MIKE FRANKE

Aus Angst vor Übergriffen: Schiedsrichter hört auf

Bergedorf. Ein Bezirksliga-Spiel in Buchholz am 25. November war die letzte Partie, die Mike Franke (ASV Bergedorf 85) als Schiedsrichter geleitet hat. „Die fehlende Wertschätzung und das vermehrt aggressive Verhalten auf dem Feld haben mich dazu bewegt aufzuhören. Ich kann in Hamburg nicht mehr angstfrei auf den Platz laufen“, erklärt der 28-Jährige seinen sofortigen Rücktritt, der in Fußballer-Kreisen für viel Aufmerksamkeit sorgte.

Was es bedeutet, wenn die Stimmung gegen Unpartei­ische kippt, hat Franke am eigenen Leib erfahren. Am 4. September 2015 pfiff er für seinen damaligen Verein SC Schwarzenbek ein Landesligaspiel von Dersimspor. Danach ist er von einem Fan geschlagen und getreten worden. Selbst als er bereits am Boden lag. Es drohte der Verlust der Sehkraft eines Auges.

Franke (später TuS Berne) brauchte psychologische Hilfe, um darüber hinwegzukommen, verlor an Gewicht und kehrte dennoch nach ein paar Monaten an die Pfeife zurück. Doch die Angst blieb und führte nun dazu, dass er fortan nur noch als Linienrichter in der Oberliga auflaufen will.

„Ich verurteile jeden Vorfall und will auch gar nichts schönreden. Aber dass die Zahl der Spielabbrüche in den vergangenen Jahren angestiegen wäre, ist statistisch nicht belegbar“, sagt Fußball-Verbands-Sprecher Carsten Byernetzki, der früher selbst in der 2. Bundesliga pfiff.