TRIATHLON

Paul Siemers: WM-Qualifikation nach Unfalltrauma

Paul Siemers trägt beim Radfahren einen futuristisch anmutenden Helm.

Paul Siemers trägt beim Radfahren einen futuristisch anmutenden Helm.

Foto: Privat

Lohbrügge. Im September wurde Paul Siemers noch von einem Wohnmobil angefahren, jetzt hat er in Malaysia das WM-Ticket gelöst.

Um Ausdauersport zu treiben, empfiehlt sich die vor Malaysia gelegene Insel Langkawi eigentlich nicht. Die Luftfeuchtigkeit liegt im November bei über 90 Prozent, die gefühlte Temperatur bei 37 Grad Celsius. Nichts für Triathleten, vor allem, wenn sie wie Paul Siemers Hitze während des Wettkampfes überhaupt nicht schätzen. Acht Tage vor seinem Start beim „Ironman 70.3“ reiste der 20-Jährige nach Südost-Asien, um sich an die Bedingungen zu gewöhnen.

Es sollte sich lohnen. Paul Siemers kam nach 1,9 Kilometern im Wasser, 90 Kilometern auf dem Rad und 21,1 Kilometern zu Fuß in 4:26:55 Stunden ins Ziel. Die Summe der einzelnen Distanzen in Meilen bei dieser Triathlon-Serie ergibt übrigens 70.3 Meilen, den Namen dieser Rennserie.

Platz zwei unter 770 Teilnehmern

Seine Leistung bescherte ihm Platz eins in der Altersklasse 18 bis 24 Jahre und die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden September im französischen Nizza. Zudem belegte er im Gesamtklassement der 770 Männer einen starken zweiten Rang. „Es ist alles glatt gelaufen“, sagte Paul Siemers. Damit war nicht unbedingt zu rechnen.

Rückblick. Im September stand sein Start beim Triathlon auf Rügen unmittelbar bevor. Siemers fuhr sich warm, sauste mit rund 50 Stundenkilometern eine Anhöhe herunter, als ihn ein Wohnmobil erwischte. Er stürzte schwer, zog sich Prellungen am ganzen Körper zu und wurde mit dem Rettungswagen ins nächste Krankenhaus gebracht. „Ich hatte sehr viel Glück im Unglück“, sagte der Ausdauersportler der TSG Bergedorf.

Trauma beim Radfahren

Doch der Unfall wirkte nach. In den ersten Wochen trainierte er nur in den eigenen vier Wänden – „auf der Rolle“. Hierbei wird das Hinterrad des Rennvehikels herausgenommen, der Rest auf eine Rolle gesetzt. Erst zögerlich wagte sich der Lohbrügger auf die Straße. „Wenn ein LKW kommt, zucke ich immer noch zusammen“, sagt Paul Siemers. Dabei ist Radfahren seine Lieblingsdisziplin.

Gespräche mit seinem Vater helfen ihm aber, das Trauma zu überwinden. Geärgert hat sich der 20-Jährige über den Unfallverursacher: „Erst hat er die Sache abgetan, dann kam zwar eine Entschuldigung, aber nur zögerlich.“

Nachdem er in diesem Jahr sein Abitur gemacht hat, jobbt er etwa 20 Stunden in der Woche und trainiert genauso lange. „Ich konzentriere mich zurzeit voll auf meinen Sport“, sagt Paul Siemers. Das soll sich im kommenden Jahr auszahlen: möglichst mit einer Medaille bei der Weltmeisterschaft in Nizza.