

Von Knebel ist von seiner neuen sportlichen Heimat angetan. „Ich wurde super aufgenommen. Von Anfang an habe ich viele Tipps bekommen und auch viel positives Feedback erhalten, sowohl vom Trainerteam als auch von meinen Mitspielern“, erzählt er, „natürlich ist das Drumherum hier etwas anderes. Es geht professioneller zur Sache. Aber das Umfeld ist sehr familiär, und wir harmonieren als Team sehr gut.“ Mit der Umstellung von der Landesliga auf die Regionalliga ist er gut klargekommen. „Die Spiele und das Training sind an sich natürlich wesentlich schneller und intensiver, aber das habe ich so auch erwartet“, sagt der Sportmanagement-Student.

Fußballerisch ist von Knebel beim ETSV Hamburg groß geworden, wo er auch seine erste Herrensaison absolvierte, ehe er zum FC Voran Ohe in die Landesliga wechselte. „Johann kam aus der Bezirksliga zu uns und war von Anfang an körperlich sehr stark“, erinnert sich Voran-Coach Rainer Seibert, „doch er hatte keinen Stammplatz, da wir im Mittelfeld gut besetzt waren und er mit einer Handverletzung ausfiel.“ Seibert fiel außerdem eine Schwäche beim Youngster auf. „Seine Stärken im Eins-gegen-eins waren zwar von Anfang an sichtbar, und er war immer sehr präsent, doch Johann hat sich zu spät vom Ball getrennt“, kritisiert Seibert, ehe er in Schwärmen gerät: „In den letzten acht Spielen, die er für uns gemacht hat, war er unentbehrlich. Und von seinem Charakter her ist er vorbildlich. Seit seinem Wechsel war er zwei, dreimal bei uns und ist nach wie vor sehr bescheiden. Johann weiß, wo er herkommt.“

Ex-Coach und Ex-Mitspieler reisten extra zum Debüt an

Auch zum ETSV sind die Bande noch sehr eng. ETSV- Coach Christopher Leitlof hat den 21-Jährigen zusammen mit Tobias Czech vom SV Altengamme zum Regionalliga-Spiel beim BSV Schwarz-Weiß Rehden begleitet. Von Knebel kam nach einer knappen Stunde bei einem 0:2-Rückstand, Norderstedt verlor am Ende mit 1:2. „Dass Chris und Tobi extra nach Rehden gekommen sind, war eine Riesenüberraschung und hat mich sehr gefreut“, erinnert sich von Knebel begeistert, „vor dem Spiel war ich natürlich ein bisschen aufgeregt, aber während der Partie ist das dann sofort verflogen. Hinterher war ich zum einen natürlich über die Niederlage enttäuscht, aber auch stolz auf meinen ersten Regionalliga-Einsatz.“ Diesen 28. Juli 2018 zählt von Knebel neben seinem ersten Tor, das er vier Monate später beim 3:1 gegen den VfL Oldenburg erzielte, zu den beiden Highlights aus seiner bisherigen Zeit bei Eintracht Norderstedt.

Doch warum hat er sich so mühelos durchgesetzt? „Johann war schon immer extrem ballsicher, doch in der Jugend hatte er das Problem, dass andere körperlich weiter waren. Das konnte er aufholen, und seine Ballsicherheit ist geblieben. So hat er dann den Sprung schlussendlich geschafft“, analysiert Leitlof, der von Knebel schon seit der C-Jugend unter seinen Fittichen hatte. „Dass er nun bei Eintracht Norderstedt in der Regionalliga spielt, ist eine echt coole Geschichte für ihn. Darüber freue ich mich sehr.“

16 Einsätze sind es bislang. „Johann hat das nicht mit dem Mund gemacht, sondern mit Leistung“, betont Norderstedts Coach Dirk Heyne, „er hat nie lamentiert oder große Sprüche gebracht, sondern immer Gas gegeben.“ Auch der erfahrene Übungsleiter, der als Torwart für die DDR neun Länderspiele bestritt, war von der schnellen Entwicklung des Neuzugangs überrascht. „Wir haben ihm das definitiv zugetraut, sonst hätten wir ihn nicht verpflichtet“, unterstreicht Heyne, „dass er sich aber so schnell eingewöhnt und ein wichtiger Spieler geworden ist, war uns für selbst überraschend.“ Eine Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen zu sein scheint. „Johann ist ja nicht ein Spieler, der einfach so dabei ist“,, führt Heyne aus, „er ist ein absoluter Leistungsträger geworden. Das ist sehr positiv. Uns hat es sehr imponiert, wie er seinen Körper einsetzt und wie er sofort nach vorne denkt. Johann nimmt die Bälle nach vorne mit, nicht nach hinten.“

Was seine Ziele für die Zukunft angeht, bleibt von Knebel bescheiden. „Grundsätzlich will ich einfach weiterhin meine Einsätze bekommen und mich im Team und in der Liga etablieren. Mit anderen Möglichkeiten habe ich mich noch nicht beschäftigt“, betont der Youngster. Das kommt gut an. „Es gibt ja manche 20-Jährige, die machen ein paar Spiele und denken, sie können die Welt einreißen. Johann verliert nicht die Bodenhaftung“, lobt Heyne. Eines scheint sicher: Johann von Knebel dürfte auch in Zukunft noch für die eine oder andere positive Überraschung sorgen.