Bergedorf.

An der Überraschung vorbeigeschrammtRadball-Historie

Radball RKB Bille beim Deutschland-Pokal ausgeschieden

Bergedorf.  Als Christian Kretschmer ein kleiner Junge war, da nahm ihn sein Nachbar Sven Dönges einmal mit zum Radball beim RKB Bille, Hamburgs einzigem Verein, der diesen Sport anbietet. „Anfangs habe ich nur angefeuert und die Tore bejubelt“, erinnert sich Kretschmer, „später habe ich mich dann auch selbst aufs Rad gesetzt.“ Mit Erfolg: Der heute 30-Jährige bildet mittlerweile mit seinem Teamkollegen Steffen Kamitz ein erfolgreiches Oberliga-Gespann. Beide traten nun als krasse Außenseiter beim Deutschland-Pokal an, der dem DFB-Pokal im Fußball vergleichbar ist.

Nach drei Niederlagen gegen Bramsche (Oberliga), Magdeburg und Demmin (beide 2. Bundesliga) kam für das Team des Rad- und Kraftfahrerbunds „Solidarität“ Hamburg-Bille allerdings erwartungsgemäß das Aus.

Dabei wäre mehr drin gewesen. „Gerade das erste Spiel gegen Bramsche hätten wir gerne gewinnen dürfen“, ärgert sich Kretschmer in der Rückschau, „wir haben die erste Hälfte total verschlafen, lagen zur Halbzeit 0:2 hinten und konnten das dann nicht mehr aufholen.“

Gespielt wird über zweimal sieben Minuten. Klingt wenig, doch da ein Team ja nur aus zwei Spielern besteht, ist jeder die ganze Zeit über voll gefordert. Gerade noch als Torwart einen Treffer verhindert, geht es im nächsten Moment schon wieder darum, den Ball vorne wuchtig aufs gegnerische Gehäuse zu bringen. „Gerade diese Abwechslung ist es, die mich am Radball reizt“, betont Kretschmer.

Geschossen wird mit dem hinteren Teil des Vorderrades. Das ist schwierig. „Wenn jemand mit Radball anfängt, muss er ja zuerst einmal das spezielle Rad beherrschen, mit dem man vorwärts und rückwärts fahren kann“, erläutert Dönges, Spielleiter und Trainer des RKB, „bis man dann in der Lage ist, damit einen Ball zu schießen, kann schon mal ein Jahr vergehen.“

Durchhaltevermögen ist also gefragt. „Wir sind am Anfang alle vom Rad gefallen“, gibt Kretschmer schmunzelnd zu. Gleichgewichtsgefühl ist unabdingbar, denn das Stehen auf dem Rad, ohne einen Fuß absetzen zu müssen, ist ein wichtiges Element des Spiels. „Das können wir alle im Schlaf“, betont Kretschmer, „auch stehend auf dem Rad auf dem Handy tippen oder Zeitung lesen. Im Prinzip können wir technisch all das, was ein Weltmeister kann, nur nicht in derselben Geschwindigkeit.“

Wie eng es zwischen Teams aus zwei verschiedenen Klassen zugehen kann, zeigte sich in der zweiten Partie gegen den Zweitligisten PSV Magdeburg, als die Bergedorfer bis zur Pause ein 0:0 hielten, dann aber noch mit 1:2 verloren. „Die Zweitligisten sind es aus ihrer Liga halt gewohnt, ständig gegen starke Gegner zu spielen. Wir hingegen nicht“, sieht Kretschmer als größten Unterschied. Da Magdeburg auch Demmin und Bramsche schlug und verlustpunktfrei Turniersieger wurde, gab es für das Bille-Duo im letzten Spiel sogar noch die Chance aufs Weiterkommen. Für Platz zwei musste gegen den Zweitligisten Demminer RV allerdings ein Sieg mit drei Toren Unterschied her. Ein vermessenes Unterfangen? Keineswegs! Zur Pause hatten die mutig aufspielenden Bergedorfer eine 3:2-Führung herausgeschossen. In der Sporthalle Leuschnerstraße in Lohbrügge lag eine Sensation in der Luft. „Doch dann haben wir uns zu viele leichte Fehler geleistet“, bedauert Kretschmer. Aus dem 3:2 wurde ein 3:5. Nun riskierten sie alles und verloren schließlich 4:8. Somit waren die Bergedorfer am Ende Letzter.

Doch wer weiß: Vielleicht hat ja das eine oder andere Talent zugesehen und Lust bekommen, diesen Sport auszuprobieren. Trainiert wird beim RKB Bille nach den Ferien immer montags und donnerstags ab 18.30 Uhr in der Halle Leuschnerstraße.

Der Amerikaner Nick Kaufmann (1861-1943) war Ende des 19. Jahrhunderts der beste Kunstradfahrer der Welt. Er vollführte akrobatische Kunststücke auf dem Hochrad, wurde 1888 und 1893 inoffizieller Kunstradfahrweltmeister und tourte mit einer Schausteller-Truppe kreuz und quer durch Europa.

Eines Tages im Jahr 1883 lief ihm der Legende nach in seiner Heimatstadt Rochester im US-Bundesstaat New York ein Mops vor das Fahrrad. Um nicht zu stürzen und das Tier nicht zu verletzen, schob Kaufmann den kleinen Hund vorsichtig mit dem Vorderrad zur Seite. Die Idee des Radballs war geboren. Am 14. September 1883 demonstrierte Kaufmann mit ei-nem anderen Kunstradfahrer, John Featherly, mit einem Poloball die neue Sportart. 1901 waren die Berliner Paul und Otto Lüders die ersten europäischen Radballer. Gespielt wurde damals nicht nur in Sporthallen, sondern zur Belustigung der Gäste auch in Gasthofsälen.